Das Beste aus beiden Welten

Luftfahrtantriebe sind technologische Produkte der Extraklasse. Sie verfügen nicht nur über eine Komplexität, die ihresgleichen sucht, sondern erfüllen die höchsten Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen. Die MTU Aero Engines hat sich auf Hochdruckverdichter, Niedrigdruckturbinen und Turbinenzwischengehäuse für Triebwerke aller Schubklassen spezialisiert. Bettina Riedel von HI:TECH CAMPUS sprach mit Elektra Stavropoulou und Simon Waldenmaier.

MTU, Simon Waldenmaier, Faszination Luft und Raumfahrt

Simon Waldenmaier

Herr Waldenmaier, Sie sind als dualer Student bei der MTU eingestiegen.
Richtig, ich hatte mich damals bei der MTU dafür beworben, anschließend den Bewerbungsprozess mit dem Assessment Center durchlaufen – und bekam am gleichen Tag die positive Entscheidung. Studiert habe ich an der dualen Hochschule Baden-Württemberg, die schon seit 1985 unsere Kooperationshochschule ist.

Was fasziniert Sie an der Branche?
Vor meinem Einstieg bei der MTU war ich noch gar nicht auf eine Branche fixiert. Im Vorstellungsgespräch war dann schnell klar, dass es gegenseitig gepasst hat und sehr interessant und fordernd werden würde: Die Branche basiert auf Hochtechnologie und ist unheimlich innovationsgetrieben. Bauteile für die Luftfahrt sind viel komplexer als zum Beispiel die der Automobilindustrie, das macht mir im Einkauf dann auch mehr Spaß.

Was haben Sie studiert?
Wirtschaftsingenieurwesen – damit bin ich eigentlich ein sehr gefragter Hybrid aus BWLer und Ingenieur. Denn die MTU braucht Menschen, die beide Welten verstehen. Tätig bin ich schlussendlich im Einkauf – allerdings stark technisch orientiert. Von Ingenieursinhalten, wie technische Zeichnungen, Zeichnungseinschätz­- ungen bis hin zu Kostenschätzungen – gehört alles zu meinem Aufgabengebiet. Wenn ich die Zeichnung eines Bauteils nicht verstehen könnte, könnte ich keine Kosten dafür kalkulieren. Insofern ist Wirtschaftsingenieurwesen ein sehr praxisorientierter Studiengang.

Gab es während Ihres Studiums ein Mentorenprogramm?
Nicht dezidiert, aber die Ausbildungsabteilung ist der erste Ansprechpartner für alle Fragen. Irgendwann verselbstständigt sich das, weil man die Kollegen in den Abteilungen kennenlernt und so sein eigenes Netzwerk aufbaut.

Welche Vorurteile werden Ihnen als Einkäufer entgegen gebracht?
Meistens, dass ich ja ‚nur‘ ein BWLer sei. Aber bei der MTU arbeiten insgsamt viele Spezialisten aus verschiedenen Disziplinen zusammen. Insofern ist das okay – einem Maschinenbau-Ingenieur im BWL-Bereich geht es doch sicherlich auch so.

Und was sagt der Einkäufer zum Trend ,3D-Druck‘?
Das wird der nächste große Schritt! Die MTU hat mit kleineren Bauteilen angefangen, die auch nicht in den heißesten Bereichen des Triebwerks positioniert sind. Das macht die Arbeit im Einkauf jedoch nicht einfacher, denn wir müssen auch die Grundmaterialien sowie die Maschinen beschaffen. Da in der Luftfahrt Qualität über alles geht, wird es noch sehr lange dauern, bis auch komplexere Teile additiv hergestellt werden können. Luftfahrtantriebe sind wesentlich komplexer als etwa Automotoren und müssen höheren Anforderungen genügen.

In welchen Abteilungen waren Sie?
Wir haben mit den technischen, fertigungsnahen Fächern begonnen. Mein erstes Team war der Produktionssupport, hier ging es um Kennzahlen der Fertigung oder auch Kostenbewertungen. Die zweite Abteilung sollte Richtung Controlling gehen, in meinem Fall war das die militärische Preisprüfung. Auch hier braucht es den Ingenieur-BWL-Hybrid. Dann war ich im Rahmen meines Auslands-Praxissemesters drei Monate lang in Vancouver in der Arbeitsvorbereitung. Im Anschluss ging es in die finale Phase: Programmmanagement für US-militärische Triebwerke, dort habe ich auch mei­ne Bachelorarbeit geschrieben.

Die  neue Ge­neration dualer Studenten plant mittler­­weile längerfristig. Hier wird  aktiv nach Abteilungen gesucht, die für die Zeit nach dem Studium Bedarf angemeldet haben. Dann werden die Studenten je nach Neigung und Interesse gezielter auf ihre spätere Tätigkeit vorbereitet. Das hat nicht zuletzt den Vorteil, dass sie schneller selbstständig arbeiten können als etwa ich vor ein paar Jahren.

Werden Sie noch einen Master neben dem Beruf erwerben?
Aktuell spielt das für mich keine Rolle. Ich könnte es tun und die MTU würde es unterstützen, wie bei Kollegen meines Jahrgangs auch. Man muss es sich schon gut überlegen, denn ein Teil des Masters wird immer in die Freizeit fallen. Natürlich gibt es viele Modelle, weil die MTU natürlich auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter sowie die Anforderungen der jeweiligen Position eingeht. Das rangiert von vollständig freigestellt werden bis zu einem dualen Master in der Zusammenarbeit mit der DHBW oder einem Abendstudium, Wochenend- oder Blockseminaren. Gespräche mit meinem Vorgesetzten haben ergeben, dass ich in meinem Arbeitsumfeld keinen Master benötige, um mich bei der MTU weiterzuentwickeln. Daher habe ich mich aktuell dagegen entschieden.

Elektra Stavropoulou , MTU Berufseinstieg Luft und Raumfahrt

Elektra Stavropoulou

Frau Stravropoulou, Sie haben im Fachbereich Mathematik promoviert. Ist das ein klassisches Fach für die Luft- und Raumfahrt?
Ich habe ein Diplom in Mathematik gemacht und im Fachbereich Computational Mechanics promoviert. Ich fühle mich damit gar nicht wie ein Quereinsteiger unter all den Ingenieuren, denn alles, was ich im Studium gelernt habe, kann ich hier direkt anwenden. Die Auslegung ei­nes Triebwerks ist so kompliziert und anspruchsvoll, dass viele Disziplinen zu­sam­- menarbeiten müssen – darunter Werk­­­stoffspezialisten, Aerodynamiker, Struk­tur­mechaniker und eben Mathematiker.

Was macht ein klassischer Mathematiker, wenn es um ein Triebwerk geht?
An sich bin ich nicht ganz so klassisch ausgebildet, denn ich habe angewandte Mathematik studiert. Zusammengefasst han­- delt es sich bei Computational Mechanics um mathematische Methoden, um ingenieurwissenschaftliche Probleme zu lö­sen. Wir erstellen virtuelle Modelle und untersuchen, wie Bauteile eines Triebwerks bei höheren Belastungen und Temperaturen reagieren. Ich arbeite in der Entwicklung und der Abteilung, die neue Triebwerke auslegt. Die Abteilungsbezeichnung lautet Strukturmechanik Turbinenbeschaufelung und das Team besteht aus etwa zwölf Kollegen. Ich persönlich konzentrie­re mich auf die numerische Auslegung von Leit- und Laufschaufeln in der Turbine. Im Team führen wir zusammen die strukturmechanische Berechnung dieser Teile einer Turbine durch, um sicherzustel­len, dass diese im Flug zusammenhalten.

Gab es etwas, das Sie bei Ihrem Berufs­einstieg überrascht hat?
Dass wir die Auslegung der Triebwerke hauptsächlich im Computer mittels numerischer Methoden gestalten. Wie hoch sind die Spannungen in den Bauteilen? Wie die Frequenzen? Das müssen wir wissen, denn auf diesen Ergebnissen basiert alles. Sie sind also nicht nur eine theoretische Rechnung.

Wie wurden Sie auf MTU als Arbeitgeber aufmerksam?
An sich kannte ich die MTU von Freunden, die dort bereits tätig waren. Ich wusste nur noch nicht, dass ich auch als Mathematikerin dort einen Platz finden kann.

Die MTU führt viele Projekte in direkter Zusammenarbeit mit den Hochschulen durch, wie zum Beispiel damals mit meinem Professor an der TUM. Das Unternehmen hat sich hohe Ziele gesetzt, was die Technologie angeht. Bis zum Jahr 2050 soll etwa der Kerosinverbrauch um bis zu 40 Prozent verringert werden, aktuell stehen wir bei 15 Prozent. Damit verringert sich auch der CO2-Ausstoß, die Triebwerke werden leiser und damit entsteht auch für Personen auf dem Boden weniger Lärm. Für diese Ziele benötigen wir die Wissenschaft.

An welchem Projekt arbeiten Sie aktuell?
An unserem neuesten Programm, dem sogenannten Getriebefan (GTF). Dieses Triebwerk ist der Antrieb der Zukunft und wird von Pratt & Whitney und der MTU realisiert. Wir liefern dafür unter anderem eine schnelllaufende Niederdruckturbine. Der GTF ist das erste Triebwerk dieser Größe, das ein Getriebe haben wird – definitiv ein technologischer Quantensprung, denn auf einen Schlag sinkt der Kerosinverbrauch um 15 Prozent und die Lärmemission sogar um nahezu 50 Prozent. Unter anderem fliegt der Airbus A320neo mit GTF-Power.

Welche drei Eigenschaften benötigt ein Interessent, um bei der MTU Aero Engines erfolgreich zu sein?
Wissenschaftliche Expertise, eine Promotion hilft ungemein, denn hier lernt man, sich durch  Probleme durchzubeißen und analytisches Denken zu entwickeln. Au­ßer­dem die Bereitschaft, Neues zu lernen und nicht zuletzt Teamfähigkeit, denn die Projekte dauern  lang, die Themen sind komplex und die Zusammenarbeit ist entsprechend eng. Die Bereitschaft zu Dienstreisen sollte auch vorhanden sein.

Inwiefern?
Die Luftfahrtbranche ist global aufgestellt und hat nur wenige Mitspieler. Unsere Kunden sind die großen Triebwerkshersteller in den USA; unsere Partner befinden sich auf der ganzen Welt.


Mehr Informationen zu den aktuellken Einstiegsmöglichkeiten auch unter mtu.de

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