„Man muss zu seiner Entscheidung stehen“

Nicht jeder darf Prüfingenieur werden – gesetzlich ist die Zulassung für diese Zusatzausbildung auf Maschinenbauer, Fahrzeug- und Elektrotechniker beschränkt. Im Berufsalltag müssen die Prüfingenieure nicht nur ihre Expertise, sondern auch Standhaftigkeit unter Beweis stellen: Denn auf fachlicher Ebene werden ihre Entscheidungen oftmals breit ausdiskutiert. Christoph Wößner, Prüfingenieur bei DEKRA, erklärt im Interview, worauf es in seinem Job ankommt.

Herr Wößner, Sie haben Fahrzeugtechnik studiert und sind als Prüfingenieur bei DEKRA beschäftigt. Wie wurden Sie auf das Unternehmen aufmerksam?
Während meiner Abschlussarbeit bei einem Unternehmen für Großdieselmotoren stellte sich die Frage, wie es nach dem Studium weitergehen soll.

Eine Hürde, mit der wohl jeder Student zu kämpfen hat. Das Berufsbild des Ingenieurs ist vielseitig und die Einsatzmöglichkeiten somit grenzenlos. Für mich spielten Faktoren wie Verantwortung, selbstständiges Arbeiten, das gelernte Know-how umsetzen und ein abwechslungsreicher Alltag eine große Rolle. Während meiner Online-Recherchen und Überlegungen über die Zukunft bin ich auf das Berufsbild des Prüfingenieurs gestoßen. Als ich mir die Stellenanzeige durchlas, wurde mir bewusst, dass als Prüfingenieur bei DEKRA nicht nur die oben genannten Faktoren erfüllt werden, sondern auch ein zukunftsorientierter sowie sicherer Arbeitsplatz gewährleistet ist.

„Ich möchte eigenverantwortlich und selbstständig arbeiten“

Wie erfolgte Ihr persönlicher Einstieg?
Nach meiner Bewerbung erhielt ich prompt einen Anruf und wurde zu einem persönlichen Gespräch eingeladen. Zurückblickend betrachtet war mein Vorstellungsgespräch bei DEKRA mit Abstand das angenehmste seiner Art. Die Entscheidung fiel mir nicht schwer, denn ich war mir von Anfang an sicher, bei DEKRA gut aufgehoben zu sein. Nachdem ich den Arbeitsvertrag unterzeichnet hatte, nahm ich an der vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Ausbildung zum Prüfingenieur teil. Während eines neunmonatigen Kurses wurden sowohl theoretische Inhalte als auch alltagstaugliche, praktische Ausbildungsinhalte vermittelt.

Können Sie uns einen typischen Arbeitstag beschreiben?
Als Prüfingenieur gibt es verschiedene Einsatzgebiete. Zum ersten stationär an einer Prüfstelle oder auf zweierlei Art im Außendienst bei den Werkstätten, die den Kunden die Hauptuntersuchung als Service anbieten. Im Außendienst wird man als Berufseinsteiger zunächst als Springer eingesetzt – eine tolle Gelegenheit, erste Berufserfahrung zu sammeln.

Die zweite Möglichkeit im Außendienst ist, feste Touren zu bekommen und somit seine Termine eigenständig zu planen. Ich persönlich bin immer bemüht, meinen Tag so zu strukturieren, dass ich meiner Kundschaft den bestmöglichen Service bieten kann und dabei auch noch flexibel für unerwartete Ereignisse am Tag bin. Einen festen Tagesablauf gibt es als Prüfingenieur also nicht, kein Tag gleicht dem anderen. Das macht meine Arbeit so abwechslungsreich.

Gibt es einen Umstand oder Faktoren, die Sie am Bereich technische Prüfung besonders spannend finden?
Jedes Fahrzeug hat seine eigene Geschichte und seinen eigenen Verwendungszweck. Vom Motorrad, Auto, Transporter bis hin zu Landmaschinen. Unterschiedliche Anforderungen am Fahrzeug bringen unterschiedliche Untersuchungspunkte mit sich.

Für alles gibt es aber gesetzliche Grundlagen, die manchmal nicht unterschiedlicher sein könnten. Ich finde es besonders spannend, mich in jede Vorgabe erneut einzuarbeiten. Auch unterschiedlichste Konstruktionen und Entwicklungen, die im Laufe der Jahre stattgefunden haben, zwingen mich als Prüfer, mich in die Lage des Konstrukteurs hineinzuversetzen.

Jedes Fahrzeug hat seine eigene Geschichte und seinen eigenen Verwendungszweck

Gab es in Ihrer Karriere als Prüfingenieur bisher eine Situation, mit der Sie so gar nicht gerechnet hätten?
Im Laufe meiner kurzen Tätigkeit gab es schon hin und wieder Situationen, bei denen man aus dem Staunen nicht herauskommt. Ich stelle täglich fest, dass die Tätigkeit als Prüfingenieur absolut notwendig ist, um die Sicherheit auf den Straßen zu gewährleisten.

Nur nach der erfolgreichen Prüfung darf eine Plakette vergeben werden.

Wenn bei einer Prüfung ein Siegel nicht vergeben wird, kommt es sicherlich auch einmal zu einer anspruchsvollen Situation. Welche Charaktereigenschaften sollten Kandidaten mitbringen?
Als Prüfingenieure tragen wir viel Verantwortung und müssen täglich verweigern, dass die Plakette angebracht werden darf. Wie sich diese Situation anschließend zuspitzt, liegt sicherlich auch an der Gesprächsführung.

Kommunikationsfähigkeit zählt daher definitiv zu einer Eigenschaft, die man in meinem Beruf mitbringen sollte. Wichtig ist es vor allem, seinen Standpunkt zu vertreten und hinter der eigenen Entscheidung zu stehen. Ich treffe täglich mehrere Entscheidungen, die zum Zeitpunkt der Prüfung schlichtweg unumstößlich sind. Da ich auf meiner Tour meist mit Fachleuten wie Mechanikern oder KFZ-Meistern kommuniziere, werden die Entscheidungen des Öfteren mal ausgiebig diskutiert. Dennoch steht mein Entschluss für mich fest.

Welche Weiterentwicklungsmöglichkeiten gibt es innerhalb des Unternehmens?
DEKRA bietet vielfältige Möglichkeiten sich individuell zu spezialisieren oder sein Berufsfeld zu erweitern. Als Prüfingenieur schreibt aber auch der Gesetzgeber eine jährliche Fortbildungsmaßnahme vor, was in meinem Beruf besonders wichtig ist.

Wer sollte bei DEKRA einsteigen?
Um Prüfingenieur werden zu können, schreibt die Anlage VIIIb des §29 StVZO eine deutliche Voraussetzung vor:

  • Maschinenbauer
  • Fahrzeugtechniker und
  • Elektrotechniker

haben die Möglichkeit, die Ausbildung zum Prüfingenieur zu beginnen. Es gibt quasi nichts, was man nicht prüfen kann. Sei es die Verkehrsüberwachung, Arbeitssicherheit oder die Unfallanalytik.

Gibt es die Möglichkeit, Praktika bei DEKRA zu absolvieren?
Ja klar, das ist möglich. Alle Informationen rund um die Einstiegsmöglichkeiten sowie Informationen zu DEKRA als Arbeitgeber finden interessierte Leser unter dekra.de/karriere.


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