Lasset uns gründen …

Viele ereilt die brilliante Idee für ein neues Unternehmen noch während der Studienzeit – viele Universitäten bieten den möglichen Start-ups Unterstützung. Doch welche Geschäftsidee wird erfolgreich? Einige Ableger – oder Spin-offs – aus dem universitären Bereich haben wir für euch zusammengetragen.

First Momentum Ventures – ein Unternehmen, das Ausgründungen mit finanziellen Mitteln helfen möchte. Da werfen sich doch direkt ein paar Fragen auf:

Als Studierende einen VC-Fond aufzulegen klingt mutig. Woher habt ihr die Expertise dafür?
Wir Gründer sind alle in der regionalen Start-up-Szene verwurzelt und haben dort selbst erste Erfahrungen im Entrepreneurship gesammelt. Nicht nur deshalb, konnten wir relativ früh namhafte Branchengrößen von unserer Idee begeistern, die uns nun im Beirat mit ihrer Expertise unterstützen. Wir haben schnell verstanden, was wir nicht verstehen und begierig gelernt. Dies führte zu einer rasanten Lernkurve. Auf der anderen Seite hatten und haben wir aber auch einen frischen Blick auf Dinge. So entwickelten wir etwa eine neue Software zum Sourcing von potenziell interessanten Gründungen. Damit sind wir in der Lage, frühzeitig auf Start-ups aufmerksam zu werden und gezielt auf diese zuzugehen.

Was muss ein Start-up haben, damit ihr heiß lauft?
Es muss für uns vor allem auf einer zwischenmenschlichen Ebenen funken. Bei der Kombination aus einem ambitionierten Team, technologischer Ex­pertise und einer innovativen Idee werden wir hellhörig. Klugen Köpfe, die sich in einem frühen Gründungsstadium befinden, helfen wir mit Mentoring, Netzwerkkontakten und einem unbürokratischen Investment von 20.000 Euro dabei, ihre Ideen umzusetzen, vergeben aber auch Tickets bis 150.000 Euro.

Ihr habt mittlerweile 1,4 Millionen Euro eingeworben und in sieben Gründungen investiert. Welche Branchen haltet ihr dabei für besonders relevant und zukunftsträchtig?
Wir suchen speziell nach Start-ups die Probleme im B2B Umfeld aus einer technischen Perspektive angehen. Da wir selbst alle Techies sind, haben wir natürlich besonderen Spaß daran, uns mit den unterschiedlichen Technologien zu beschäftigen. Dabei sehen wir weiterhin sehr viele Gründungen die einen Machine-Learning-Ansatz verfolgen. Grundsätzlich sind für uns Teams aber besonders spannend, die daran arbeiten alte Strukturen und Lösungen anders zu konfigurieren und damit ganz neue Optionen und Möglichkeiten eröffnen. 

(Die Website war im Juli 2020 öfters nicht erreichbar, daher haben wir den Link entfernt.)


Silexica
Fünf Jahre alt und sehr vielversprechend – die Rede ist vom Software Unternehmen Silexica, das als Ausgründung aus der Ingenieursschmiede RWTH Aachen entstand. Aus diesem Umfeld stammt unter anderem auch Streetscooter.

Durch einige Investoren und über ein Förderprogramm, das sie einige Zeit in die USA führte, konnte sich das junge Unternehmen vergrößern und so bestehen auch außerhalb von Deutschland Niederlassungen von Silexica: in Kalifornien und Tokio. Mit ihrer Software, die die Rechenleistung der Computer beschleunigt, sind sie vor allem für die Automobil-Branche interessant, denn damit könnte das autonome Fahren in greifbare Nähe rücken. Als Ziel haben sich die Gründer gesetzt, Ingenieuren Lösungen zur Softwareentwicklung anzubieten, die dabei helfen, die Entwicklung intelligenter Produkte deutlich zu beschleunigen und es den Kunden ermöglichen, Märkte zu gewinnen.


Artisense
Maschinen sollen wie Menschen sehen – und dabei das autonome Fahren weiter revolutionieren. Das ist die Mission von Artisense, welches 2015 als Spin-off aus der TU München gegründet wurde. Möglich gemacht wird dies über eine Software, die aus Kamerabildern während der Fahrt ein 3D-Modell der Umgebung herstellt – und eine teure Hardware „überflüssig“ macht.

Denn für die Bilder braucht es keine großen Aufbauten auf den Fahrzeugen. Kleine Kameras und Prozessoren, zum Beispiel von Smartphones, können da­für schon ausreichend sein. Die Berechnungen können dann ebenfalls in ei­nem „einfachen“ Rechner im Fahrzeug stattfinden. Der Clou an der Sache: Das Fahrzeug kann dann jederzeit auf Unvorhergesehenes reagieren, da die Da­ten live sind. Somit ist die Software ein Schlüssel zum autonomen Fahren.


LiteFCBike
Brennstoffzellen als Antrieb bei Autos werden aktuell häufig noch als nicht realisierbar beurteilt. Doch was ist eigentlich mit Fahrrädern? Das elektrische Äquivalent zum klassischen gibt es bereits – doch nun arbeitet das Fraunhofer Institut daran, ein normales Fahrrad zu einem elektrisch betriebenen aufzurüsten – mit Brennstoffzellen. Als Basis dient das Antriebs-Konzept „Conodrive“ von José Fernandez, das aus einem leichten und effizienten E-Gepäckträger besteht, mit dem sich nahezu jedes Fahrrad in ein E-Bike verwandeln lässt.


Spin-Offs UniversitätenMorpheus Space
In die unendlichen Weiten aufbrechen … Viele Satelliten begeben sich auf große Reise – mittlerweile sind sie ziemlich klein. Morpheus Space sorgt für den nötigen Antrieb, um die kleinsten Kundschafter in die Luft gehen zu lassen.

Wie hoch ist der Bedarf an eurer Antriebstechnik für Nano-Satelliten?
Der Bedarf ist enorm hoch: Der Großteil der Nano-Satelliten (<10kg Satellitenmasse) hat gar keinen Antrieb und schwirrt unkontrolliert im All. Wir stellen diesen Satelliten erstmalig sinnvolle Antriebe zur Verfügung, damit diese zukünftig gefährlichen Schrottteilen ausweichen und auch nach der Nutzung sicher in der Erdatmosphäre verglühen können, um zukünftigen Weltraumschrott zu verhindern. Außerdem können wir deren Orbit erheblich ändern und sogar zum Mond bringen.

Unsere Antriebe sind aber nicht nur auf die kleinen Nano-Satelliten beschränkt! Im Gegenteil – sie sind die weltweit kleinsten und effizientesten Antriebe und funktionieren wie Bausteine:
Kunden können sich ein maßgeschneidertes Antriebssystem zusammenstellen – ähnlich wie Legobausteine. Dadurch können wir extrem kostengünstige, maßgeschneiderte High-Performance Gesamtantriebssysteme anbieten, für alle gängigen Satellitengrößen (bis in den Tonnen Bereich). Derzeit sind ungefähr 2.000 aktive Satelliten im Weltall, in wenigen Jahren werden allerdings zehnmal so viele, in allen Größen ins All gebracht. Die kommerzielle Raumfahrt steht also vor einem riesigen Sprung und wir wollen dafür die notwendige Mobilität durch unsere Antriebe gewährleisten.

Was ist das Besondere an dieser Antriebstechnik?
Unsere Antriebe, an denen wir fast ein Jahrzehnt getüftelt haben, verwenden ein niedrigschmelzendes Metall (Gallium) als Treibstoff und sind die weltweit kleinsten und effizientesten, die bereits erfolgreich im Weltall getestet wurden. All diese Punkte, vor allem die extrem wichtige erfolgreiche Weltraumqualifikation, hebt uns extrem von konkurrierenden Konzepten ab.

Wird eure Technik schon im All verwendet?
Ja, sechs unserer Antriebe befinden sich im All auf zwei  Satelliten. Unsere Triebwerke wurden im Februar erfolgreich das erste Mal eingeschaltet und sind seither erfolgreich im Einsatz.


Mehr zu Start-ups findet ihr hier.

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