Process-Mining in Industrieunternehmen

Nicht erst seit der Digitalisierung machen sich Unternehmen Gedanken über ihre Prozesse und deren Optimierung. Die neu gewonnene Transparenz des sogenannten Process-Minings soll für die Weiterentwicklung des Geschäfts sorgen – und stellt große Industrieunternehmen vor Herausforderungen. Wir haben bei Daniel Zimmermann von SEW-EURODRIVE nachgefragt, nachdem er mit uns bereits im Vorfeld über die IT bei SEW gesprochen hatte.

Daniel, als kleiner Reminder für neue Leser: Du hast bei SEW nicht nur die Ausbildung zum Fachinformatiker gemacht, sondern studierst jetzt berufsbegleitend Wirtschaftsinformatik.
Ja, das stimmt. Als ich mich fürs Studium entschieden habe, hat mein damaliger Abteilungsleiter mir übrigens direkt Hilfe angeboten. Die SEW unterstützt mich bei meinem Studium in jeglicher Form. Das ist eine tolle Möglichkeit, mich beruflich wie auch persönlich weiterzuentwickeln. Aktuell übernehme ich Stück für Stück mehr Verantwortung. Ich finde es super, nicht nur zu programmieren, sondern auch in eine Funktionsverantwortung hineinzuschlüpfen und Aufgaben zu koordinieren.

Du bist in dem IT-Bereich tätig, der für Sales sozusagen der IT-Partner ist. Wie ist die restliche IT bei SEW strukturiert?
Wir sind an den Standorten in Bruchsal und Graben-Neudorf in der Nähe von Karlsruhe angesiedelt und funktionell in die folgenden Abteilungen unterteilt: Neben den IT Bereichen wie Sales and Service, Finance and Controlling sowie Procurement and Production, welche die Prozesse der SEW Wertschöpfungskette in den IT-Systemen betreuen und weiterentwickeln, gibt es auch Abteilungen, die sich mit der IT-Infrastruktur sowie der Soft- und Hardware beschäftigen. Zudem wird durch die IT eine Hotline betrieben, welche für Support Anfragen der Mitarbeiter verfügbar ist. Zusätzlich gibt es bei SEW Informatiker, die in der Produkt-Entwicklung tätig sind und dort Endkundensoftware erarbeiten.

Wie spielen aktuelle Transformationsprozesse wie Process-Mining in dein Aufgabengebiet hinein?
Wir haben Geschäftsprozesse im Sales-Umfeld, wie zum Beispiel den Quote-to-Cash-Prozess. Im Standardprozess wird zunächst ein Angebot erfasst, das nach Eingang der Bestellung vom Kunden in einen Auftrag gewandelt wird. Damit erfolgt eine Einplanung in der Montage, sodass das Produkt termingerecht montiert und geliefert wird. Nach dem Versand erfolgt eine zeitnahe Erstellung der Rechnung. Dieser Prozess ist bei SEW-EURODRIVE in SAP-Systemen abgebildet. Über die Zeit haben sich Veränderungen ergeben, sodass eine Prozessanalyse und Optimierung sinnvoll ist.


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Könntest du das näher erläutern?
Gerne. Das Process-Mining ist eine Software-Lösung, mit der man den Geschäftsprozess, wie er im System abläuft, beurteilen, messen und darstellen kann. Somit können alle digitalen Prozesse analysiert werden. Ein Praxisbeispiel: Wenn ein Angebot oder ein Auftrag erfasst wird, werden zu jedem Prozessschritt Informationen wie Uhrzeit, Angebots- und Auftragsnummer gesammelt. Wird der Auftrag dann produziert, kann geprüft werden, ob Prozessschritte vom Standard abweichen. Die komplette Prozesskette wird im Process-Mining grafisch dargestellt: Man sieht beispielsweise genau, welche Schritte der Prozess durchlaufen hat. Wurde ein Produkt, nachdem es konfiguriert und erfasst wurde, nochmals technisch verändert? Musste noch ein Preis angepasst werden? Genau hier offenbart sich das Potenzial, inwieweit man welche Prozesse optimieren könnte. Zum einen lässt sich feststellen ob die Anwender das System bestmöglich und effizient nutzen, zum anderen ob die im System abgebildeten Prozesse den tatsächlichen Anforderungen entsprechen. Damit haben wir also eine Software-Lösung, die uns als SEW-Unternehmensgruppe sehr weit voranbringt.

Das klingt einerseits super spannend, aber auch sehr umfangreich.
Für mich ist diese Aufgabe sehr interessant. Wir beschäftigen uns damit, um die Prozesse noch effizienter zu gestalten. Aktuell bin ich dabei, dieses Thema im Quote-to-Cash-Prozess voranzutreiben, nachdem es im Bestell- und Einkaufsprozess bereits erprobt wurde. Berührungspunkte gibt es hier unter anderem mit dem unternehmensweiten Projekt Einführung S/4HANA. Eine kurze Hintergrundinformation für die HI:TECH CAMPUS-Leser, die vielleicht mit SAP noch nicht ganz firm sind: SAP kündigte für das aktuelle SAP-ERP-System das Wartungsende an – S/4HANA ist die Nachfolge-Software. Das Thema Process-Mining hängt nicht speziell mit S/4HANA zusammen, da aber bei der Einführung von S/4HANA die Betrachtung der Geschäftsprozesse eine maßgebliche Rolle spielet, ist es von Vorteil, wenn diese schon vorher analysiert wurden.

Werden die Ergebnisse des Process-Minings auch der jeweiligen Abteilung zur Verfügung gestellt, damit sie sich selbst evaluieren kann?
In gewisser Weise ja – natürlich braucht das nicht jeder einzelne und möchte das wahrscheinlich auch gar nicht, aber beispielsweise die Kundennahtstelle im Vertrieb kann von dieser Transparenz profitieren. Dort wird nämlich das Feedback der EURODRIVEs, also der internationalen SEW-Standorte, gesammelt, wenn ein Prozess die tatsächlichen Anforderungen nicht optimal unterstützt. Anschließend werden unter anderem wir aus der IT zur Diskussion und der Erstellung von Konzepten zur Optimierung hinzugenommen. Das Ziel könnte zukünftig sein, dass der Fachbereich auf der Basis solcher Process-Mining-Tools selbst Probleme erkennen kann. Doch wie auch immer wir hier zukünftig agieren: Wichtig ist, den Datenschutz in höchstem Maße zu berücksichtigen. Es geht nicht darum personenbezogene Daten auszuwerten. 


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