Wie viel verdienen Ingenieure und Informatiker wirklich?

hitech-campus.de hat über die vergangenen 6 Monate Unternehmen aus den ING- & IT-Domänen ganz direkt gefragt: “Wie viel verdienen Absolventen im ersten und zweiten Jahr bei Ihnen?” Während die Befragung selbstverständlich anonym war, sprechen die Zahlen eine deutliche und bisweilen überraschende Sprache.

Informatiker verdienen weniger als Ingenieure!

Das ist die Aussage, mit der vorab wohl kaum einer gerechnet hätte, aber die Angaben der rund 230 Teilnehmer offenbaren eine Differenz von 700 bis knapp  1.100 Euro brutto pro Jahr zwischen den beiden Zielgruppen. Im Netto, also nach Abzug der Steuern, Versicherungen und weiteren Beträgen wird das über den Zeitraum eines Jahres allerdings kaum spürbar. So sehen die Jahresverdienste (brutto) im Schnitt aus:

Ingenieure (Bachelor)
1. Jahr: 44.585,19 €
2. Jahr: 47.669,19 €

Ingenieure (Master)
1. Jahr: 48.361,63 €
2. Jahr: 51.927,31 €

Informatiker (Bachelor)
1. Jahr: 43.822,69 €
2. Jahr: 46.912,94 €

Informatiker (Master)
1. Jahr: 47.219,13 €
2. Jahr: 50.907,69 €

Anschließend wurden die Unternehmen gefragt, welche fünf Faktoren eine positive Auswirkung auf die Einstellung haben und natürlich das Gehalt. Am wichtigsten ist euren zukünftigen Arbeitgebern nicht etwa die Abschlussart, sondern die Praxiserfahrung. Warum dann Masterabsolventen dennoch mehr verdienen? Das kann mit zwei Faktoren korrelieren: Einerseits hat man als Masterstudent mindestens zwei Jahre mehr Zeit, um entsprechende Praxiserfahrung zu sammeln. Andererseits ist die Abschlussart das zweite Kriterium mit dem größten Einfluss auf die Gehaltsfrage.

Lohnt es sich also, den Master zu machen?

hitech-campus.de hat das für euch mal im Detail ausgerechnet. Voraussetzung: Entsprechendes Jahresgehalt von oben, Steuerklasse 1, Kirchenzugehörigkeit ja, gesetzlich versichert, keine Kinder, Bundesland Baden-Württemberg:

Ingenieure (Bachelor)
1. Jahr: 2.232,57 €
2. Jahr: 2.351,15 €

Ingenieure (Master)
1. Jahr: 2.377,34 €
2. Jahr: 2.510,25 €

Im ersten Jahr beträgt der Unterschied für Ingenieure (Bachelor) pro Monat und netto also 144,77 Euro und im zweiten Jahr bereits 159,10 Euro. Innerhalb von zwei Jahren bringt euch der Master im Schnitt insgesamt einen Mehrverdienst von 3.646,44 Euro. Die Frage, ob der Master sich lohnt, ist zunächst also davon abhängig, wie ihr euch diese zwei Jahre finanziert. Wer lieber langfristig denkt, sollte Folgendes nicht außer Acht lassen: Je länger man in einem Job tätig ist, umso mehr zählen die bisherige Erfahrung, Erfolge, Weiterbildungen und nach fünf bis sechs Jahren auch das berufliche Netzwerk. Man darf also nicht davon ausgehen, dass man mit einem Master kontinuierlich mehr verdient als der Bachelorabsolvent. Auch die Personalabteilungen verjüngen sich immer mehr, sodass die ältere Garde, die oftmals (nicht immer!) auf klassische Faktoren wie die Abschlussart und -note setzt.

­­­Betrachten wir den Fall der Informatiker:

Informatiker (Bachelor)
1. Jahr: 2.202,72 €
2. Jahr: 2.322,25 €

Informatiker (Master)
1. Jahr: 2.334,01 €
2. Jahr: 2.472,61 €

Im ersten Jahr beläuft sich die Differenz zwischen Bachelor und Master auf 131,29 Euro netto pro Monat und im zweiten Jahr auf 150,36 Euro – in der Gesamtsumme ergeben sich also 3.379,80 Euro. Wer kurz vor dem IT-Bachelor steht, dürfte also analoge Überlegungen wie der Ingenieur anstellen.

Welche Faktoren entscheiden über das Gehalt?

Übrigens: Social Skills sind den meisten Unternehmen erstaunlicherweise eher unwichtig, wenn es um Ingenieure und Informatiker geht. Wie verträgt sich dies mit den gemeinhin postulierten Anforderungen, nach denen auch der Technik-Absolvent doch bitte auch ein hohes Maß an Sozialkompetenz mitbringen sollte? Eine Erklärung könnte sein, dass Ingenieure und Informatiker von den Unternehmen noch immer ausschließlich auf der Fachebene gesehen werden: „Du arbeitest an der Lösung unserer technischen Probleme mit, das reicht uns.“ könnte einer Denkweise entspringen, die dem technischen Nachwuchs noch immer keine Führungspositionen zutraut. Deshalb unser Rat: Fragt ruhig nach Aufstiegsmöglichkeiten, möglicher Füh- rungs­verantwortung und der Unterstützung bei der dafür nötigen Kompetenzbildung. Denn wer euch nur als nerdigen Coder im Keller sitzen haben will, hat möglicherweise auch kein ge­steigertes Interesse daran, euch weiterzuent­wickeln.

Grundsätzlich sind Einstiegsgehälter bei den meisten Unternehmen Verhandlungssache. Für eine Position wird nicht zwangsläufig ein ganz konkretes Gehalt festgelegt, sondern ein Intervall, etwa: „Zielgehalt liegt bei zwischen 41.000 brutto/ Jahr und 43.500 brutto/ Jahr“. Wie ihr euch im Vorstellungsgespräch verkauft, kann also durchaus über den einen oder anderen Schein auf dem Konto entscheiden.

Einen klaren Vorteil haben Embedded Software-Entwickler oder auch die Elektrotechniker, denn für diese müssen die Unternehmen unserer Umfrage besonders viel Aufwand im Recruiting betreiben – das stärkt euren Stellenwert. Am meisten gesucht sind hingegen ganz allgemein Absolventen mit SAP-Kenntnissen, der typische Softwareentwickler, Maschinenbauer und Absolventen der Elektrotechnik.

Gibt es bald den IT-Ingenieur?

Ein kleiner Clou: Knapp 13 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, eine Art IT-Ingenieur zu suchen – und das, obwohl wir gar nicht danach gefragt haben. Das unterstreicht, wie stark die IT im Vormarsch ist, aber den klassischen Ingenieur niemals vollständig ersetzen wird. Wer als Ingenieur also Grundkenntnisse der IT mitbringt und den Willen, sich darin auch weiterzuentwickeln, kann zukünftig Großes bewegen.

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