New Job, New Life, New Work

In den Bemühungen, sich als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren, braucht es mehr als Lippenbekenntnisse. Allein Entwicklungen wie New Work machen es erforderlich, dass Unternehmen einen echten Change-Prozess in Gang setzen. Doch was bedeutet das für junge Berufseinsteiger:innen im Jahre 2022 und was dürft ihr von New Work erwarten? Vorabfazit: Deutlich mehr als Obstkorb und Kickertisch!

Das Gute ist: Die Arbeitswelt verändert sich und sie wird besser. Das Modell des sturen 8-Stunden-Tags plus Überstunden des Leistungsprinzips wegen weicht flexibleren Modellen: Immer mehr zählt die Qualität der erfüllten Aufgaben, weniger die Zeit, die man auf ein Projekt verwendet. Das ist auch sinnvoll: Zeit als Maß der Dinge für einen guten Job sorgte für unnötigen Druck, manchmal nicht besonders sinnvolle Planungen und hat mit der Qualität am Ende extrem wenig zu tun. Es ist ein Relikt aus einer Zeit, in der Maschinen pro Zeiteinheit eine bestimmte Men­ge produzierten und die Menschen ihre Arbeitskraft um diesen Prozess herum gestalten mussten. Diese Umstände sind zum größten Teil passé und damit erweitern sich die Möglichkeiten der Arbeitswelt enorm.

Worum geht es bei New Work

Alles, was den Menschen in der Arbeitswelt in den Fokus rückt, um Kompetenzen frei einbringen zu können, um sich persönlich und ganze Teams besser entfalten zu lassen. Zugehörige Mittel sind beispielsweise flexible Arbeitszeitmodelle, attrak­tive Co-Working-Spaces, mobile Arbeitsplätze, die richtige technische Ausrüstung, vielleicht auch bereits ein 6-Stun­den-Tag. Beeinflusst werden sie von der Globalisierung, Digitalisierung und dem steigenden Wunsch nach Selbstbestimmung. Instrumente für die Umsetzung ist die Technologie, die beispielsweise Remote Work erlaubt, die qualitativ der Präsenzarbeit in nichts nachsteht – weil der Mensch alle Werkzeuge zur Verfügung hat, um seine volle Kompetenz einzubringen. Wer nicht von externen Faktoren wie schlechter Technik aufgehalten wird, kann sich einfach und ohne Komplikationen einbringen. Quasi die real gewordene Situation des Spruchs „Einmal mit Profis arbeiten!“

Ein konkretes Beispiel: Es gibt weniger Reibungen, wenn Frühaufsteher sich um 6 Uhr morgens zuhause an ihre Mails setzen können, anstatt sich gerade im Home Office bis 8 Uhr herumdrücken zu müssen. Mit Gleitzeit haben dafür Langschläfer die Möglichkeit, wirklich erst zwischen 9 und 10 Uhr aktiv zu werden – der natürliche Biorhythmus wird damit nicht zum Kraftakt und dafür ein Punkt, in dem die Arbeit Individuen so akzeptiert, wie sind sind. Die Konsequenz? Qualitativ höhere Arbeitsergebnisse und Menschen, die sie wohler fühlen. Es mag vielleicht nur ein kleines Beispiel sein, aber am Ende des New Work steht nun einmal das Individuum mit dem jeweiligen Mikrokosmos. Arbeit, körperliche sowie geistige Gesundheit sollen besser zueinander passen.

New Work bietet mehr Freiraum

In dem Moment, in dem Mitarbeitende sich weniger um Strukturen und Regeln kümmern müssen, können sie sich besser auf ihre Aufgaben konzentrieren. Sie müssen sich nicht fragen, welche Rahmenfaktoren sie zuerst formal erfüllen müssen, sondern können die Gedanken direkt auf die fachlichen Fragen richten. Damit einher geht ein Wechsel des Fokus von repetitiven Aufgaben weg hin zu kreativen Denkansätzen, Empathie und sogenannten „urmenschlichen Fähigkeiten“. Das betrifft insbesondere Führungskräfte, die zukünftig eher Dirigenten ähnlich arbeiten. Das heißt nicht, dass sie mit erhobenem Zeigefinger auf einem Podest stehen  und von oben herab blicken. Sie werden Aufgaben gezielt abgeben und diese in Selbstbestimmung erledigen lassen, anstatt den Kolleg:innen im Nacken zu sitzen: Mitarbeitende partizipieren am Ge­samterfolg. Die Digital Leaders werden noch etwas strategischer agieren, vor allem, wenn es darum geht, die digitale Transformation umzusetzen oder fortzuführen.

Die sich so schnell weiterentwickelnde Technologie sorgt im Übrigen auch für ei­ne kürzere Halbwertszeit von Wissen und Innovationen, was sich direkt auf den Kom­petenzerwerb von Mitarbeitenden aus­­­wirkt. Also werden nicht nur Arbeit und Führung deutlich dynamischer, sondern auch das technologische Umfeld. Individuelle Kompetenzen müssen sich da­her genauso anpassen und weiterentwickeln.

Der Recruiting-Faktor

Natürlich wird es immer Betriebe ge­ben, deren Führungskultur bewusst nicht verändert wird. Diese werden höchstwahrscheinlich auf die hinteren Beliebtheits-Ränge wan­dern, wenn die dringend benötigten Fachkräfte merken, dass sie woanders bessere Arbeitsbedingungen vorfinden. Dieses „woanders“ müssen dabei nicht unbedingt die großen Konzerne sein, sondern kann sich auch in echten Geheimtipps finden.

New Work ist also umfassend und mehr als ein bloßes Lippenbekenntnis: Es erfordert bei manchen Unternehmen ein völlig neues Mindset, nicht nur ein oder zwei Rahmenfaktoren, die sich ändern. Ein „hipp“ eingerichtetes Büro mit Kicker und Obstkorb ist kein New Work. Es ist ein struktureller Wandel, der vorbereitet werden muss. 63 Prozent aller Unternehmen betreiben Initiativen zur Umsetzung von New Work. Es lohnt sich also, im Vorstellungsgespräch gezielt zu fragen, wie weit dein potenzieller Arbeitgeber ist. 


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