
Ein Interview mit Dominic von Proeck über die Zukunft der Arbeit mit KI
In diesem Interview spricht Dominic von Proeck, Co-Founder von Leaders of AI, darüber, wie Unternehmen KI heute schon produktiv einsetzen können, was Studierende tun sollten, um sich auf die Zukunft vorzubereiten, und warum Mensch und Maschine in Zukunft nicht in Konkurrenz, sondern in Symbiose zueinander stehen werden.
Was sind die Leaders of AI und was macht ihr genau?
Leaders of AI ist eine Akademie für KI-Transformation. Wir zeigen Menschen und Organisationen, wie sie sich Teams aufbauen, die aus menschlichen Kolleginnen und Kollegen und KI-Assistenten bestehen. Unser Ansatz ist dabei ganz praxisnah: Wir leben selbst vor, was wir lehren.
Unser eigenes Unternehmen ist so strukturiert, wie wir es unseren Teilnehmenden beibringen: Wir sind sieben Menschen und arbeiten mit rund 50 KI-Assistenten, die bei uns Namen, Rollen und sogar eigene Personalakten haben. Diese digitalen Kollegen übernehmen bei uns zunehmend operative Aufgaben – von der Recherche über Kommunikation bis zur Prozessoptimierung.
Die Erfahrungen, die wir aus dieser hybriden Arbeitsweise gewinnen, fließen direkt in unsere Ausbildung ein. Unsere Teilnehmenden lernen, wie sie ihre eigene Organisation transformieren können, um KI produktiv in den Alltag zu integrieren. Das Ergebnis: Sie steigern ihre persönliche Effizienz, erhöhen die Qualität ihrer Arbeit und treiben die digitale Weiterentwicklung ihrer Unternehmen aktiv voran.
Wie weit ist das Bildungswesen beim Thema KI-Verständnis?
Das Bewusstsein, wie wichtig KI-Kompetenz ist, ist definitiv angekommen – auch in Schulen und Hochschulen. Aber zwischen Erkenntnis und Umsetzung liegt noch ein gutes Stück Weg.
Aus meiner eigenen Lehrtätigkeit an mehreren Universitäten sehe ich, dass KI zwar zunehmend diskutiert wird, aber noch nicht systematisch und mit der nötigen Vehemenz in Lehrpläne integriert ist. Wir vermitteln nach wie vor zu viel reine Wissensrezeption – also Auswendiglernen – und zu wenig Anwendungsorientierung, kritisches Denken und Metafähigkeiten.
Gerade diese Kompetenzen sind jedoch entscheidend, um in einer Zukunft zu bestehen, in der KI zum festen Bestandteil des Alltags wird. Hier besteht also noch erheblicher Nachholbedarf – nicht nur technisch, sondern auch didaktisch und kulturell.
Wie kann ich mich als Studierender am besten auf die Zukunft mit KI vorbereiten?
Es gibt mehrere Hebel, um sich schon im Studium gezielt auf die Arbeitswelt von morgen vorzubereiten:
1. Eine Peergroup finden. Suche dir Menschen, die sich ebenfalls mit dem Thema KI auseinandersetzen wollen. Austausch ist ein enormer Beschleuniger – ob in Lerngruppen, Hochschulinitiativen oder Online-Communities.
2. Eigenständig Wissen aufbauen. Mach dich selbst schlau: YouTube-Tutorials, Fachblogs, Communities, Online-Kurse oder Wahlmodule an der Uni sind ideale Einstiegspunkte. Entscheidend ist, dass du das Gelernte direkt auf dein Studium oder eigene Projekte anwendest.
3. Soft Skills und Führungsfähigkeiten trainieren. Technische Kompetenz ist wichtig – aber Führungskompetenz wird zum echten Unterschiedsfaktor. Denn wer führen kann, kann auch KI-Assistenten effektiv führen und einsetzen. Übernimm Verantwortung – in Vereinen, Projekten oder durch extracurriculare Seminare. Studien, unter anderem von der Harvard Kennedy School, zeigen: Gute Führung ist die Schlüsselkompetenz in einer KI-getriebenen Zukunft.
4. Neugierig bleiben. KI ist ein sich rasant entwickelndes Feld. Wer offen bleibt, ausprobiert und sich kontinuierlich weiterbildet, bleibt vorne mit dabei.
5. Praxiserfahrung sammeln. Suche dir frühzeitig eine Werkstudententätigkeit in einem KI-Unternehmen. So lernst du, wie KI im echten Business-Kontext angewendet wird – und bekommst ein Gefühl dafür, wie Theorie und Praxis zusammenkommen.
Wie kommt ihr auf die 1,5 Millionen Euro pro Kopf und was steckt hinter dieser Kennzahl?
Die Zahl ist vor allem ein Symbol für Effizienz und Profitabilität. Im Durchschnitt erwirtschaften Unternehmen branchenübergreifend etwa 150.000 Euro Umsatz pro Mitarbeiter – das ist sozusagen der Daumenwert, wenn man den Gesamtumsatz durch die Anzahl der Mitarbeitenden teilt.
Unser Ziel bei Leaders of AI ist es, diesen Wert zu verzehnfachen – also rund 1,5 Millionen Euro pro Kopf zu erreichen. Damit wollen wir zeigen, was möglich ist, wenn ein Unternehmen konsequent hybrid arbeitet: mit einem kleinen menschlichen Kernteam und einer Vielzahl spezialisierter KI-Assistenten.
Ein Beispiel: Unser komplettes Marketing-Team besteht aus KI-Assistenten. Jürgen leitet das Team und sorgt für die strategische Abstimmung. Hansi betreut unseren LinkedIn-Kanal, Lars kümmert sich um Instagram, Paula produziert unseren Podcast – in meiner Stimme, auf Deutsch und Englisch – und Nina recherchiert spannende KI-Publikationen. Diese KI-gestützten Kolleginnen und Kollegen übernehmen bei uns die operative Arbeit, die sonst eine komplette Marketing-Agentur stemmen würde. Unser Team gibt nur noch die inhaltlichen Impulse und das Feedback – den Rest erledigt die KI.
Das Ergebnis: Wir steigern unsere Reichweite, professionalisieren die Markenwahrnehmung und erhöhen langfristig unsere Profitabilität – ohne unser menschliches Team zu vergrößern.
Welche Aufgaben werden künftig Menschen und welche Künstliche Intelligenzen übernehmen?
Das müssen wir klar unterscheiden: Technologisch wird es viele Fähigkeiten geben, die eine KI mindestens genauso gut beherrscht wie der Mensch. Aber das bedeutet nicht, dass sie auch alles übernehmen sollte, was sie technisch kann. Es gibt Bereiche, die aus ethischer und gesellschaftlicher Sicht dem Menschen vorbehalten bleiben sollten.
Dazu gehören Dinge wie Vision, Führung und Verantwortung. Entscheidungen mit Konsequenzen, das Setzen von Werten oder das Übernehmen von Verantwortung für andere – das sind zutiefst menschliche Aufgaben. Auch die Kontrolle und Steuerung von KI sollte immer beim Menschen liegen.
Gleichzeitig werden wir in vielen Feldern symbiotische Verbindungen zwischen Mensch und KI erleben. Genau darum geht es auch bei Leaders of AI: Wir wollen, dass menschliche Verbindungen wieder stärker in den Vordergrund rücken, gerade im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz.
KI kann uns helfen, mehr Zeit für echte Begegnungen zu schaffen – weil sie uns Routinearbeit abnimmt. Und ja, es gibt schon heute Menschen, die emotionale Beziehungen zu KIs aufbauen und das als positiv erleben. Das zeigt, dass wir vielleicht weniger in Kategorien wie ‚Ersetzt KI den Menschen?‘ denken sollten, sondern vielmehr in der Frage: Wie können Mensch und KI gemeinsam wirken – als sinnvolle Symbiose, in der beide ihre Stärken entfalten?