Vom Labor in die Beratung
Für viele Naturwissenschaftler:innen führt der klassische Karriereweg nach dem Studium zunächst in Forschung, Promotion oder Industrie. Doch zunehmend entdecken Absolvent:innen aus Pharmazie, Biotechnologie oder anderen MINT-Fächern auch die Unternehmensberatung für sich. Zwei Consultants aus dem Life-Sciences-Bereich von Simon-Kucher erzählen im Interview, warum sie sich für Consulting entschieden haben, welche Rolle ihr Praktikum gespielt hat und warum naturwissenschaftliche Profile in der Beratung heute längst keine Ausnahme mehr sind.

Ihr habt Pharmazie beziehungsweise Biotechnologie studiert – klassische Naturwissenschaften. Wann kam bei euch erstmals der Gedanke auf, in die Beratung zu gehen?
Victoria: Der Gedanke kam tatsächlich schon während meines Studiums auf. Einige Bekannte mit naturwissenschaftlichem Hintergrund waren erfolgreich in die Beratung gewechselt, und die Verbindung aus wissenschaftlicher Tiefe und wirtschaftlichen Fragestellungen fand ich von Anfang an spannend. Trotzdem habe ich mich zunächst bewusst für eine Promotion entschieden, weil sich dafür eine sehr interessante Möglichkeit ergeben hat.
Schon damals hat mich aber die Vorstellung gereizt, wissenschaftliche Themen nicht nur fachlich zu betrachten, sondern auch aus einer strategischen und kommerziellen Perspektive. Genau diese Schnittstelle findet man im Life-Sciences-Consulting.
Maximilian: Bei mir kam der Gedanke deutlich später. Nach dem Studium habe ich zunächst promoviert und mich erst gegen Ende der Promotion intensiv mit den nächsten Karriereschritten beschäftigt. Durch eigene Recherchen und Gespräche mit Freunden und Bekannten, die bereits in der Beratung tätig waren, wurde Consulting zunehmend interessant. Besonders angesprochen hat mich die Möglichkeit, an ganz unterschiedlichen Fragestellungen zu arbeiten und gleichzeitig mein Fachwissen aus Studium und Promotion weiterhin einzusetzen.
Ihr wart zunächst als Praktikant:innen bei Simon-Kucher. Welche Rolle hat das Praktikum für eure spätere Entscheidung zum Festeinstieg gespielt?
Maximilian: Für mich war das Praktikum der ideale Zwischenschritt vor einem möglichen Festeinstieg. Ich wollte herausfinden, ob mir die Inhalte und die Arbeitsweise in der Beratung liegen. Gleichzeitig konnte ich erleben, wie meine fachliche Expertise aus Pharmaziestudium und Promotion konkret in Projekten eingesetzt wird.
Besonders positiv überrascht hat mich, wie schnell ich in spannende Projekte eingebunden wurde und von Anfang an einen echten Beitrag leisten konnte.
Victoria: Das Praktikum war für mich entscheidend. Es hat mir einen sehr realistischen Eindruck vom Beratungsalltag vermittelt und gezeigt, wie Projekte tatsächlich ablaufen. Besonders spannend fand ich die Zusammenarbeit im Team und mit den Kund:innen sowie die Dynamik, die in den Projekten entsteht.
Vor allem habe ich erlebt, wie abwechslungsreich die Arbeit ist und wie schnell man Verantwortung übernehmen kann. Das hat meinen Wunsch bestärkt, langfristig in die Beratung einzusteigen.
Habt ihr mit dem Praktikum eher die Beratung an sich oder Simon-Kucher getestet? Hat sich euer Bild von Consulting nach dem Praktikum verändert?
Victoria: Für mich stand vor allem der Life-Sciences-Bereich von Simon-Kucher im Fokus. Der eigenständige Life-Sciences-Bereich war einer der Hauptgründe, warum ich mich für das Praktikum entschieden habe. Mich hat interessiert, wie stark sich die Spezialisierung tatsächlich im Projektalltag widerspiegelt.
Meine Erwartungen wurden dabei eher bestätigt als verändert. Besonders die Themenvielfalt, die steile Lernkurve und die enge Zusammenarbeit im Team haben genau dem entsprochen, was ich mir erhofft hatte.
Maximilian: Bei mir war es eher eine Mischung aus beidem. Da ich zuvor noch keine Erfahrung in der Beratung gesammelt hatte, wollte ich zunächst herausfinden, ob Consulting grundsätzlich zu mir passt.
Nach dem Praktikum hatte ich ein deutlich besseres Verständnis dafür, wie strukturiert und pragmatisch Beratungsarbeit funktioniert. Gleichzeitig wurde mir klar, dass das Umfeld sehr gut zu meinen Interessen und Arbeitsweisen passt.

Sind Naturwissenschaftler:innen in Beratungen heute noch Exoten – oder längst selbstverständlich?
Maximilian: Das hängt sicherlich von der jeweiligen Beratung ab. Bei Simon-Kucher sehe ich Naturwissenschaftler:innen aber keineswegs als Exoten. Im Gegenteil: Viele Kolleg:innen bringen unterschiedliche akademische Hintergründe mit, und genau diese Vielfalt macht die Teams stark. Gerade in Life Sciences nähern sich naturwissenschaftliche und wirtschaftliche Perspektiven ohnehin häufig an, weil beide Seiten voneinander lernen.
Victoria: Im Life-Sciences-Umfeld bei Simon-Kucher sind Naturwissen-schaftler:innen aus meiner Sicht längst selbstverständlich. Gerade bei Healthcare- und Pharma-Themen ist ein tiefes fachliches Verständnis oft ein großer Vorteil.
Gleichzeitig profitieren die Teams von unterschiedlichen Perspektiven. Die Kombination aus naturwissenschaftlichem, medizinischem sowie wirtschaftlichem Hintergrund führt häufig zu den besten Lösungen.
Gibt es Fähigkeiten aus dem Studium, die überraschend gut auf Consulting übertragbar sind?
Victoria: Definitiv. Naturwissenschaftliche Studiengänge vermitteln eine sehr analytische Denkweise. Hinzu kommen Datenanalyse, wissenschaftliches Arbeiten und die Fähigkeit, komplexe Sachverhalte strukturiert aufzubereiten und verständlich zu kommunizieren.
Diese Fähigkeiten helfen im Projektalltag enorm – insbesondere wenn es darum geht, neue Themen schnell zu erfassen und fundierte Empfehlungen abzuleiten.
Maximilian: In meinem Fall kommt noch das fachliche Wissen aus dem Pharmaziestudium hinzu. Kenntnisse über Arzneimittel, Wirkmechanismen, Entwicklungsprozesse und Gesundheitssysteme helfen dabei, viele Fragestellungen schneller zu verstehen.
Außerdem lernt man während Studium und Promotion, mit Rückschlägen umzugehen und Probleme systematisch zu lösen. Gerade im Labor funktioniert schließlich selten alles auf Anhieb.
Simon-Kucher ist stark in Pricing, Wachstum und Branchenexpertise positioniert. Ist das gerade für naturwissenschaftliche Profile besonders attraktiv?
Maximilian: Absolut. Gerade Pricing spielt in der Pharmaindustrie eine zentrale Rolle. Gleichzeitig beschäftigen sich viele Unternehmen mit Wachstum, Markteintritten oder der erfolgreichen Einführung neuer Therapien. Naturwissenschaftler:innen können hier einen Mehrwert schaffen, weil sie wissenschaftliche Inhalte schnell verstehen und diese mit kommerziellen Fragestellungen verknüpfen können.
Victoria: Ja, vor allem wegen der starken Life-Sciences-Branchenexpertise. Naturwissenschaftler:innen können ihr Fachwissen aktiv einbringen und gleichzeitig lernen, Produkte, Märkte und Strategien aus einer wirtschaftlichen Perspektive zu betrachten.
Besonders spannend finde ich die Arbeit an innovativen Therapien, Diagnostiklösungen und MedTech-Produkten. Hier treffen wissenschaftliche Innovation und strategische Fragestellungen unmittelbar aufeinander.
Wie wichtig ist fachliches Branchenverständnis, wenn man Kund:innen aus Healthcare, Life Sciences oder MedTech berät?
Victoria: Es erleichtert den Einstieg in Projekte enorm. Wer wissenschaftliche Zusammenhänge und Produkte schnell versteht, kann sich effizienter in Fragestellungen einarbeiten und schneller einen Beitrag leisten. Gerade bei komplexen medizinischen Themen schafft das eine gute Grundlage für die Zusammenarbeit mit Kund:innen.
Maximilian: Ich sehe das ähnlich. Fachliches Branchenwissen ist kein Muss, aber definitiv ein Vorteil. Es ermöglicht, Produkte und Technologien schneller zu verstehen und relevante Fragen früher zu identifizieren. Dadurch kann man sich insbesondere in komplexen Projekten deutlich schneller einbringen.
Ist Simon-Kucher für MINT-Absol-vent:innen vielleicht naheliegender als andere Beratungen?
Victoria: Aus meiner Sicht ja. Der starke Fokus auf Healthcare und Life Sciences bietet MINT-Absolvent:innen die Möglichkeit, ihr Fachwissen weiterhin einzusetzen und gleichzeitig neue Kompetenzen aufzubauen. Besonders attraktiv finde ich, dass man sehr nah an wissenschaftlichen Innovationen arbeitet und deren Weg in den Markt mitgestalten kann.
Maximilian: Wer sich für Life Sciences interessiert, findet bei Simon-Kucher ein Umfeld, in dem naturwissenschaftliche Expertise ausdrücklich gefragt ist. Gleichzeitig lernt man wirtschaftliche Zusammenhänge kennen und entwickelt sich fachlich wie persönlich weiter. Auch der hohe Analyse- und Rechercheanteil vieler Projekte kommt naturwissenschaftlichen Arbeitsweisen sehr entgegen.
Gab es Bereiche, in denen ihr selbst noch Nachholbedarf hattet? Und wie geht das Unternehmen mit solchen „Defiziten“ um?
Victoria: Ja, insbesondere bei betriebswirtschaftlichen Themen sowie bei Themen wie Storylining, Executive Communication und dem zielgruppengerechten Aufbereiten von Inhalten hatte ich anfangs noch Entwicklungspotenzial. Simon-Kucher unterstützt hier durch Trainings, Feedback und viel Coaching im Projektalltag. Dadurch lernt man sehr schnell und entwickelt sich kontinuierlich weiter.
Maximilian: Bei mir waren es vor allem betriebswirtschaftliche Themen sowie klassische Beratungskompetenzen wie das Erstellen von Präsentationen und die strukturierte Bearbeitung komplexer
Fragestellungen.
Das Unternehmen bietet dafür zahlreiche Trainings und gleichzeitig erhält man im Projektalltag viel Unterstützung von erfahrenen Kolleg:innen. Diese Kombination macht den Einstieg gerade für Naturwissenschaftler:innen sehr angenehm.
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