IT-Vielfalt neu definiert

Frauen und IT? Für Franziska Grüneis stellt sich diese Frage nicht. Schon während ihres Studiums an der TU München stieg die junge Mutter als Werkstudentin bei der ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH ein – und nach dem Abschluss startete sie dort voll durch: Ihre Software landet in fliegenden oder fahrenden Cockpits, die Familie kommt dank flexibler Arbeitszeitenregelung nicht zu kurz. Ein Erfahrungsbericht.

Ich arbeite als C++-Software-Ent­wicklerin für das System- und Softwarehaus ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH in Fürstenfeldbruck bei München. Mein aktueller Schwerpunkt ist ein Projekt namens ,TPFD’. Diese Abkürzung steht für TORNADO Prototyping & Familiarization Device. Dahinter verbirgt sich ein System für die Entwicklung neuer Hard- und Softwarekomponenten sowie für die auf­wandsarme Durchführung von Tests für das Luftfahrzeug TORNADO in einer virtuellen Umgebung. Es verfügt über eine originalgetreue Software, sodass man neue, in einem Rapid-Prototyping-Verfahren entwickelte Funktionalitäten oder Applikationen rechnergestützt ausführen und testen kann – ohne dafür das Original-Luftfahrzeug und entsprechend luftfahrtrechtlich zugelassene Hard- oder Software zu benötigen. Dadurch werden mögliche Risiken in der Software-Ent­wicklung signifikant reduziert, die Entwicklungszeiten wesentlich verkürzt und etwaige Korrekturen im Entwicklungs­prozess seitens des Kunden minimiert.

Bereits während meiner Schulzeit galt mein Interesse der Mathematik und bald ganz besonders der Steuerung von Robotern. Deshalb beschloss ich, nach dem Abitur Informatik zu studieren. Kurz nach dem Abitur kam mein Sohn zur Welt, sodass ich zunächst zwei Semester Informatik an der Fernuniversität Hagen studierte, bevor ich ein Präsenzstudium an der TU München begann. Als besonders wertvoll empfand ich den nun möglichen persönlichen Kontakt zu Kommilitonen.

„Dank moderner Teilzeitkonzepte gelang mir auch als Mutter der Berufseinstieg.“

Glücklicherweise erhielt ich einen Platz für meinen Sohn in der Kita direkt neben der Universität – damit konnte ich die besonderen Herausforderungen als studierende Mutter erfolgreich bewältigen. Im Masterstudium spezialisierte ich mich auf den Bereich ,Robotics, Cognition & Intelligence’ – da mich die autonome Steue­rung von Quadrocoptern zu­nehmend begeisterte. Ein Kommilitone be­richtete mir, dass sich die ESG unter anderem mit der Programmierung von Avioniksystemen für Quadrocopter be­schäftigt. Daraufhin habe ich mich als Werk­studentin bei der ESG beworben, mit dem Wunsch, dort meine Masterarbeit in diesem Umfeld zu schreiben. Während meiner Werkstudenten­tätigkeit wurde ich in viele unterschied­liche Projekte der Technologieabteilung des Luftfahrtbe­reichs integriert und genoss den intensiven Aus­- tausch mit anderen Studenten und Festangestellten. Dieser Bereich ent­spricht einer Entwicklungsabteilung, in der neu­este Technologien umgesetzt werden.

In meiner Abschlussarbeit untersuchte ich schließlich die Simulation einer auto­nomen Lawinensuche mittels Quadrocoptern. Ich habe sehr davon profitiert, dass die Kollegen in der Abteilung unterschiedliche fachliche Hintergründe hatten – Luft- und Raumfahrttechniker, Informatiker, Elektro-/Nachrichtentechniker, Physiker und Mathematiker arbeiten gemeinsam an einem Projekt – da ich manchen guten Rat für meine Masterarbeit bekam. Die enge Zusammenarbeit mit den Kollegen und das angenehme Arbeitsklima bei der ESG haben mich schnell davon überzeugt, auch nach dem Studium weiter dort arbeiten zu wollen.

Von den Frauen in meiner Abteilung, die ebenfalls Kinder zu betreuen haben, wusste ich, dass es bei der ESG sehr gut möglich ist, Berufliches und Privates ver­ein­baren zu können, beispielsweise durch entsprechende Teilzeitmodelle. Leider gab es im Luftfahrtbereich zum Zeitpunkt meines Studienabschlusses keine ent­sprechende Vakanz, dennoch stieß ich auf eine interessante Stelle im Automotive-Bereich der ESG. Durch ein Teilzeitmodell mit 24 Stunden pro Woche war es mir von Anfang an möglich, den Berufseinstieg und die Betreuung meines Sohnes gut unter einen Hut zu bringen.

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Franziska Grüneis konnte bei der ESG auch mit Familie und Kind erfolgreich ins Berufsleben einsteigen.

„Mein erstes Projekt bei der ESG: Hochvoltsicherheit bei elektrischen Antrieben”

Eines der ersten Kundenprojekte drehte sich um die funktionale Sicherheit des elektrischen Antriebs (Hochvoltsicherheit) eines Elektrofahrzeugs. Meine Aufgabe war es, sich mit den Anforderungen im Fahrzeug­system vertraut zu machen und daraufhin zu überprüfen, ob es bei verschiedenen Fahrszenarien zu gefährlichen Zuständen kommen kann. Dabei arbeiteten wir nach dem in der dafür einschlägigen Norm (ISO 26262) definierten Vorgehensmo­dell, das die funktionale Sicherheit im Fahrzeug gewährleisten soll. Nach zwei spannenden und abwechslungsreichen Jahren im Automotive-Bereich wechselte ich wieder in die Avionik, da ich mich wieder auf meine erlernten Kompetenzen im Studium konzentrieren und Software entwickeln wollte.

Bei meinem jetzigen Projekt arbeite ich in einem SCRUM-Team von sieben Entwicklern und einem Test-Ingenieur. SCRUM ist für mich sehr spannend und interessant, weil der Kunde alle zwei Wochen präsentiert bekommt, was wir während dieses sogenannten Sprints entwickelt haben und wir so ein direktes Feedback erhalten. Ein weiterer Vorteil in unserer Abteilung ist, dass der Kunde häufig anwesend ist, um seine Anforderungen persönlich zu beschreiben und an unserem TPFD umgehend auszuprobieren. So stehen er und spätere Nutzer schnell für Rückfragen zur Verfügung – und ihre Wünsche können direkt umgesetzt werden. Mögliche Missverständnisse aufgrund unter­­schiedlich interpretierter Spezifikationen werden so reduziert, die Kunden- und die eigene Zufriedenheit werden erhöht. Durch SCRUM hat aber auch der Kunde eine gewisse Verantwortung, weil er die Anforderungen im sogenannten Backlog aktuell halten und die Priorisierung der Anforderungen steuern muss. Das Schöne als Software-Entwicklerin in diesem Projekt für den TORNADO ist, dass wir über eine fertig aufgesetzte Entwicklungs­umgebung verfügen, die das Team immer wieder anpassen kann, um die spezifischen Aufgaben abwechslungsreich zu gestalten. Wir arbeiten zum Beispiel sowohl an den Bediener-Oberflächen des TPFD als auch an Simulationen bestimmter Hardware-Komponenten. Wir programmieren hauptsächlich in C++, schreiben aber auch Python- und Bash-Skripte.

Seit ich Teil des Teams bin, arbeiten wir daran, das TPFD an eine Link16-Netzwerk-Simulation anzubinden, um die Kommunikation zwischen verschiedenen Objekten (Schiffe, Fahrzeuge und Flugzeuge) zu simulieren. Eine Aufgabe dabei war beispiels­weise, eine digitale Karte zu integrieren, auf der alle simulierten Objekte angezeigt und bearbeitet werden können. Die Vernetzung im Team, über Abteilungs- und Bereichsgrenzen hinweg und die Chance, Zukunftstechnologien und Sicherheits­konzepte aus einem Cockpit mit Flügeln in ein Cockpit mit vier Rädern – oder umgekehrt – zu transferieren, macht meinen Beruf so spannend und abwechslungsreich! Dennoch he­be ich dabei nicht ab – nicht nur meinem Sohn zuliebe. 

Autorin: Franziska Grüneis


Mehr Informationen auch auf esg.de/karriere.

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