
Beratung im Wandel: Warum Kearney trotz KI und Marktunsicherheit weiter auf Nachwuchs setzt
Einstiegsstellen in der Consultingbranche sind vielerorts rückläufig – gleichzeitig verändert Künstliche Intelligenz die Art, wie Beratung funktioniert, grundlegend. Kearney geht bewusst einen anderen Weg: Das Unternehmen investiert weiter in Nachwuchs und nutzt KI als Verstärker menschlicher Exzellenz. Im Gespräch erläutert Tolga Buz, Manager in der Digital & Analytics Practice, wie sich Beratung durch KI verändert, warum Junior Consultants wichtiger denn je sind und worauf es für Studierende beim Berufseinstieg ankommt.
Einstiegsstellen für Absolvent:innen sind in der Consultingbranche aktuell rückläufig. Wie sieht die Lage bei Kearney aus: Rekrutieren Sie ebenfalls weniger Juniors im Jahr 2026?
Kearney befindet sich in einer sehr guten Geschäftslage, weshalb wir auch für 2026 planen, weiterhin auf allen Ebenen einzustellen, insbesondere auf der Einstiegsstufe. Junge Berater:innen sind für uns ein zentraler Hebel für Innovationskraft und Wachstum. Sie bringen frische Perspektiven, analytische Exzellenz und den Mut, Dinge neu zu denken; genau diese Eigenschaften prägen die strategische Beratung maßgeblich.
Während einige Marktteilnehmer ihre Einstellungszahlen zurückfahren, investieren wir bewusst in nachhaltigen, qualitativ starken Nachwuchsaufbau. Wir wissen: Nur wer heute Talente entwickelt, sichert morgen die nächste Generation an Führungspersönlichkeiten – das ist Teil unseres Selbstverständnisses als Partner-geführte Beratung und eine strategische Notwendigkeit.
Künstliche Intelligenz verändert unsere Arbeit spürbar. Sie automatisiert Routinen, beschleunigt Analysen und eröffnet völlig neue Beratungsfelder. Aber sie ersetzt keine Berater:innen. Im Gegenteil: Sie verstärkt den Bedarf an Menschen, die komplexe Zusammenhänge erkennen, Technologie einordnen und daraus strategische Entscheidungen ableiten können.
Natürlich beobachten wir die gesamtwirtschaftliche Lage. Gleichzeitig sorgt unser breit diversifiziertes Projektportfolio – insbesondere in Transformations-, Digital- und Technologieberatung – für Stabilität und Wachstum. Kurz gesagt: Wir setzen auch künftig auf starken Nachwuchs. Denn Exzellenz in der Beratung entsteht nur durch exzellente Menschen, und genau diese suchen wir.
Wie hat KI die Beratung bei Kearney bereits verändert und wo sehen Sie für Ihr Unternehmen besondere Potenziale, für Ihre Mandanten noch bessere Resultate zu erzielen?
KI ist keine abstrakte Zukunftsvision, sondern verändert bereits heute unsere Arbeit – sowohl darin wie wir für Klienten Mehrwert schaffen als auch wie wir intern zusammenarbeiten. Früher haben Juniorberater:innen Tage damit verbracht, Daten zu sammeln und Marktanalysen manuell aufzubereiten. Heute erledigen KI-gestützte Tools diese Aufgaben in Minuten. Das gibt uns die Möglichkeit, uns stärker auf die Interpretation und die strategische Einordnung zu , also auf den Teil der Arbeit, der Klienten echten Mehrwert bietet.
Ein konkretes Beispiel: Wir nutzen KI-basierte Research-Plattformen, die Millionen von Datenpunkten aus öffentlichen und proprietären Quellen in Echtzeit analysieren. So können wir für unsere Klienten nicht nur die aktuelle Wettbewerbssituation darstellen, sondern auch Nachfrage-Trends prognostizieren; etwas, das manuell kaum in dieser Geschwindigkeit möglich wäre. Darüber hinaus setzen wir Künstliche Intelligenz für Szenario-Modellierungen ein. Damit können wir verschiedene Markt- und Kostenentwicklungen simulieren und unseren Klienten helfen, robuste Strategien für unterschiedliche Zukunftsszenarien zu entwickeln. Das ist gerade in volatilen Märkten ein echter Vorteil.
Und das Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft. Wir sehen große Chancen in der Kombination von KI und Nachhaltigkeitsberatung. Beispielsweise kann KI helfen, Lieferketten hinsichtlich CO₂-Emissionen detailliert zu analysieren oder regulatorische Risiken frühzeitig zu erkennen. Das ermöglicht unseren Klienten nicht nur bessere Entscheidungen, sondern auch eine schnellere Umsetzung. Kurz gesagt: Künstliche Intelligenz macht uns nicht weniger menschlich, sondern gibt uns mehr Raum für Kreativität, Empathie und die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge in klare Handlungsempfehlungen zu übersetzen. Ebenso bleibt der Austausch mit erfahrenen Kolleg:innen etwa im Mentoring, Feedback oder Learning unverzichtbar, um individuelle Entwicklung zu fördern.
Man liest oft, dass gerade die typischen Aufgaben von Junior Consultants durch KI erledigt werden können. Verändert dies langfristig das Profil von jungen Consultants?
Künstliche Intelligenz übernimmt bei uns heute z.B. Aufgaben in der Web-Recherche mit öffentlich zugänglichen Daten – Tätigkeiten, die früher häufig von Berufseinsteiger:innen erledigt wurden. Darüber hinaus befinden wir uns insgesamt in einem aktiven Transformationsprozess: Unsere Arbeitsweise, Tools und Skills entwickeln sich kontinuierlich weiter, und KI ist bereits fester Bestandteil unseres täglichen Arbeitens. Sehr wichtig ist, sich mit den gängigen KI-Tools auszukennen, vor allem hinsichtlich ihrer Stärken und Schwächen. Ein kritischer Umgang mit den Ergebnissen ist essenziell. Gleichzeitig gibt es viele Tätigkeiten, für die Menschen weiterhin gebraucht werden und in diesen sollten sich Absolvent:innen stark aufstellen.
Es gibt Beratungen wie StrategyFrame, die ihren Kunden eine KI-basierte Entwicklungslösung anbieten, welche sie ohne die übliche Präsenz von Consultants durch den Strategieprozess führen. Dies bietet einerseits ein hohes Skalierungspotenzial, da bei einem solchen Modell nur wenige Menschen in der Beratung angestellt sein müssen. Andererseits kann es die Branche disruptieren, wenn Mandanten durch KI befähigt werden, selbst Strategie zu entwickeln. Da gerade die Strategieberatung Ihr ureigenes Feld ist: Mit welcher Strategie begegnet Kearney diesen Herausforderungen?
Sicherlich ändert sich durch solche KI-Tools die Art und Weise, wie Strategie wahrgenommen und durchgeführt wird. Jedoch sehe ich das nicht als Herausforderung, sondern als Chance. In unserer Arbeit ist ein wichtiger Teil die Interaktion mit dem Klienten. Diese erfordert viele Absprachen, Überzeugungskraft, und zwischenmenschliche Kompetenz. Ein KI-Tool kann solche Aufgaben vermutlich nie vollständig übernehmen. Außerdem nutzen wir auch Künstliche Intelligenz, um unsere Arbeit zu beschleunigen und sind damit effizienter.
Und eine Sache hat sich gar nicht so sehr verändert: Viele unserer Klienten haben bereits eigene (menschliche) Strategie-Teams, aber profitieren dennoch von unserer Unterstützung. Unsere Aufgabe ist es sicherzustellen, dass unsere Beratung mit ihrer Kombination aus Markterfahrung, zusätzlichen Perspektiven und methodischer Tiefe auch im Zeitalter der KI weiterhin einen spürbaren Mehrwert für unsere Klienten schafft.
Für welche High Potentials möchte Kearney in der Zukunft die erste Adresse beim Berufseinstieg sein und was raten Sie Studierenden, die noch am Anfang oder in der Mitte Ihres Studiums stehen, wie sie sich in der KI-Ära bestmöglich auf den Berufseinstieg bei Ihnen vorbereiten können?
Kearney möchte die erste Adresse für High Potentials sein, die fachlich exzellent und persönlich authentisch sind. Wir suchen Menschen mit Top-Abschlüssen, internationaler Erfahrung, analytischem Denken und starkem Teamgeist. In der KI-Ära raten wir Studierenden: Baut digitale Kompetenz auf, lernt KI-Ergebnisse kritisch einzuordnen und entwickelt eure Kommunikations- und Empathiefähigkeiten weiter.
Bei uns lernen Berufseinsteiger:innen von Beginn an, Künstliche Intelligenz als Partner zu nutzen. Dazu gehören Trainings zu KI-Tools, Datenanalyse und Prompt Engineering sowie der unmittelbare Einsatz in realen Projekten. So schaffen wir gemeinsam bessere, schnellere und nachhaltigere Ergebnisse für unsere Klienten. Tolga Buz, Kearney, Manager Digital & Analytics Practice