Seit März 2026 testet das Münchner Start-up tozero in Gendorf, wie sich Lithium und Graphit aus alten Batterien zurückgewinnen lassen.

Beim herkömmlichen Recycling werden Lithium und Graphit aus Millionen ausgedienter Batterien kaum zurückgewonnen. Die Folge: Für neue Batterien müssen die Rohstoffe weiter unter hohen Emissionen und in fast vollständiger Importabhängigkeit abgebaut werden.
Was du wissen solltest
Lithium aus alten Batterien
Im Chemiepark Gendorf in Oberbayern läuft seit März 2026 eine Demonstrationsanlage des Münchner Start-ups tozero. Dort wird ausgedientes Batteriematerial verarbeitet. Nach Angaben des Unternehmens kann die Anlage jährlich so viel Lithiumcarbonat herstellen, dass es für Batteriematerial von rund 6.000 Elektroautos reicht.
Tozero nutzt dafür ein hydrometallurgisches Verfahren. Der Prozess setzt bei der sogenannten Black Mass an. Sie entsteht, wenn alte Batterien mechanisch geschreddert und aufbereitet werden. Das schwarze Pulver enthält die wertvollen Aktivmaterialien der Zellen, darunter Lithium, Graphit, Nickel und Kobalt.
Aus der Black Mass will tozero möglichst viele Bestandteile zurückgewinnen. Lithium wird zu Lithiumcarbonat verarbeitet, einem wichtigen Ausgangsstoff für neue Batteriezellen. Zusätzlich soll eine Nickel-Kobalt-Mischung entstehen. Auch der enthaltene Graphit bleibt erhalten und kann wieder in die Zellproduktion gelangen. Für die Hersteller könnte das die Abhängigkeit von Rohstoffimporten zumindest teilweise verringern.
Nach Unternehmensangaben kommt das nasschemische Verfahren ohne starke Mineralsäuren aus. Im Vergleich zum klassischen Lithiumabbau sollen rund 70 Prozent weniger CO₂ entstehen. Die Lithium-Rückgewinnungsquote liege bereits über dem EU-Zielwert, der ab 2031 mindestens 80 Prozent vorsieht.
Graphit aus Recyclingmaterial
Anfang 2025 testete tozero eine Batteriezelle, deren Graphit vollständig aus recyceltem Material stammte. Nach Angaben des Unternehmens erreichte sie eine vergleichbare Leistung wie eine Zelle mit neu gewonnenem Graphit.
Das Verfahren unterscheidet sich damit von Prozessen, bei denen einzelne Bestandteile verbrannt oderchemisch zersetzt werden. Für die Batterieproduktion ist das relevant, weil Graphit einen großen Anteil der Zellmaterialien ausmacht und bislang überwiegend aus natürlichen Rohstoffen gewonnen wird.
Hinter der Technologie steht die Forschung von Dr. Ksenija Milicevic Neumann an der RWTH Aachen. Sie gründete tozero 2022 gemeinsam mit der Maschinenbauingenieurin Sarah Fleischer. Weniger als zwei Jahre später lieferte das Start-up nach eigenen Angaben erstmals recyceltes Lithium an europäische Abnehmer. Die beiden Gründerinnen verbinden damit Forschungserfahrung aus der Batterietechnik mit dem Aufbau eines eigenen Recyclingunternehmens.
Ausbau zur Großanlage
Für die weitere Entwicklung wird tozero von Investoren und Industriepartnern wie NordicNinja, Honda, JGC Group und In-Q-Tel unterstützt. Das Unternehmen hat bereits mehrere Finanzierungsrunden abgeschlossen und will mit dem Geld seine Produktion ausbauen, die Technologie weiterentwickeln und eine kommerzielle Großanlage aufbauen.
Geplant ist eine europäische Recyclingkette für Lithium, Graphit, Nickel und Kobalt. Die zurückgewonnenen Rohstoffe könnten anschließend wieder für neue Batterien genutzt werden. Das würde den Bedarf an neu abgebauten Materialien zumindest teilweise verringern. Für die wachsende Zahl ausgedienter Elektroauto- und Industriebatterien wäre das ein zusätzlicher Zugang zu Rohstoffen, die andernfalls neu abgebaut und aufbereitet werden müssten.
Alte Batterien werden mechanisch geschreddert und aufbereitet. Die entstehende Black Mass verarbeitet tozero in einem hydrometallurgischen Verfahren weiter. Laut tozero entstehen im Vergleich zum klassischen Lithiumabbau rund 70 Prozent weniger CO₂. Laut tozero reicht das jährlich hergestellte Lithiumcarbonat der Demonstrationsanlage für Batteriematerial von rund 6.000 Elektroautos. Dr. Ksenija Milicevic Neumann und Sarah Fleischer gründeten tozero 2022. Die Technologie basiert auf der Forschung von Dr. Milicevic Neumann an der RWTH Aachen.Häufige Fragen zum Batterierecycling bei tozero
Wie funktioniert das Batterierecycling bei tozero?
Wie viel CO₂ spart das Verfahren?
Wie viel Lithium kann die Anlage produzieren?
Wer hat tozero gegründet?