Sechs Unternehmen erklären, worauf es bei KI-Kenntnissen im Berufsstart zwischen Pharmaforschung und Medizintechnik ankommt.

Wer in der Pharma- oder Medizintechnik anfängt, arbeitet bald mit KI-Werkzeugen. Die Unternehmen erwarten aber mehr als deren Bedienung. Gefragt sind Urteilskraft bei den Ergebnissen und ein Gespür dafür, wo eine Lösung in einem regulierten Umfeld nicht ausreicht.
Was du wissen solltest
- KI-Souveränität: Roche verlangt keine Programmierkenntnisse, sondern den sicheren Einsatz von Tools im Arbeitsalltag. Karl Storz nennt zusätzlich Datenverständnis.
- Fachwissen: Sanofi hält Kenntnisse in Biologie, Chemie, Medizin und Pharmakologie weiter für unverzichtbar. Ebenso gehört dazu, komplexe Ergebnisse verständlich zu erklären.
- Prüfen statt übernehmen: Mehrere Unternehmen betonen, dass KI-Ergebnisse hinterfragt und validiert werden müssen, bevor man ihnen vertraut.
Muss ich programmieren können?
Nicht zwingend, sagt Roche. Das Unternehmen sagt: „Das bedeutet nicht zwingend, dass Mitarbeitende selbst Algorithmen programmieren müssen, sondern dass sie KI-Tools souverän im Arbeitsalltag einsetzen.“ Die Schulungen dazu beziehen den Datenschutz ein. Lilly beschreibt den Alltag ähnlich: Mitarbeitende setzen KI-Agenten ein, automatisieren Abläufe und arbeiten mit KI-gestützten Coding- und Design-Tools. Entscheidend sei für Lilly, „nicht nur KI-Tools bedienen zu können, sondern ihre Möglichkeiten und Grenzen zu verstehen“.
Karl Storz geht weiter in die Breite. Das Unternehmen formuliert: „Neben fachlicher Exzellenz gewinnen digitale Kompetenzen, Datenverständnis und der souveräne Umgang mit KI-gestützten Anwendungen zunehmend an Bedeutung.“ Das Unternehmen lässt Auszubildende und dual Studierende in einer Projektwoche an realen Anwendungsfällen arbeiten und Prozesse analysieren.
Fachwissen bleibt die Basis
Sanofi betont: „Fachwissen allein reicht nicht mehr aus.“ Die Fachgrundlage verliert deshalb nicht an Gewicht. Gesucht seien weiterhin Kenntnisse in Immunologie, Pharmakologie und Ingenieurwesen. Dräger beschreibt: „Mitarbeitende müssen häufiger an der Schnittstelle zwischen Medizin, Ingenieurwesen, Software, Datenanalyse und Regulierung arbeiten.“
Roche sieht das Problem im Tempo. Laut Unternehmen: „Die Halbwertszeit von Fachwissen schrumpft.“ Deshalb zählt für den Konzern weniger das Wissen am ersten Tag, sondern die Neugier, mit der Einsteiger dazulernen.
Kritisch prüfen statt übernehmen
Hier liegt der größte Gleichklang unter den Antworten. QIAGEN nennt kritisches Hinterfragen, gerade von KI-generiertem Content, als wachsende Anforderung. Miriam Engels, Head of Global Talent Attraction bei QIAGEN, sagt zugleich, dass Excel-Kenntnisse an Bedeutung verlieren: „Dagegen werden Kenntnisse in Excel und anderen klassischen Tools durch die zunehmende Unterstützung von KI tendenziell weniger wichtig.“
Dräger verlangt, aus den möglichen KI-Techniken die richtige auszuwählen und Ergebnisse kritisch zu bewerten. Roche ergänzt, dass Einsteiger KI-generierte Daten wissenschaftlich prüfen und validieren sollen. Dazu gehört auch die Einschätzung, wo KI die richtige Lösung ist und wo nicht.
Regulierung und Teamarbeit
In der Medizintechnik reicht eine funktionierende KI-Lösung nicht aus. Dräger schreibt: „In der Medizintechnik genügt es nicht, dass eine KI-Lösung funktioniert; entscheidend sind Patientensicherheit, Nachvollziehbarkeit, Datenschutz, Qualität und regulatorische Anforderungen.“ Lilly betont dieselbe Linie für eine stark regulierte Branche und ergänzt Empathie, Teamgeist und ethisches Urteilsvermögen als Fähigkeiten, die Technik nicht ersetzt.
Sanofi wünscht sich Menschen, die Technologie und Wissenschaft zusammendenken und Freude an interdisziplinärer Teamarbeit haben. Karl Storz formuliert, dass Neugier, Leidenschaft, Lernbereitschaft, Teamfähigkeit und kritisches Denken zeitlose Erfolgsfaktoren bleiben. Roche betont: „Komplexe Innovationen entstehen außerdem nicht im Alleingang.“ Wertschätzende Kommunikation in diversen Teams gehört deshalb zum Einstieg.
Was Einsteiger daraus mitnehmen
Du kannst KI-Werkzeuge schon im Studium ausprobieren und dabei festhalten, wo sie falsch liegen. Wer Ergebnisse gegen Quellen prüft, arbeitet bereits so, wie mehrere Unternehmen es erwarten. Ein Grundverständnis für Datenschutz und Regulierung hilft vor allem in der Medizintechnik. Dräger und Lilly setzen den Schwerpunkt stärker auf Regulierung, QIAGEN stärker auf Soft Skills und Projektmanagement.
Häufige Fragen zum Einstieg in die Pharma- und Medizintechnikbranche
Brauche ich als Einsteiger in der Pharmabranche Programmierkenntnisse?
Roche sagt, es sei nicht zwingend nötig. Gefragt sei vor allem der souveräne Umgang mit KI-Tools im Alltag. Karl Storz und Sanofi nennen zusätzlich digitale und Datenkompetenz.
Verlieren Excel-Kenntnisse an Wert?
QIAGEN sieht das tendenziell so, weil KI klassische Tools zunehmend unterstützt. Das Unternehmen stellt die Aussage im Zusammenhang mit KI-Tools, nicht als allgemeine Abwertung.
Welche Fähigkeiten bleiben unabhängig von KI wichtig?
Mehrere Unternehmen nennen kritisches Denken, Teamfähigkeit und Lernbereitschaft. Lilly ergänzt Empathie und Verantwortungsbewusstsein.
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