Agil in die digitale Zukunft

Seit rund einem Jahr ist Verena Hebbering bei BearingPoint als Werkstudentin tätig – und kann in ihrem Lebenslauf bereits ganz berechtigt schreiben, dass sie international tätige Banken bei der Transformation und Anwendung von agilen und innovativen Methoden unterstützt hat. hitech-campus.de sprach mit der 24-Jährigen über die Entwicklung von agilen und digitalen Organisationen.

Mit der Unternehmenstochter Infonova hat BearingPoint bereits seit über 15 Jahren Erfahrung in Sachen Agilität und digitaler Wandel. Auf diese Expertise aufbauend sind Verena Hebbering und Kollegen aktuell dabei, ganz spezifisch den Service für den Bereich Banking auszubauen. „Hintergrund ist, dass wir seitens der Kunden immer stärker die Rückmeldung bekommen, dass sie eine zukunftsfähige Organisationsstruktur entwickeln müssen“, untermauert Hebbering. Diese neuen Strukturen sind als Enabler für Digitalisierungsoffensiven wichtig, weil die Businesskomplexität immer mehr zunimmt – genauso wie die Anforderungen der Bankkunden. Damit werden auch die digitalen End-to-End-Lösungen immer komplexer. „In dieser schnelllebigen Umwelt mit hohem Konkurrenzdruck ist für viele Produkte eine hohe Kundenorientierung und sehr schnelle Time-To-Market gefragt. Die Geschäftsprozesse müssen flexibler und schneller reagieren können.“ BearingPoints aktueller Digitalisierungsmonitor zeigt, dass kulturelle und strukturelle Aspekte nach Überwindung technologischer Hürden die größte Herausforderung für die Digitalisierung bleiben.

Bedenkt man das anspruchsvolle Kundensegment, stellt sich zügig die Frage, wie man an eine solche Transformation möglichst Erfolg versprechend herangeht. Typischerweise brauche es eine Analyse der Ausgangssituation anhand des Kriterienkatalogs zum Stand der Dinge, die übergreifend oder zu speziellen Aspekten durchgeführt werden könne, so Hebbering. Direkt zum Start muss die Vision entwickelt und die Rückendeckung der Führungskräfte gesichert werden, wobei sie hinsichtlich ihrer zukünftigen Leadership und dem Prinzip Agilität gecoacht werden können, Stichwort „Cultural Change“.

Führungskräfte von morgen sind eher Koordinatoren, weniger Anführer

Ein möglicher erster Transformationsschritt nach der Analyse ist der Aufbau von DevOps und BizDevOps, für eine Verknüpfung zwischen Entwicklung, IT-Betrieb und im nächsten Schritt der Fachlichkeit. Ziel ist es, Selbstorganisation im Team und dem Unternehmen zu etablieren. Zukünftig seien Führungskräfte für das Empowerment der Mitarbeiter zuständig und weniger als klassische Anführer gefordert.

Ob die Internationalität der Kunden eine besondere Herausforderung biete? „Einerseits ja, denn es macht die Organisationsstruktur, die wir transformieren, noch einmal komplexer. Andererseits sind es gerade diese Banken, die von agilen Strukturen am meisten profitieren werden. Allein schon durch Lösungen für die agile, digitale Zusammenarbeit erhalten sie einen echten Wettbewerbsvorteil“, erklärt Verena Hebbering.

Ihre eigene Rolle im Beratungsteam erklärt die junge Wirtschaftsinformatikerin mit ihrer Praxiserfahrung in Sachen Scrum, die sie vorab bereits gesammelt und nun intensiviert hat. „Die Zusammenarbeit zwischen IT-Experten und Fachabteilungen ist das, was ich sehr spannend finde. Anstatt getrennt voneinander zu arbeiten, werden beide Seiten zukünftig sehr eng miteinander verzahnt. Dazu gehört auch, dass sich die Unternehmenskultur anpasst.“  Das klingt nicht nur nach tiefgreifendem Wandel, sondern genau das ist es. Da kann es schon einmal passieren, dass Mitarbeiter oder sogar Führungskräfte unsicher sind, was ihre berufliche Zukunft mit sich bringt. Coaching ist hier das richtige Stichwort – denn wenn man versteht, worum es bei der Transformation geht, verliere man seine Vorbehalte und es falle jedem viel leichter, hinter dem Wandel zu stehen und ihn aktiv voranzutreiben.

„Wichtig ist dabei, eine Vision zu erschaffen, sie zu kommunizieren und mit Transparenz Akzeptanz und Vertrauen zu schaffen – beispielsweise, indem man Mitarbeitern einen Handlungsrahmen gibt und ihnen ihre neuen Rollen in Abstimmungen festhält und aktualisiert. Den meisten Spaß macht es mir, Strategien zu entwickeln, in welche die Mitarbeiter eingebunden werden, denn schließlich haben sie oft eine ganz andere Sicht auf die Dinge und wie die Zusammenarbeit funktioniert.“ In der Umsetzung angekommen, beginnt bereits das agile Vorgehen. Zunächst fange man mit einem interdisziplinären Pilotteam an, das man durch erfahrene Coaches begleitet und von dem man sich regelmäßig Feedback hole. Dieses Team gibt seine Erfahrung dann intern weiter, bis schließlich die gesamte Organisation transformiert ist und alle Teams eigenverantwortlich arbeiten.

agile Transformation mit BearingPoint

Verena Hebbering, Werkstudentin bei BearingPoint (Stand Sommer 2018)

Auf die Frage, wie viele ihrer Kenntnisse aus dem betriebswirtschaftlichen Bereich stammen sollten, antwortet die 24-Jährige: „Dafür gibt es keine schwarz-weiß Lösung. Im Bachelor war es beispielsweise so, dass mein Stundenplan zu 70 Prozent aus IT-Fächern bestand. Deswegen habe ich mir bewusst einen Master ausgesucht, der das wieder etwas ausgleicht.“ Davon abgesehen reiche es für einen erfolgreichen Berufseinstieg aber nicht, sich ausschließlich auf die theoretischen Kenntnisse zu verlassen. „Gerade, was den Umgang mit Menschen angeht, sei es im Team oder auf Kundenseite – das lernt man an der Hochschule einfach nicht in dem erforderlichen Maß.“

Zu Beginn ihrer Tätigkeit wurde sie einem konkreten Kundenprojekt zugeordnet und konnte so nicht nur ihr zukünftiges Team, sondern auch den Kunden kennenlernen. Bei ihren Aufgaben im Projekt wird darauf geachtet, welche Themen und Aspekte sie persönlich interessieren und wie sie ihre Stärken am besten in die Arbeit einbringen kann. Dass die Consulting-Branche für sie goldrichtig ist, liege unter anderem daran, „dass ich sehr breit gefächerte Einblicke in die verschiedensten Themenfelder erhalte. Bei einem Arbeitgeber aus der Industrie wäre es in diesem Umfang nicht möglich. So kann ich mich auch allgemeiner weiterentwickeln und schließlich ein Kernthema finden, auf dem ich meine Karriere aufbauen möchte.“

Wen sucht BearingPoint für zukünftige Herausforderungen?

Um den neuen Service weiter erfolgreich auszubauen, sucht BearingPoint nach weiteren Kollegen mit Affinität für die Themen „innovative und agile Methoden“ als auch Digitalisierung. „Dass man als Hochschulabsolvent oder Praktikant noch keine Transformation eigenständig durchgeführt hat, ist uns natürlich klar“, erklärt die Werkstudentin lächelnd. „Aber es gibt viele Wege, um in dem Bereich Erfahrung zu sammeln und darauf kommt es uns unter anderem an.“ Intern verfügt BearingPoint bereits über eine hohe Expertise, was beispielsweise die Organisationsentwicklung, agile Methoden, Digitalisierung, Innovationen, Operating Modelle sowie die Automatisierung von Tests und Deployment betrifft. Interdisziplinäre Studiengänge wie Wirtschaftsinformatik seien eine perfekte Voraussetzung, versichert sie.

Bonuspunkte sammeln Absolventen und Praktikums-Interessenten übrigens, indem sie sich proaktiv bei der Unternehmensberatung melden. Sei es ein Besuch eines Messestandes mit konkreten Fragen, die Teilnahme an einem Unternehmensworkshop oder Gastvortrag oder natürlich die Ansprache per LinkedIn. Wer von selbst aktiv werde, untermauere sein Interesse und lande im Idealfall nicht im vollen Posteingang der Personalabteilung – und verfüge bereits zu Beginn über ein Alleinstellungsmerkmal.

Auf Karrieretipps angesprochen, weist Verena Hebbering auf Stipendien und Mentoringprogramme hin, die immer öfter angeboten würden, gerade im IT-Bereich. Auch hier appelliert sie an die Eigenverantwortung ihrer Studienkollegen – man müsse sich selbst aktiv um eine entsprechende Übersicht kümmern, sonst laufe man Gefahr, sehr viele Möglichkeiten zu verpassen.

Damit mit dem Einstieg in die Praxis auch alles klappt, bietet BearingPoint ein Mentoringprogramm an: Direkt an ihrem ersten Tag führte eine erfahrene Kollegin Verena Hebbering beispielsweise durch die Büroräume, half ihr beim Administrativen und steht selbst heute noch bei Rückfragen zur Seite. „Es ist ein schönes Gefühl, wenn man von Anfang an eine persönliche Bezugsperson beim neuen Arbeitgeber hat“, resümiert die Werkstudentin.


Interview und Text von Bettina Riedel

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