Sieben Unternehmen aus Finanzwirtschaft und Versicherung erklären, welche Fähigkeiten Einsteiger brauchen, wenn KI Routinearbeit übernimmt, und was trotzdem zählt.

Datenaufbereitung, Standardauswertungen und Teile der Programmierung lassen sich in Banken und Versicherungen zunehmend automatisieren. Sieben Unternehmen beschreiben, was das für den Einstieg bedeutet. Der Schwerpunkt verschiebt sich zum Prüfen und Einordnen von Ergebnissen.
Was du wissen solltest
- Routinen: Laut DekaBank lassen sich Datenaufbereitung, Standardauswertungen und bestimmte Programmier-, Test- und Dokumentationsaufgaben künftig schneller und teilweise automatisiert erledigen.
- Prüfpflicht: BNP Paribas Deutschland erwartet, KI-generierte Ergebnisse kritisch zu prüfen und ihre Herkunft nachzuvollziehen.
- Persönlichkeit: Laut DZ BANK entscheiden am Ende die persönlichen Fähigkeiten. „Kein KI-Fachwissen kann diese Fähigkeiten ersetzen.“
Was KI übernimmt und was nicht
Steffen Hahn, Leiter Strategisches HR Management bei der DekaBank, sieht die ersten Berufsjahre von MINT-Absolventinnen und -Absolventen deutlich geprägt. Gefragt sei laut Deka „vor allem ein reflektierter Umgang mit KI“. Wer die Grenzen der Anwendungen kennt, kann auch beurteilen, ob ein Ergebnis taugt. Dafür braucht es laut Deka Zusammenhänge zu verstehen und analytisches Urteilsvermögen.
Die Nürnberger Versicherung beschreibt Fachwissen als Eintrittskarte, nicht mehr als entscheidenden Unterschied. Die Ausbildung orientiert sich am Leitbild des ‚Trusted Advisors‘. Das Haus formuliert: „Erfolgreiche Mitarbeitende zeichnen sich nicht allein durch fachliche Expertise aus.“ Sie geben Orientierung, schaffen Vertrauen und denken End-to-End, also über den eigenen Arbeitsschritt hinaus.
Die Deutsche Bank verschiebt laut eigener Aussage den Fokus vom Anwenden von Wissen zum Einordnen und Hinterfragen. Entscheidend sei, so die Deutsche Bank, „die richtigen Fragen zu stellen, Ergebnisse kritisch einzuordnen“, dazu ein sicherer Umgang mit digitalen Tools.
Wer gefragt ist
Eine Sprecherin der DZ BANK nennt Mathematiker, Informatiker und Spezialisten für Data Analytics, Cyber Security, Regulatorik, Risikocontrolling, Vertrieb und ESG als aktuell gesuchte Profile. KI-Vorkenntnisse zählen laut Unternehmen vor allem in der Daten- und Risikoanalyse, im Vertrieb und in der Regulatorik, sowohl für Einstiegs- als auch für Expertenstellen. Die DZ BANK formuliert dazu: „Auch außerhalb dieser eher technischen Positionen ist KI-Affinität durchaus gefragt.“
Laut KfW umfasst das Anforderungsprofil „zunehmend fortgeschrittene Datenkompetenz und KI-Anwendungssouveränität“. Dazu komme ein reflektiertes Risikobewusstsein, wenn KI in einer Bank eingesetzt wird. Christian Braun, Head of Employer Branding and Talent Acquisition ERGO Group sucht Personen, die Neugier, Lernbereitschaft und Reflexionsfähigkeit mitbringen und Veränderungen aktiv mitgestalten wollen.
Kritisch prüfen und Verantwortung tragen
BNP Paribas Deutschland sucht laut eigener Aussage „zunehmend weniger klassische Wissensspeicher, sondern vielmehr kreative Problemlöser:innen mit starker KI-Kompetenz“. Als Schlüsselqualifikation gilt dort, KI-generierte Ergebnisse kritisch zu prüfen und ihre Herkunft nachzuvollziehen. Dazu gehört laut Unternehmen die Einordnung in regulatorische und ethische Rahmenbedingungen. Auch Fabio Lospinoso, Head of Talent Acquisition & Employer Branding HUK-COBURG sieht Datenkompetenz und verantwortungsvollen Einsatz an Bedeutung gewinnen. Versicherungen arbeiten mit sensiblen Daten und treffen Entscheidungen, die Menschen unmittelbar betreffen.
Die ERGO Group sagt: „Wir suchen Menschen, die technologische Entwicklungen verstehen wollen, neue Werkzeuge kompetent nutzen und ihre Ergebnisse kritisch hinterfragen.“
Was Maschinen nicht ersetzen
BNP Paribas setzt laut eigener Aussage auf Empathie, kritisches Urteilsvermögen und zwischenmenschliche Kommunikation, weil diese Fähigkeiten nicht delegierbar sind. Das Haus verzichtet bewusst auf KI-gestütztes Screening von Lebensläufen. Die Begründung des Unternehmens lautet: „Algorithmen erkennen keine Persönlichkeit, keine Leidenschaft und kein echtes Potenzial.“
Was Einsteiger daraus mitnehmen
Wer sich bei BNP Paribas bewirbt, landet laut Unternehmen bei Menschen, die Lebensläufe individuell prüfen, und nicht bei einem Algorithmus. Wer sich für eine Bank oder Versicherung vorbereitet, kann Ergebnisse von Auswertungen gegen die Zahlen prüfen, die Grundlagen der Regulierung kennen und die eigene Teamarbeit über Fachgrenzen hinweg trainieren.
Die Häuser gewichten unterschiedlich. Die DZ BANK nennt konkrete Fachprofile, während die Nürnberger Versicherung und die ERGO Group stärker auf Haltung und Verantwortung setzen.
Häufige Fragen zum Einstieg in die Finanz- und Versicherungsbranche
Welche Aufgaben übernimmt KI bei Banken zuerst?
Laut DekaBank betrifft das Aufbereitung von Daten, Standardauswertungen sowie bestimmte Programmier-, Test- und Dokumentationsaufgaben. Für Einsteiger bedeute das, reflektiert mit KI umgehen zu können.
Brauche ich KI-Vorkenntnisse für einen Einstieg?
Laut DZ BANK zählen Vorkenntnisse vor allem in der Daten- und Risikoanalyse, im Vertrieb und in der Regulatorik. Das Unternehmen betont aber auch: „Kein KI-Fachwissen kann diese Fähigkeiten ersetzen.“
Setzen Versicherer KI auch bei der Bewerberauswahl ein?
Nicht pauschal. BNP Paribas verzichtet laut eigener Aussage bewusst auf KI-gestütztes CV-Screening.
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