Remote Audit in der Wirtschaftsprüfung

Die gute Nachricht gleich zu Beginn: Das Zeitalter des Papiers ist bei den Wirtschaftsprüfern ad acta gelegt – Remote Audit sei Dank. Ihr Armtraining müssen sich zukünftige Wirtschaftsprüfer und Prüfungsassistenten also ganz klassisch im Fitnessstudio genehmigen, denn schwere Ordner voller Nachweise und sonstiger Unterlagen werden nicht mehr von Büro zu Büro geschleppt.

„Remote Audit“ heißt das Zauberwort und bezeichnet die Prüfung aus der Ferne – ob nun vollständig (fully remote) oder nur teilweise (partly remote). Wie bei jeder althergebrachten Prüfung werden alle Beteiligten vorab über das anstehende Prozedere informiert, um alle notwendigen Unterlagen vorbereiten, beziehungsweise bereitstellen zu können. Zukünftig ist vor allem wichtig, dass die Prüfer sich mit der zu nutzenden Technologie auskennen und nicht nur über eine stabile, sondern auch eine sichere Verbindung verfügen. Auf den Bahamas zu sitzen, sich die Brise um die Ohren streifen zu lassen und die Füße ins kühl plätschernde Wasser zu halten, ist also durchaus noch eine Utopie.

Wohl aber wird sich die Work-Life-Balance deutlich verbessern – die Zeit für Reisetätigkeiten beispielsweise kann stattdessen direkt zur Prüfung genutzt werden, was den gesamten Prozess deutlich beschleunigen wird. Was das für angehende Wirtschaftsprüfer bedeutet? Zum einen mehr Präsenztage im Büro, denn nicht jede Handlung muss vor Ort beim Kunden durchgeführt werden. Außerdem bietet der Remote Audit bessere Möglichkeiten für Home Office-Tage, sofern im privaten Büro entsprechende Technologie vorhanden ist. Andererseits wird durch die schnelleren Prüfprozesse möglicherweise das Volumen, also die Zahl der Prüfungen steigen – wer weniger reist und weniger Zeit beim Klienten vor Ort mit der Kundenpflege verbringt, kann rein theoretisch mehr Aufgaben in Angriff nehmen.

Nicht zuletzt erhält das Berufsbild der Wirtschaftsprüfer eine deutlich komplexere Technik-Komponente dazu: Die Prüfer müssen sich schließlich aus dem FF mit den Systemen auskennen, die zum Datenaustausch und für die eigentliche Prüfung genutzt werden. Interessant wird hier, welche Softwares sich durchsetzen werden – die zu übertragenden Daten sind äußerst sensibel und die Zusammen – arbeit zwischen Kunde und Prüfer am einfachsten, wenn beide Seiten die gleiche Technologien nutzen. Apropos Datenschutz: Je größer das Kundenunternehmen, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass es eine Art Sicherheitsbereich gibt, der die Übermittlung der Daten zur externen Prüfung nicht gestattet. Inwiefern das zutrifft, wird immer der Kunde entscheiden und damit jedem Prüf-Projekt eine individuelle Ausgangslage geben. An Hochschulen werden diese neuen Technologien, zumeist basierend auf SAP-Systemen oder -Modulen, in der Regel nicht gelehrt, entsprechend fällt diese spezielle Weiterbildung den zukünftigen Arbeitgebern zu. Verlängert sich damit die Ausbildungszeit eines Wirtschaftsprüfers etwa noch weiter? Schon jetzt schreckt die lange Weiterbildungsphase nach dem Universitätsabschluss einige Absolventen von der Berufswahl ab. Möglicherweise geschieht dies nicht direkt, denn die Künstliche Intelligenz ist auf dem Vormarsch: Computer werden vor allem viele „kleine“ Aufgaben von Prüfungsassistenten übernehmen können, die dann vielmehr damit beschäftigt sein werden, unübliche Muster oder gar Fehlermeldungen zu kontrollieren.

Doch das ist nur eine Seite der Technikmedaille: Mit voranschreitender Digitalisierung werden die zu prüfenden Systeme immer komplexer. Um sich hier überhaupt Prüfungskompetenz zu erarbeiten, müssen sich die zukünftigen Prüfer beispielsweise hinsichtlich Blockchain und weiterer bedeutungsvoller Schlüsseltechnologien
weiterbilden – hier werden ganz neue Fähigkeiten gefragt sein und am Ende des Tages sogar ganz neue Berufsbilder.


Artikelbild: geralt / pixabay

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