Im UTC-Netzwerk zum Erfolg

Wenn aus einem vermeintlichen Rückschlag der bisher größte Erfolg wird – Maria Lißner kann ein Lied davon singen. Anstatt ein Praktikum zu absolvieren, promoviert sie derzeit (Mitte 2016) innerhalb des UTC-Netzwerks von Rolls-Royce plc an der Universität Oxford zu Klebeverbindungen. Eines ihrer Ziele ist, den Leichtbau durch ihre Forschung voranzutreiben.

Mein Maschinenbaustudium an der TU Dresden habe ich mit der Vertiefung in Leichtbau und Kunststofftechnik 2015 abgeschlossen. Um vor allem einen besseren Einblick in Materialverhalten von Faserverbundwerk- und Kunststoffen zu erhalten, habe ich als studentische Mit­arbeiterin in unserem Prüflabor gearbei­tet. Dort habe ich meine spätere Be­treuerin an der TU Dresden kennenge­lernt, die mich mit dem UTC-Koordinator in Kontakt gebracht hat. UTC steht für die weltweiten „University Technology Centres“ von Rolls-Royce. Es versteht sich als Netzwerk, in dem einerseits sehr praxisnah geforscht wird, andererseits aber auch der ständige Wissensaustausch zwischen den verschiedenen internationalen Zentren stark gefördert wird. Die Partnerschaften mit Rolls-Royce ermöglichen es den Wissen­schaftlern an UTCs, Forschungsergebnisse an hochkarätigen Anlagen und Original-Bauteilen zu testen und realitäts­nah weiterzuentwickeln. Jedes Zentrum forscht an einem technischen Schlüsselbereich – im Falle des UTC Dresden ist das der Leichtbau. So kann zum Beispiel eine Nebenantriebs­­welle in Leichtbaukonstruktion zu Treibstoffeinsparungen von fünf Prozent führen. Mit dem im Leichtbau wichtigen Thema Klebeverbindungen kam ich das erste Mal während eines Praktikums bei einer Firma in Rosenheim in Berührung.

Von da an habe ich mich in Seminararbeiten und nicht zuletzt in meiner Diplomarbeit mit der experimentellen und numerischen Untersuchung von Klebeverbindungen zwischen verschiedenen Materialien beschäftigt. Das Thema hat mich so nachhaltig fasziniert, dass ich meine wissenschaftliche Arbeit in diesem Forschungsfeld auch im Rahmen meiner Promotion am UTC Oxford bis jetzt fortgesetzt habe. Interessant an diesem Forschungsfeld finde ich vor allem, dass es noch relativ jung und daher noch nicht vollkommen ausgeforscht ist.

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Maria Lißner begann 2009 mit dem Maschinenbaustudium an der Technischen Universität Dresden und schloss es 2015 erfolgreich ab. Vom UTC-Standort Dresden wechselte sie an den UTC-Standort Oxford, wo sie aktuell (Sommer 2016) promoviert.

Ich möchte die Forschung in diesem Bereich gerne weiter voranbringen, weil ich überzeugt bin, dass neuartige Verbindungstechniken ein großes Potenzial besitzen – vor allem dort, wo herkömmliche Techniken nicht geeignet sind. Beim Kleben können verschiedene Werkstoffklassen, wie Metalle und Polymere, miteinander verbunden werden, um Bauteile leichter und stabiler zu machen. Mit dem Wegfall von herkömmlichen Verbindungselementen wie Schrauben oder Nieten ergeben sich zusätzliche Optimierungsmöglichkeiten für den Leichtbau. Die Rahmenbedingungen am UTC ermöglichen es mir, dass ich projektbezogene Forschung und Arbeit an meiner Promotion miteinander verbinden kann: Am Anfang am UTC-Standort Dresden, mittlerweile sogar in Oxford. Im UTC-Netz­werk wird nicht zwischen ,Studium’ und ,wissenschaftlicher Arbeit’ unterschieden. Insofern kommt es nicht zu der klassischen Doppelbelastung aus Arbeit und Studium. Durch das UTC-Netzwerk bekam ich einen sehr guten Einblick, wie Wissen­schaft und Industrie erfolgreich zu­sammenarbeiten können. Zudem arbeite ich mit interessanten Menschen aus der ganzen Welt zusammen, die an einer Viel­zahl von Lösungsansätzen für wissen­schaftliche Fragestellungen forschen.

Erfolg und Niederlage können in engem Zusammenhang zueinander stehen – ein vermeintlicher Rückschlag kann den Weg für neue Möglichkeiten bereiten. Ich hatte mich eigentlich spontan dazu entschieden, noch vor dem Anfertigen der Diplomarbeit ein Praktikum in der Industrie zu absolvieren. Das hat aber auf die Schnelle nicht funktioniert. Zunächst war ich enttäuscht darüber, bekam dann aber kurz darauf das Angebot vom UTC-Standort Oxford, das mich zu meinem bisher größten Erfolg geführt hat: Meine Promotion an der Universität in Oxford. Dieser Erfolg soll natürlich nicht der einzige in meiner Karriere bleiben: In fünf Jahren möchte ich meine Promotion erfolgreich abgeschlossen haben und in einer leitenden Position in der Forschung und Entwicklung von Verbindungstechniken arbeiten – in der Industrie oder in der Wissenschaft.


Rolls-Royce plc betreibt das UTC-Netzwerk, in dem auch die TU Dresden vertreten ist. For­schungs­schwerpunkte sind Systemleichtbau, Multi-Material-Design und Robust Design. Im Bild ganz oben: Eine der Triebwerk­schaufeln der Trent-Reihe.

Mehr Informationen auch unter rolls-royce.de.

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