Nachhaltige Trinkwasseraufbereitung – Start-up aus Magdeburg

Sauberes Wasser ist nur für 10 Prozent der Weltbevölkerung verfügbar – also quasi ein Luxusgut, auch wenn man sich dessen hierzulande nicht bewusst ist. Vor allem in Afrika haben viele Menschen keinen Zugang zu Trinkwasser und auch Brunnen können irgendwann versiegen. Daher verfolgt das Magdeburger Start-up Inflotec einen neuen Ansatz: Nachhaltige Trinkwasseraufbereitung mittels eines Systems, das Brack- zu Trinkwasser umwandelt.

Angefangen hat alles mit einem Wasserrad, das eigentlich Energie erzeugen sollte. Als dies nicht so klappte wie geplant, wollte Martin Drewes das bereits patentierte Wasserrad dennoch nutzen. Die Inspiration kam durch die Sendung mit der Maus: In einer Folge wurde erklärt, wie Astronauten aus Urin Trinkwasser herstellen, was ihm den Anstoß gab, den sogenannten Waver zur Trinkwasseraufbereitung zu entwickeln.

Die Köpfe hinter Inflotec: Martin Drewes und Martina Findling

Der Waver wurde für fließende Gewässer konzipiert und treibt auf Schwimmkörpern direkt auf dem Fluss. Das Rad wird durch die Strömung – also die Kräfte der Natur – angetrieben, wodurch Energie entsteht, die aufgefangen und zur Reinigung genutzt wird. Somit braucht es keine weiteren Energiequellen, um die Wasseraufbereitung zu ermöglichen und die Trinkwasserversorgung in den ärmeren Gebieten der Welt zu sichern. Schöner Nebeneffekt: Durch das Aufschlagen des Wassers wird selbigem Sauerstoff zugeführt, der das Wachstum von Flora und Fauna begünstigt und das Kippen einiger Gewässer verhindern kann.

Das Wasser läuft durch ein siebenstufiges Filtersystem, bis das Wasser trinkbar wird. An erster Stelle steht der Sedimentfilter, der die groben Sedimente aus dem Wasser entnimmt. Darauf folgt der Aktivkohlefilter, der organische Teile raus filtert. Ein weiterer Aktivkohleblockfilter entfernt zum Beispiel Pestizide, bevor eine Umkehrosmose-Membran die Reste entfernt. Danach hat man steriles Wasser, also mehr oder weniger nur noch das Wassermolekül, welches im nächsten Schritt – einem weiteren Aktivkohlefilter – wieder mit Sauerstoff angereichert wird. Als letztes durchläuft das Wasser noch einen sogenannten Mineralisierer, der dem Trinkwasser frische Mineralien zufügt. All dies passiert so schnell, dass sofort Trinkwasser bereitgestellt werden kann und pro Tag bis zu 2.000 Menschen mit Trinkwasser versorgt werden können. „Ich bin immer wieder fasziniert von dieser Einfachheit“, schwärmt Martina Findling.

Abgesehen von dem Waver für fließendes Gewässer gibt es auch den „Pure Power Block“, der stehende Gewässer filtern kann und als dritte Neuentwicklung „Green Fields“ zur Flächenbewässerung. Diese kamen beide durch Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen zustande. Bei stehenden Gewässern wird der Pure Power Block durch Sonnenenergie angetrieben, sollte keine ausreichende Wellenbewegung den Strom zur Reinigung erzeugen. Der Block kann sogar bis zu 4.000 Menschen pro Tag mit Trinkwasser versorgen. Bei einem Zusammenschluss mehrerer Blocks können deutlich größere Siedlungen versorgt werden.

Alle Systeme benutzen nur das Oberflächenwasser und die Kräfte der Natur, um nicht in die diese zu tief einzugreifen. Denn selbst bei Brunnenbohrungen kann es irgendwann passieren, dass das Wasser nicht mehr trinkbar ist oder dieser versiegt.

Ein weiterer Pluspunkt für die Innovationen von Inflotec ist, dass die Systeme nachhaltig arbeiten. Durch ein rückspülbares System reinigen sich die Filter im Pure Power Block von selbst und müssen daher nicht ausgetauscht werden. Lediglich der Filter im Waver muss ersetzt werden. Da aber zur Inbetriebnahme mehrere Filter geliefert werden, ist die Trinkwasserversorgung gesichert – außerdem können alte Filter zu Inflotec geschickt und gegen neue getauscht werden. Sollte ein anderes Teil der Konstruktionen kaputt gehen, ist Ersatz in der Regel überall zu bekommen und jedermann kann damit umgehen – sogar Kinder! Denn in den Ländern, in denen die Systeme zum Einsatz kommen, sind meist Kinder für die Wasserversorgung zuständig. Damit sind die Nutzer nicht von der Lieferung des Unternehmens abhängig, sondern können auch in ihrer Region die Ersatzteile erwerben.

Die Weiterentwicklung bleibt auch nie stehen: „Derzeit arbeiten wir auch an einer Entsalzungsanlage. Nicht mehr lange, dann wird diese auch patentiert“, berichtet Martina Findling weiter. „Bis jetzt lässt sich Brackwasser filtern. Dies hat einen geringen Salzanteil, aber der nächste Schritt ist dann Salzwasser.“ Damit könnten dann auch Regionen am Meer von der Erfindung profitieren. Bis jetzt wurde nur getestet – das Jahr 2020 wird auch noch für Langzeittests genutzt, bevor im kommenden Jahr das Projekt voll durchstartet. „Die ersten Ergebnisse aus Kenia sind toll“, bestätigt Findling.

Bei all dem Nutzen für Menschen in ärmeren Gebieten bleibt nur noch die Frage, wie sich das Unternehmen finanziert. „Die Leute, die den Waver brauchen haben nicht das Geld, um ihn sich zu leisten“, bestätigt Martina Findling. Daher müsse man sich, neben Hilfsorganisationen, zusätzlich mit Regierungen auseinandersetzen, damit die Hilfe auch dort ankommt, wo sie gebraucht wird.

Weitere Infos unter inflotec.com

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