Wenn ein Bild Leben rettet

Das Thema hochautomatisiertes Fahren ist ein sehr komplexes – schließlich muss die Software künftig die Entscheidung treffen, in welchen Situationen eine Gefahr für den Fahrer und seine Umgebung besteht. Die Bilderkennung kann hier eine aktive Schutzrolle übernehmen, weswegen die Technologie dahinter bei der ESG im Fokus steht – Thomas Scherübl erklärt mehr.

Herr Scherübl, Ihr Fachgebiet ist die Bilderkennung – innerhalb dieses Themenkomplexes arbeiten Sie hauptsächlich an Projekten aus der Auto­mobil­branche. Wozu benötigen Automobilhersteller die Bilderkennung?
Bereits heute wird die Bilderkennung in modernen Fahrzeugen bei einer Reihe von Funktionen, wie der Schildererkennung und Fahrspurerkennung verwendet. Weitere mögliche Anwendungsfälle sind das Erkennen und Verstehen der Umgebung, um in Kontext des hochautomatisierten Fahrens Entscheidungen treffen zu können. Die Bildverarbeitung ist nur ein Teil der Systemlösung. Darüber hinaus wird eine Vielzahl weiterer Sensoren, wie zum Beispiel Radar und Lidar verwendet. Die so gewonnen Kenntnisse werden dann fusioniert, um die Stärken der jeweiligen Verfahren zu kombinieren.

Welche ist Ihrer Meinung nach die größte Herausforderung, die es in Sa­ch­en Bilderkennung für die Automobilindustrie aktuell gibt und können Sie ein Beispiel nennen?
Es gibt natürlich eine große Vielzahl an Herausforderungen, die technischer Na­tur oder auch nicht sein können, wie beispielsweise die juristischen Fragen zur Haftung bei hochautomatisiertem Fahren. Aus technischer Sicht ist die Senkung der Fehlerrate eine große Herausforderung für die Bildverarbeitung und anderen Verfahren zur Umweltanalyse. Dies steht auch im Zusammenhang mit der Problematik der Datensammlung. Zum Trai­nieren und Testen von Funktionen wer­den Daten von sehr vielen verschiedenen Szenarien benötigt und trotzdem werden in der Praxis immer Fälle auftreten, die in den verwendeten Daten nicht enthalten waren. Menschen sind bei der Einschätzung einer solchen Situation sehr gut, aber für Maschinen ist es aktuell noch sehr schwer, unbekannte Situationen an Hand der Kombination von Wissen über mehrere andere Situationen zu analysieren und bewerten.

Mit welchen Mitteln arbeiten Sie, be­ziehungsweise die ESG, an Lösungen für diese Herausforderung?
Unter anderem arbeiten wir an Methoden, welche die unterschiedlichen Sensoren in ein gemeinsames Koordinaten­system transformieren. Dabei wird die La­ge, beziehungsweise Blickrichtung der Sensoren zueinander und zur Fahrt­richtung des Autos ermittelt. Hier arbei­ten wir an Verfahren, die auch im Betrieb, also ohne aufwendige Kalibriervorgänge, ge­nutzt werden können. Diese Techniken sind wichtig, um die unterschiedlichen Stärken ausnutzen zu können. Zum Beispiel können Radar- und Lidar-Daten verwendet werden, um die Entfernung zu einem in den Kamerabildern er­kannten Verkehrsteilnehmer zu bestimmen.

Lassen sich die Lösungen aus diesen Projekten auch auf andere Branchen übertragen?
Viele der Probleme in der Umwelterfassung für die Automobilindustrie lassen sich natürlich auch auf andere Branchen übertragen, wie zum Beispiel die Servicerobotik. Aber prinzipiell sind Lösungen auf diesem Gebiet für alle Branchen, welche nur wenige Annahmen über ihre Umwelt treffen können, interessant.

Soft- oder hardwarenahes Arbeiten: Was präferieren Sie und warum?
Darauf muss ich etwas unspezifisch mit „hardwarenahe Software“ antworten. (lacht) In meinen bisherigen Arbeiten konnte ich in beiden Gebieten Erfahrungen sammeln und arbeite tendenziell lieber an softwarelastigen Themen. Aller­dings finde ich gerade Themen, die an der Schnitt­stelle angesiedelt sind, sehr interessant.

Sie arbeiten in einem Team von zirka sieben Kollegen. Schnuppern Sie auch einmal in andere Projekte hinein?
Das Team, in dem ich arbeite, ist bewusst so aufgestellt, dass wir bei Projekten in anderen Bereichen unterstützen. So habe ich in meiner Zeit hier bereits bei vielen Projekten in diversen Themengebieten mitwirken können.

Was hat Sie dazu bewogen, nach drei Jahren beim DLR in der Forschung in die Industrie zu wechseln – und warum zu einem Ingenieurdienstleister?
Die Arbeit in der Forschung ist sehr interessant und spannend, allerdings habe ich meine Zukunft in der Industrie gesehen. Deshalb habe ich meine aktuelle Situation unter Berücksichtigung meiner Ziele evaluiert und mich nach interessanten Angeboten umgesehen. Die Entscheidung für die ESG als Systemhaus fiel dann auf Basis des Komplettpaketes, welches mich überzeugen konnte. Dazu gehören unter Anderem die Arbeitsbedingungen mit Gleitzeit und der Mög­lichkeit zur Heimarbeit. Darüber hinaus finde ich auch die behandelten Themenbereiche sehr spannend.

Bilderkennung beim autonomen Fahren

Thomas Scherübl

Wie schätzen Sie die Arbeit beim Ingenieurdienstleister im Vergleich zu ei­nem Branchenunternehmen ein?
Sehr hoch schätze ich die Möglichkeiten in vielen verschiedenen Arbeitsbereichen Erfahrungen zu sammeln. Man ist nicht auf einen Themenbereich fixiert, sondern kann sich je nach seinen Kenntnissen und Interessen an den Stellen einbringen, die sich gerade auftun. Darüber hinaus, denke ich, ist die Arbeit bei einem Ingenieur­dienstleister sehr technisch geprägt, wohin­gegen bei vielen größeren Bran­chen­unternehmen die Beauftragung, Betreuung und Abnahme von Projekten für Ingenieurdienstleister eine signifikante Rolle spielt.


Wofür die ESG steht und welche Stellenangebote gerade offen sind, erfahren Absolventen immer brandaktuell unter esg.de/karriere.


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