Sprungbrett: Abschlussarbeit

Theoretisches Wissen ist längst nicht alles: Damit es mit dem Berufseinstieg optimal klappt, müssen Absolventen bereits über Praxiserfahrung verfügen. Eine Möglichkeit, beides unter einen Hut zu bekommen, ist, die Abschlussarbeit in Zusammenarbeit mit einem Unternehmen zu verfassen. Für Marc Knapp und Vanessa Strauch wurde dieses Vorgehen zum Karrieresprungbrett beim Automobilzulieferer Eberspächer.

hitech campus, HITECH CAMPUS, Eberspächer, Wilsdruff, Automobilzulieferer, Abschlussarbeiten, Marc Knapp, Berufseinstieg AutomobilzuliefererHerr Knapp, Sie haben ein Kooperatives Studium Engineering and Management absolviert. Was genau bedeutet kooperativ in diesem Zusammenhang? 
An sich folgt das Studium einem dualen Konzept, das Praxiserfahrung und wissenschaftliches Know-how miteinander verbindet. Sowohl während meines Studiums zum Diplomingenieur  im Maschinenbau an der ASW St. Ingbert, als auch während des Masters an der HTW Saarbrücken war ich als Werksstudent bei Eberspächer angestellt. Eingestiegen bin ich letztendlich in genau die Abteilung, in der ich meine Abschlussarbeit geschrieben habe: Forschung & Entwicklung, Werkstofftechnik.


Was war das Thema der Arbeit? 

Da ging es um Mess- beziehungsweise Charakterisierungsmethoden von durch Korrosion geschädigten Oberflächen. Für Eberspächer ist das ein wichtiges Thema, denn die von uns produzierten Abgasanlagen müssen insbesondere im Winter einer Belastung mit Salzwasser von außen, aber auch sauren Kondensaten von innen standhalten. Deshalb ist es wichtig, dass wir das Materialverhalten unter diesen Lasten kennen und geeignete Werkstoffe auswählen können. Für das Nachstellen dieser Belastung gibt es unter anderem genormte Laborversuche, allerdings war bisher die Methode zur Analyse und Bewertung der Schäden nicht zufriedenstellend. Meine Ergebnisse wurden daher von Eberspächer sofort genutzt und werden bald auch in die Vorschriften von einem großen Branchenverband einfließen.

Was war die Schwierigkeit bei Ihrer Aufgabenstellung und welche Herausforderungen haben sich dabei geboten?
Abgesehen von der zur Verfügung stehenden Zeit: Die Oberflächenbeschaffenheit der Proben sowie die große Variabilität dieser Beschaffenheit und der Probengeometrie selbst. Außerdem musste ich mich erst mal in ein recht komplexes Thema einarbeiten, weil es viele Wissenschaftsbereiche umfasst. Die in Frage kommenden Messmethoden basieren auf unterschiedlichen physikalischen Grundsätzen, daher war breites Wissen aus den Naturwissenschaften gefordert. Da hat es richtig gut gepasst, dass ich nicht nur einen Betreuer bei Eberspächer hatte, sondern mir auch jeder in der Abteilung bei Fragen geholfen hat.

“Auch als Lead Engineer arbeite ich sehr technisch”

Seit Ihrem Studium haben Sie viele Weiterbildungen absolviert.
Bei Eberspächer gibt es dafür mehrere Möglichkeiten. Zum einen steht jeder Abteilung ein gewisses Weiterbildungsbudget zur Verfügung, sodass die Mitarbeiter Veranstaltungen besuchen können. Zum anderen gibt es ein breites Angebot an internen Weiterbildungen, die von den jeweiligen Fachabteilungen zur Verfügung gestellt werden. Dieses Angebot wird laufend erweitert. Die dritte Möglichkeit ist das Eberspächer-Aufbauprogramm, das auf zukünftige Führungsaufgaben vorbereitet.

Mittlerweile sind Sie Lead Engineer.
Richtig. Obwohl es damit Richtung Führungsposition geht, arbeite ich nach wie vor sehr technisch und eher weniger projektbezogen. In der Regel liefern einzelne Projekte die Anstöße für die Forschungs- und Entwicklungsarbeit, aber die Ergebnisse kommen natürlichen allen zu Gute.

Woran arbeiten Sie aktuell?
Ein aktuelles Beispiel ist der V-shape Test. Dabei untersuchen wir das thermomechanische Ermüdungsverhalten von hochlegierten Blechwerkstoffen. Sehr vereinfacht gesagt: Eine V-förmige Blechprobe wird eingespannt, erhitzt und würde sich nun normalerweise ausdehnen. Da sie fest eingespannt ist, geht das aber nicht. Das Aufheizen und Abkühlen wiederholen wir zyklisch und irgendwann entstehen und wachsen Risse in der Probe. Mancher Werkstoff ist nach einem Tag hinüber, ein anderer hält bis zu zwei Wochen. Die Daten, die durch diesen Test generiert werden, sind sehr wertvoll und verschaffen uns einen eindeutigen Wettbewerbsvorteil. Eingesetzt werden diese Bleche übrigens überall in der Abgasanlage, jedoch insbesondere vorne, wo es sehr heiß ist, aber auch bis weit nach hinten, bis zum Endschalldämpfer.

Als Ingenieur kamen Sie im Studium mit dem Thema Mitarbeiterführung wahrscheinlich noch nicht in Kontakt – war es dann eine Herausforderung im Alltag?
So ganz unbedarft ist man nach einem kooperativen Studium zum Glück nicht. Durch die Praxisphasen lernt man als geführter Mitarbeiter – vorausgesetzt man hält Augen und Ohren offen – einiges dazu. Ich habe stets versucht, mich in andere hineinzuversetzen. Es gibt immer wieder mal Herausforderungen, aber keine war bisher unlösbar.

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Ein Lebenslauf als Beispiel für die digitale Transformation

Frau Strauch, man könnte ihren Lebenslauf quasi als Beispiel für die digitale Transformation sehen: Erst Kommunikations- und Foto-Design studiert, letztendlich aber als Software Engineer tätig. Wie kam es zu dieser Planänderung im Le­bens­lauf?
Nach meinem Fotografiestudium habe ich unter anderem Software für die Erstellung von Fotobüchern getestet. Dabei habe ich erste Einblicke in die Softwareentwicklung erhalten und eng mit Programmierern zusammengearbeitet. Das hat mir gezeigt, wie Software Engineering abläuft, vor allem aber: Welche Grenzen es gibt. Um mein Wissen zu vertiefen, habe ich komplett neu angefangen. Zum Glück hat mein Mann mich unterstützt – sowohl von Zeit, Wissen und dem Finanziellen her.

Ihre Abschlussarbeit haben Sie zum Thema ,Sprachübergreifende Interoperabilität in .NET’ verfasst. Was ist denn die Herausforderung dabei, wenn sich Programmiersprachen weiterentwickeln?
Programmiersprachen verändern sich im Laufe der Zeit. Softwarestandards werden weiterentwickelt und optimiert und es kommen neue Bibliotheken mit neuen Funktionen ins Spiel. Durch Interoperabilität können bestehende Softwaremodule dann weiterentwickelt und integriert werden. Sie müssen nicht vollkommen neu entwickelt werden. Konkret habe ich mit C# und C++ gearbeitet – beides objektorientierte Sprachen aber doch mit einigen Unterschieden. Die Ausgangslage für die Abschlussarbeit bildeten zwei unterschiedliche Software-Produkte von Eberspächer. Ziel war es, die verschiedenen Anwendungen ineinander zu integrieren, um dem Benutzer Funktionen aus beiden Programmen zur Verfügung zu stellen. Dafür gibt es natürlich nicht nur eine Möglichkeit – und das Schöne bei einer Abschlussarbeit ist ja, dass man sich noch etwas ausprobieren kann.

Einer meiner getesteten Lösungsansätze lief über Wrapper. Dabei wird ein Programm in eine umgebende Software ,verpackt‘, welche Schnittstellen nach außen bietet, über die andere Programme auf dieses ,Paket‘ zugreifen können. Alternativ habe ich Lösungen mit P/Invoke und COM sowie die Verwendung von C++ Interop evaluiert. Letztendlich habe ich mich für Interprozesskommunikation über TCP entschieden. Dafür habe ich gemeinsame Protokolle entwickelt und so konnten die Programme über eine gemeinsame Schnittstelle quasi Nachrichten und Befehle austauschen.

An welchen Projekten arbeiten Sie heute?
Ich bin als Softwareentwicklerin in der Steuergeräteentwicklung tätig. Dort programmiere ich hauptsächlich mit C.

Wie wurden Sie auf Eberspächer aufmerksam?
Von der Hochschule hatte ich einen guten Ausblick auf die Firma! (lacht) Durch die Nähe zur Hochschule schreibt Eberspächer dort viele Abschlussarbeiten aus. Die Problemstellung war recht abstrakt, klang interessant – also habe ich mich zeitig darauf beworben. Daraus wurde am Ende ein Direkteinstieg.

Dafür haben Sie sich entschieden, weil…?
… ich hier das Gesamtpaket gefunden habe: Die Zusammenarbeit mit den Kollegen ist super, die Aufgaben interessant. Die Herangehensweise an die Projekte hat mir besonders gefallen: offen, motiviert, kollegial. Dank der Abschlussarbeit konnte ich mir das Unternehmen in Ruhe anschauen.

Was sollten zukünftige Bewerber mitbringen, um erfolgreich in die Softwareentwicklung einzusteigen?
Da eine Programmiersprache allein nie reicht und man laufend mit neuen Aufgabenstellungen konfrontiert ist, sollte man eine hohe Lernbereitschaft mitbringen. Zudem sind Spaß an der Arbeit, Motivation sowie Leistungsbereitschaft wichtig, ebenso wie Teamfähigkeit und ein  respektvoller, loyaler Umgang miteinander.


Weitere Informationen zu Eberspächer unter eberspächer.com.

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