
„Ein großartiger Moment, wenn alles geklappt hat“
Drei junge Talente, drei unterschiedliche Wege bei Sanofi: Philipp Simmat (30) und Annalena Lach (30) starteten über das Trainee-Programm Manufacturing & Supply, während Rebekka Fendt den Direkteinstieg in die Forschung wählte. Im Gespräch berichten sie von ihren Erfahrungen, Projekten und der Faszination, in einem der weltweit führenden Gesundheitskonzerne zu arbeiten.
Bevor wir über eure Arbeit bei Sanofi sprechen: Stellt euch doch unseren HI:TECH CAMPUS Leser:innen kurz vor. Was hat euch zu eurem Beruf geführt?
Philipp: Ich bin 30 Jahre alt und lebe in der Nähe von Darmstadt. In meiner Freizeit gehe ich gerne Wandern oder tanze Standardtanz. Ursprünglich wollte ich Medizin studieren, aber als pragmatischer Mensch suchte ich nach Alternativen – und fand die Pharmazie. Die interdisziplinären Inhalte wie Pharmakologie und Klinische Pharmazie haben mich sofort begeistert.
Annalena: Ich komme aus dem Schwäbischen und verbringe meine Freizeit am liebsten mit meiner Appaloosa-Stute im Taunus. Technik und Biologie haben mich schon früh fasziniert, deshalb habe ich Bioverfahrenstechnik studiert.
Rebekka: Ich bin ein neugieriger Mensch und möchte verstehen, wie Leben funktioniert. Vermutlich bin ich deswegen bei der Molekularbiologie gelandet. Die Arbeit im Labor gefiel mir nicht so, mir machten Programmieren und Datenanalyse mehr Spaß. Nach Feierabend mache ich oft Sport – Laufen und Radfahren lassen sich außerdem prima mit dem Draußensein kombinieren!
Philipp und Annalena, ihr seid beide über das Trainee-Programm Manufacturing & Supply eingestiegen. Was hat euch daran gereizt?
Philipp: Mein Weg zu Sanofi begann 2018 mit einem Werkstudentenjob in Frankfurt in der R&D-Abteilung. Dort lernte ich zum ersten Mal die Strukturen eines international agierenden Gesundheitskonzerns kennen und durfte die Herstellung von Arzneimitteln im großindustriellen Maßstab begleiten. Das hat mir einen ersten Einblick gegeben, wie komplex die pharmazeutische Industrie wirklich ist. Nach dem Studium sammelte ich weitere Erfahrungen in der Offizin-Apotheke und in einer Klinikapotheke während meines Praktischen Jahres. Danach arbeitete ich bei einem Primärdatenlieferanten für das deutsche Gesundheitswesen. Aber die pharmazeutische Industrie hat mich nicht losgelassen. Das M&S-Traineeprogramm war für mich die perfekte Möglichkeit, tiefer in die industriellen Prozesse einzusteigen und gleichzeitig verschiedene Bereiche kennenzulernen – von der Qualitätssicherung bis zur Produktion. Das Programm ermöglicht es, ein breites Netzwerk aufzubauen und die Zusammenhänge in einem großen Konzern wirklich zu verstehen.
Annalena: Als sich meine Masterarbeit dem Ende zuneigte, bin ich auf die Suche nach passenden Stellen gegangen. Durch Zufall stieß ich dabei auf die Ausschreibung zum Trainee-Programm. Spannend fand ich vor allem den Absatz über die Ausbildung zukünftiger Führungskräfte – es war für mich schon länger klar, dass ich eines Tages Personalverantwortung übernehmen will. Eine weitere wichtige Motivation für mich war die Traineegruppe selbst. Nach einigen Jahren des Corona-Lockdowns und verpasstem Sozialkontakt im Masterstudium wollte ich nochmal die Chance haben, Menschen in der gleichen Lebenssituation kennenzulernen und gemeinsam in den Berufsalltag zu starten.
Wie sah euer Start im Programm aus?
Annalena: Meine erste Stelle hatte ich bei einem großen Umbauprojekt in den Insulinanlagen. Ich fühlte mich sehr schnell wohl im Team, wurde aber völlig überfahren von den Massen an Regularien und Vorschriften. Die pharmazeutische Produktion ist so streng reguliert – das war am Anfang überwältigend. Nach drei Monaten war ich drin. Da ich mich in der Masterarbeit mit Fließbildern beschäftigt hatte, war meine erste Aufgabe eine „Übersetzungsarbeit“. Um eine Diskussionsgrundlage für verschiedene Funktionen zu schaffen, habe ich die Fließbilder in einfachere Schaubilder übersetzt.
Philipp: Mein Traineeprogramm beinhaltete zwei Rotationen: zunächst als Quality Manager in der Country Quality für etwas mehr als ein Jahr, danach als Compliance Experte für circa neun Monate in der Abfüllung und automatischen Kontrolle von aseptisch hergestellten Liquida – also beispielsweise Antibiotika-Lösungen. Die Country Quality stellt die Schnittstelle zwischen der Landesgesundheitsbehörde und Sanofi dar und übernimmt unter anderem jegliche Kommunikation im Falle von produkttechnischen Reklamationen im Rahmen des gesetzlich vorgeschriebenen Stufenplans. Für meine heutige Rolle als Country Medical Safety Expert nehme ich eine andere Perspektive für den Stufenplan ein – wenn nämlich unerwünschte Arzneimittelwirkungen unter der Einnahme von Sanofi-Produkten bei unseren Patienten in Deutschland auftreten.
Was hat euch im Traineeprogramm am meisten überrascht oder geprägt?
Philipp: Vor allem während der Zeit innerhalb der Produktion konnte ich eindrückliche Erfahrungen für mich selbst mitnehmen. Mir war bis dato nicht wirklich bewusst, wie aufwändig, komplex und streng reguliert die vermeintlich einfache Abfüllung und anschließende Kontrolle von Arzneimittellösungen ist. Gerade die technische Komplexität der Anlagen und die schier unendliche Menge an notwendigem Wissen waren für mich gerade am Anfang extrem herausfordernd. Mit etwas Zeit und Hilfe von meinen Kollegen konnte die anfangs empfundene Überforderung allerdings recht schnell abgemildert werden. Nach ein paar Monaten konnte ich dann auch eigenverantwortlich eigene Projekte durchführen, wie die Reinigungseffizienzüberprüfung einer Spülmaschine für die Reinigung der Primärpackmittel, die im Anschluss für die aseptische Abfüllung genutzt worden sind. Zugegebenermaßen, das hört sich erstmal nicht so spannend an, allerdings ist dieser Schritt essentiell, um spätere Verunreinigungen im abgefüllten Produkt auszuschließen.
Annalena: Den besten Einblick in die pharmazeutische Produktion hatte ich durch meine Wechselstation. Da war ich für sechs Monate im produzierenden Betrieb als Betriebsassistentin tätig. Dabei arbeitet man direkt mit den Schichtmitarbeitenden zusammen, organisiert, welche Teilcharge auf welcher Prozessstufe verarbeitet wird, und kümmert sich um alle anfallenden Probleme. Das Level an Verantwortung ist dabei schon ziemlich hoch. Wenn die Produktion nicht läuft, können am Ende vielleicht Patient:innen ihr Medikament nicht bekommen. Danach bin ich wieder zurück ins Projektgeschäft gegangen, aber diese sechs Monate haben mein Verständnis von pharmazeutischer Produktion deutlich geprägt.
Rebekka, im Gegensatz zu deinen Kolleg:innen bist du im Januar 2023 direkt als Quantitative Systems Pharmacology Modeler eingestiegen. Warum dieser Weg?
Rebekka: Der Hauptgrund war, dass ich nach meiner langen naturwissenschaftlichen Ausbildung nach einer unbefristeten Stelle in R&D gesucht habe. Ich hatte vor meinem Einstieg schon Industrieerfahrung gesammelt und wusste, auf welche Stellen mein Profil passen würde. Die Traineestellen sind befristet, und damals gab es auch keine Trainees in R&D. Außerdem war die Vergütung beim Direkteinstieg besser. Die Position passte perfekt zu meinen wissenschaftlichen Interessen – Immunologie und entzündliche Erkrankungen finde ich sehr spannend, und das ist gerade ein Schwerpunkt bei Sanofi.
Kannst du unseren Leser:innen erklären, womit du dich täglich beschäftigst?
Rebekka: Wir entwickeln komplexe mathematische Modelle, mit denen wir Krankheitsprozesse beschreiben und die Wirkung von Medikamentenkandidaten simulieren. Ich beschäftige mich hauptsächlich mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. In den Bau dieser Modelle fließen in vitro Daten aus dem Labor und klinische Daten aus Studien ein. Mit den Simulationen virtueller Patient:innen beantworten wir Fragen der Projektteams: Welches Molekül ist ein guter Kandidat? Wie hoch sollte die Dosis sein? Welche Patient:innen profitieren besonders?

Annalena, du bist jetzt als Process, Plant and C&Q Specialist tätig. Was bedeutet das konkret?
Annalena: C&Q steht für Commissioning and Qualification, also Inbetriebnahme und Qualifizierung. Ich sitze an der Schnittstelle zwischen produzierendem Betrieb und Umbauprojekt. Da ist vor allem sehr viel Kommunikation gefragt, denn beide Seiten arbeiten sehr unterschiedlich. Als Beispiel die neue Probenahme: Der Betrieb hat über 20 Jahre Erfahrung mit seinem System und kennt alle Vor- und Nachteile. Das Projekt möchte ein moderneres System einführen. Da kann es zu Spannungen kommen. Meine Aufgabe ist es, den Übergang zu erleichtern, die Schichtmitarbeitenden zu schulen und zu checken, ob alles Material vor Ort ist. Dann geht es an die Umsetzung: das alte System raus, das neue rein. Gleichzeitig müssen viele Dokumente für die Qualifizierung ausgefüllt werden. Wenn dann alles geklappt hat, ist das ein großartiger Moment.

Philipp, wie nutzt du dein Wissen aus dem Traineeprogramm in deiner Arbeit als Medical Safety Expert?
Philipp: Ich bin durch das Traineeprogramm vor allem dazu in der Lage, viele Prozesse, die man sonst nur über Gespräche oder Dokumente mitbekommt, besser nachzuvollziehen und zu „visualisieren“, da ich diese im besten Fall schon selbst durchgeführt habe. Das fachliche Wissen aus der Produktion ist im Moment eher in den Hintergrund gerückt, allerdings sind weiterhin mein GxP-Verständnis und Soft Skills wie die Fähigkeit zur Priorisierung von Aufgaben, Kreativität, das kritische Hinterfragen von Prozessen und vor allem die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Funktionen essentiell. Aufgrund der engen Zusammenarbeit mit Legal, Regulatory Affairs, Medical oder auch Commercial ist die Kollaborationsfähigkeit wohl eine der Schlüsselkompetenzen, die ich aus dem Traineeprogramm nutze. Worüber ich mich besonders freue, ist allerdings die Tatsache, dass ich wieder vermehrt medizinisches beziehungsweise pharmazeutisches Wissen benötige, um Nebenwirkungsmeldungen und ihren Schweregrad einschätzen zu können.
Philipp, wie wurdest du während des Traineeprogramms unterstützt?
Philipp: Während des Traineeprogramms erhielt ich Unterstützung durch meine Mentorin, die selbst einmal M&S-Trainee war und somit bestens meine Position nachvollziehen konnte. Sie hat mich von Tag 1 an unter ihre Fittiche genommen, mir Tipps gegeben und stand immer zur Verfügung. Auch persönlich haben wir uns super verstanden, sodass ich mich sehr wohl gefühlt habe. Ergänzend hatte ich das Glück, in einen sehr aufgeschlossenen Traineejahrgang aufgenommen zu werden. Neben den gemeinsamen Traineeseminaren – 50 Tage in zwei Jahren – haben wir regelmäßige Mittagessen und Feierabendbiere organisiert und auch privat Aktivitäten unternommen. Ein Highlight war unsere gemeinsame, selbst organisierte „Abschlussfahrt“ zum Wandern in den Alpen. Dieser Zusammenhalt war wirklich etwas Besonderes.
Annalena, wie erlebst du die Zusammenarbeit im Team bei Sanofi?
Annalena: Jede größere Abteilung bei Sanofi besteht aus den drei Funktionen Produktion, Qualität und Technik. Da ich als Schnittstelle fungiere, sind das schon mal mindestens sechs verschiedene Gruppen, die alle mitsprechen wollen. Da kommt es regelmäßig zu Meinungsverschiedenheiten. Inzwischen kann ich gut abschätzen, worum es den einzelnen Funktionen geht. Das macht die Kompromissfindung leichter. Am Ende haben wir bisher immer einen Weg gefunden. Dabei profitiere ich von den erfahrenen Kolleg:innen.
Rebekka, was würdest du promovierten Naturwissenschaftler:innen raten, die zwischen Trainee-Programm und Direkteinstieg abwägen? Was sollten sie für Eigenschaften mitbringen?
Rebekka: Wenn sich die Chance zum Direkteinstieg ergibt, ist es eine großartige Option, die ich sofort wieder wählen würde! Nur um eines beneide ich die Trainees: den Kontakt zu den anderen Trainees. Da musste ich aktiver sein, um Kolleg:innen kennenzulernen. Wichtige Eigenschaften sind fachliche Exzellenz, gute Englischkenntnisse, Eigeninitiative, Frustrationstoleranz und die Fähigkeit, anderen Fachrichtungen die eigene Forschung verständlich zu erklären.
Philipp, mit deinem pharmazeutischen Studium und der Weiterbildung bei der Landesapothekerkammer bringst Du vielseitige Erfahrungen mit. Was sollten Naturwissenschaftler:innen und Ingenieure:innen über das Trainee-Programm bei Sanofi wissen?
Philipp: Das fachliche Know-how ist wichtig und bildet eine gute Grundlage. Beim M&S-Programm sind vor allem Naturwissenschaftler und Ingenieure an der richtigen Adresse, die Lernbereitschaft und Begeisterung für neue Erfahrungen mitbringen. Meines Erachtens sind aber die persönlichen Eigenschaften ausschlaggebender: Man arbeitet in einem großen Konzern mit vielen verschiedenen Persönlichkeiten, die alle an einem Strang ziehen sollen. Das funktioniert, wenn ich mich in andere hineinversetzen kann und offen für bessere Vorschläge bin. Das bedeutet nicht, dass man keine eigenen Ideen einbringen kann – man muss in angemessenen Maßen handeln. Mein Tipp: Sei du selbst, sei authentisch, dann bist du bei Sanofi genau richtig.
Annalena, du bist nun seit Mai 2022 dabei. Welche Entwicklungsmöglichkeiten siehst Du für Dich bei Sanofi, und was würdest Du Ingenieur-Absolvent:innen über den Berufseinstieg mitgeben?
Annalena: Sanofi bietet mir langfristig viele Karrieremöglichkeiten. Das Schöne ist, dass ich mich nicht festlegen muss. Heute bin ich Ingenieurin in der Anlage, aber mich interessieren auch Prozessentwicklung und Change-Management. Mein Chef bereitet mir den weiteren Ingenieursweg mit Fortbildungen vor, unterstützt aber auch mit Kontakten in andere Bereiche. Mit all diesen Optionen hatte ich nicht gerechnet! Für Absolventen würde ich sagen: Die pharmazeutische Produktion ist vielfältig und anspruchsvoll. Man braucht technisches Verständnis, aber auch die Fähigkeit, mit Menschen zu arbeiten und Kompromisse zu finden. In wirtschaftlich unsicheren Zeiten bleibt die Pharmaindustrie ein Fels in der Brandung.
Rebekka, was motiviert dich in deiner Forschungsarbeit bei Sanofi?
Rebekka: Die Vorstellung, an einem Medikament mitzuarbeiten, das es möglicherweise später in die klinische Anwendung schafft, motiviert mich mehr als Artikel in Fachzeitschriften zu veröffentlichen. Was mir an der Forschungskultur bei Sanofi sehr gut gefällt, ist die R&D week – eine interne Konferenz mit Fachvorträgen, Laborführungen, Posterpräsentationen und viel Gelegenheit zum Austausch mit anderen Expert:innen.
Karriere-Einstieg bei Sanofi – Drei Argumente für das Trainee-Programm:
1. Es ist die perfekte Chance, mit KI und Digitalisierung die moderne Arzneimittelentwicklung und -produktion mitzugestalten.
2. Das Traineeprogramm ist klar strukturiert und bietet eine sehr persönliche Betreuung durch erfahrene Kolleg:innen sowie ein umfassendes Weiterbildungspaket.
3. Rotationen durch die verschiedenen Bereiche garantieren nicht nur umfassendes Verständnis, sondern auch vielfältige Karriereoptionen nach Beendigung des Traineeprogramms.