Führt ein Ingenieurstudium in die Rüstungsindustrie? Kybernetik, Luftfahrt, Mechatronik und Elektrotechnik zeigen, wo das Wissen steckt.
Welche Masterstudiengänge könnten auf Defense Tech vorbereiten?
Keiner der Studiengänge, die am Ende dieses Artikels aufgelistet sind, hat „Defense” im Namen oder wirbt damit, Studierende für die Rüstungsindustrie vorzubereiten. Die Themenfelder „Dual Use” und „Zivilklausel” bleiben ein Politikum: Unsere Anfrage an über 20 Hochschulen ergab, dass keine von ihnen ein Masterstudium empfehlen wollte, das Studierende auch für die Rüstungsindustrie qualifizieren könnte.
Was du wissen solltest
- Ein umstrittenes Thema: Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine wird wieder heftig darüber gestritten, wie streng Zivilklauseln noch gelten sollen.
- Die Grenze ist unscharf: Wofür ein Forschungsergebnis später verwendet wird, lässt sich zu Projektbeginn oft nicht absehen.
- Vorsicht der Hochschulen: Von über 20 angefragten Hochschulen wollte keine ein Masterstudium empfehlen, das für die Rüstungsindustrie qualifiziert.
Etwa 17 Prozent der deutschen Hochschulen haben eine Zivilklausel. Damit verpflichten sie sich, nur für friedliche Zwecke zu forschen und zu lehren. Allerdings ist vieles Dual Use, also zivil und militärisch nutzbar. Eine Regelung, die eine Paketdrohne im Wind stabil hält, funktioniert auch in einer Kampfdrohne. Wofür ein Ergebnis später verwendet wird, lässt sich zu Projektbeginn oft nicht absehen.
Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine wird wieder heftig darüber gestritten, wie streng die Klauseln noch gelten sollen. Wer da Studiengänge für die Rüstungsbranche empfiehlt, bezieht Stellung. Dabei steckt das nötige Wissen in klassischen Ingenieurfächern.
Ein Lenkflugkörper, eine Drohne oder ein Flugabwehrsystem muss sich ständig selbst steuern. Das System misst laufend, wo es sich befindet und wie es sich bewegt, und korrigiert daraufhin seinen Kurs. Genau darum geht es in der Regelungstechnik. Wer Technische Kybernetik studiert, lernt, solche Systeme mathematisch zu beschreiben, am Computer zu simulieren und zu steuern. Mit einer Vertiefung in Flugführung oder autonomen Systemen führt der Weg ziemlich direkt in die Entwicklung von Lenkflug- körpern, unbemannten Plattformen und Flugabwehrsystemen.
Die Luft- und Raumfahrttechnik beschäftigt sich mit allem, was fliegt. Auf dem Plan stehen Flugzeugentwurf, Aerodynamik, Leichtbau und Raumfahrtsysteme. Für die Verteidigungstechnik sind vor allem Flugregelung und Flugführung interessant, also die Frage, wie ein Fluggerät stabil und auf Kurs bleibt. Dieses Wissen braucht man, um Lenkflugkörper und Drohnen zu entwickeln. Wer zusätzlich Wahlfächer aus der Kybernetik belegt, vertieft das noch.
Ein großer Teil der europäischen Verteidigungsbudgets fließt derzeit in Robotik und Künstliche Intelligenz. In diesen Studiengängen lernt man, wie Maschinen sich selbstständig bewegen, Bilder auswerten, mit anderen Maschinen zusammenarbeiten und Entscheidungen treffen, auch wenn nicht alle Informationen vorliegen. Im militärischen Bereich wird daraus zum Beispiel ein Schwarm von Drohnen oder eine Software, die Lagebilder auswertet und Entscheidungen vorbereitet.
Die Automatisierungstechnik ist näher an der praktischen Umsetzung. Hier lernt man, wie Sensoren etwas messen, eine Steuerung die Daten in Echtzeit verarbeitet und Motoren oder andere Bauteile darauf reagieren. Gebraucht wird das zum Beispiel bei teilautonomen Gefechtsfahrzeugen oder vollautomatischen Flugabwehrsystemen.
Die Mechatronik verbindet Maschinenbau, Elektrotechnik, Sensorik und Informatik. Man lernt, viele einzelne Bauteile und Programme so zusammenzubringen, dass am Ende ein Gerät entsteht, das als Ganzes funktioniert. Das ist die Aufgabe von Systemingenieuren. Sie arbeiten zum Beispiel an stabilisierten Waffenanlagen, an Kamerasystemen zur Aufklärung oder daran, Sensoren in Lenkflugkörper und Drohnen einzubauen.
Radar, Funk und Kommunikation decken keines dieser Fächer ab, obwohl die moderne Kriegsführung darauf aufbaut. Dafür braucht es ein Studium der Elektrotechnik mit Vertiefung in Sensorsystemen, Nachrichtentechnik, Hochfrequenztechnik oder Signalverarbeitung. Wer diesen Weg geht, kann später an Radarsystemen arbeiten, feindliche Funksignale auffangen und auswerten, gegnerische Signale stören oder täuschen oder abhörsichere Kommunikation entwickeln. Typische Arbeitgeber sind Hensoldt, Rohde & Schwarz und Diehl Defence.
Wie der Artikel erklärt, führen unter anderem Technische Kybernetik, Luft- und Raumfahrttechnik, Robotik und KI, Automatisierungstechnik, Mechatronik sowie Elektrotechnik mit Vertiefung in Sensorsystemen oder Nachrichtentechnik dorthin. Keiner dieser Studiengänge trägt „Defense“ im Namen. Etwa 17 Prozent der deutschen Hochschulen eine Zivilklausel. Damit verpflichten sie sich, nur für friedliche Zwecke zu forschen und zu lehren. Hensoldt, Rohde & Schwarz und Diehl Defence sind typische Arbeitgeber für Absolventinnen und Absolventen mit Elektrotechnik-Vertiefung.Häufige Fragen zu Studiengängen für die Rüstungsindustrie
Welche Studiengänge führen in die Verteidigungstechnik?
Welche Masterstudiengänge zum Einstieg in die Verteidigungstechnik empfehlen wir?
Was ist eine Zivilklausel?
Welche Arbeitgeber gibt es in der Verteidigungstechnik?
