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    Home » Mehr als nur Code: Was KI-Entwickler wirklich können müssen

    Mehr als nur Code: Was KI-Entwickler wirklich können müssen

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    By chefaccount on 8. Oktober 2025 Data Science, Informatik, KI

    „Die Vorteile von KI und Menschen miteinander vereinen“

    KI-Jobs sind gefragt wie nie – aber was braucht man eigentlich, um in diesem Bereich durchzustarten? Wir haben mit Prof. Dr. Erik Buchmann von der Universität Leipzig über die Realität der KI-Entwicklung gesprochen. Der Experte für Datenmanagement erklärt, welche Fächer und Module wirklich wichtig sind, warum KI-Entwicklung weit über das Programmieren hinausgeht und weshalb sich Studierende auf eine Arbeitswelt einstellen sollten, in der einfache Entwicklertätigkeiten zunehmend automatisiert werden. Ein aufschlussreiches Gespräch über echte Karrierechancen jenseits des Hypes.

    Welche Fächerkombinationen sowie Spezialisierungen sollten Informatik-Student:innen belegen, um im Berufsfeld der KI-Entwicklung tätig sein zu können? 

    „KI-Entwicklung“ ist ein sehr breites Thema, das vom Software-Engineering und Prompt-Engineering über Model-Training/Anpassung/Feintuning bis hin zu Fragen aus den Bereichen Compliance, Datenschutz, Sicherheit, Ethik, Nachhaltigkeit reicht. Insofern bieten sich hier viele Perspektiven für MINT-Absolventen, sich den eigenen Interessen entsprechend zu vertiefen. Es gibt also nicht den konkreten einen Tipp. Ein Data Science-Studiengang, wie er auch hier an der Universität Leipzig angeboten wird, ist auf jeden Fall eine gute Grundlage.

    Es lassen sich aber in einen Informatik-/Wirtschaftsinformatik-/Wirtschaftsingenieur-Studiengang passende Module integrieren. Wenn Sie mich nach Modulen fragen, die für KI/ML besonders relevant sind: Ich würde nach Vertiefungsmodulen zu künstlichen Neuronalen Netzen und Machine Learning suchen, die einen Überblick bieten, und dies dann mit Modulen zum Thema Natural Language Processing, Wissensrepräsentation, Visualisierung, Datenschutz/Datensicherheit, KI-Ethik und qualitativen/quantitativen empirischen Methoden vertiefen. Rein praktisches Wissen aus Bereichen wie Anwendungsentwicklung, Deployment, Testing oder Roll-Out lässt sich am besten als „Training on the job“ im Unternehmen erwerben, weil sich dies rasch ändert.

    Wie bewerten Sie die Berufsaussichten und Zukunftsperspektiven in Bezug zur KI-Entwicklung in Deutschland? 

    Wenn Sie mal in den Gartner Hype Cycle für generative KI schauen, stellen Sie fest, dass einige Anwendungsfelder bereits über den Gipfel der überzogenen Erwartungen hinaus sind. Es wird mit der KI ebenso laufen wie beim Cloud Computing, der Virtualisierung oder dem klassischen Machine Learning: Einige Anwendungen werden extrem profitieren, bei anderen übersteigt der Aufwand bzw. das technische oder unternehmerische Risiko den Nutzen. KI ist beispielsweise ein Game Changer für maschinelle Übersetzung, das Zusammenfassen oder Umschreiben von Texten, oder die Unterstützung bei der Analyse/Visualisierung von unterschiedlichsten Daten. Bei sicherheitskritischen Anwendungen oder solchen, die echte Kreativität jenseits der Rekombination von Altbekanntem benötigen, wäre ich skeptisch. Insofern würde ich die Berufsaussichten für die KI-Entwicklung sehr positiv einschätzen, aber nicht überhöhen: Ohne echtes Interesse und nur aus Karrieresicht in die KI-Thematik einzusteigen wäre wahrscheinlich keine gute Strategie.

    Zum zweiten Teil Ihrer Frage: Mitte/Ende der 1990er Jahre war mit dem Durchbruch des Internets, „Web-Design“ und „Grafik-Design“ ein begehrtes und zukunftsträchtiges Berufsfeld. Mit neuer Technik wie WordPress und einer Professionalisierung der Branche mussten sich dann viele Web-Designer neue Berufsfelder suchen, die zuvor an einfacheren Aufgaben gearbeitet haben. In ähnlicher Weise hat es davor die Programmierer von Anwendungen in Sprachen wie Assembler, C, Cobol, Fortran getroffen. Dasselbe läutet nun die KI für einfachere Entwicklertätigkeiten ein. Aus meiner Perspektive ist das „wegautomatisieren“ von einfacheren Tätigkeiten nichts Neues oder Ungewöhnliches, und sicher kein Grund zum Pessimismus.  


    „Ohne echtes Interesse und nur aus Karrieresicht in die KI-Thematik einzusteigen wäre wahrscheinlich keine gute Strategie“


    Wie schätzen Sie die Auswirkung und Relevanz von KI auf unsere Gesellschaft ein? 

    Das ist eine sehr spannende Frage. Mir fallen dabei sofort vier Aspekte ein: Erstens hat der intensive Einsatz neuartiger Technologien schon mehrmals eine große Rolle bei Wahlen gespielt. Besonders gut untersucht wurden beispielsweise der Wahlsieg von Obama (Social Media und Microtargetting), Trump-1 (Facebook-Analysen durch Cambridge Analytica) oder der Brexit (nochmal Cambridge Analytica). Meine Erwartung ist, dass so etwas durch den Einsatz von aktuellen KI-Methoden ebenfalls passiert.

    Zum zweiten lässt sich beobachten, dass in den letzten Jahren immer mehr Dienstleistungen auf den Nutzer verlagert wurden. Beispiele sind Selbstbedienungskassen, die Online-Buchung und Entwertung von Bahn-Tickets, praktisch alle Bank-Dienstleistungen, die Online-Services in der öffentlichen Verwaltung und im Meldewesen der Länder, der First-Level-Support bei Störungen von Telefon und Internet, und vieles mehr. Wo früher noch ein Mensch am anderen Ende saß, der bei Fehlern und Problemen unterstützen konnte, muss sich nun der Nutzer mit den Feinheiten der automatisierten Abläufe auseinandersetzen. Dies benachteiligt bereits heute Teile der Gesellschaft, insbesondere für Ältere oder Menschen mit einer entsprechenden Beeinträchtigung. Auch hier ist meine Erwartung, dass sich diese Entwicklung durch KI wesentlich verstärken wird.

    Zum Dritten erwarte ich neue und spannende Arbeiten aus der Kunstszene. Die Kamera hat die naturgetreue Reproduktion in Form von Gemälden obsolet gemacht und viele neue Stilrichtungen hervorgebracht. Die mathematisch exakte Reproduktion von Audio-Samples durch Computer hat neue Musikstile hervorgebracht, bei denen das Handwerk des Instrument-Spielens nicht mehr im Vordergrund steht. Ich bin jetzt sehr neugierig, wie die Kunstschaffenden KI kreativ nutzen werden!

    Der vierte Aspekt ist derjenige, der mir tatsächlich Angst macht: Der Einsatz von KI zur Koordination von Drohnenschwärmen und anderen autonomen Waffensystemen in militärischen Anwendungen. KI ist wie jede Software auch prinzipiell beliebig kopierbar, lässt sich also kaum auf einzelne Akteure begrenzen. Drohnen oder kleinere automatisierbare Waffensysteme sind vergleichsweise günstig herstellbar und damit für viele Akteure erschwinglich. Und Abrüstung, Rüstungskontrollmaßnahmen oder inklusive geopolitische Sicherheitsarchitekturen scheinen im Moment nirgendwo mit Priorität verfolgt zu werden.


    Prof. Dr.-Ing. habil. Erik Buchmann

    Prof. Dr. Erik Buchmann von der Uni Leipzig über KI-Entwicklung als Berufsfeld und realistische Zukunftsperspektiven ©BMBF/PLS/Thilo Schoch
    Prof. Dr. Erik Buchmann von der Uni Leipzig über KI-Entwicklung als Berufsfeld und realistische Zukunftsperspektiven ©BMBF/PLS/Thilo Schoch

    Erik Buchmann ist seit 2022 Professor für Data Privacy and Security an der Universität Leipzig. Nach seiner Promotion im Jahr 2006 an der Universität Magdeburg leitete er am Karlsruher Institut für Technologie eine Nachwuchsgruppe und habilitierte sich dort 2016. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich Datenschutz, Sicherheit in verteilten Systemen sowie im Internet of Things.

     

    Zum Lehrstuhl Data Privacy and Security

    Der Lehrstuhl an der Universität Leipzig verbindet technische Sicherheit mit gesellschaftlicher Verantwortung. Forschung und Lehre zielen auf nutzerfreundliche Lösungen im Bereich Datenschutz und KI-basierte Cybersicherheit – ideal für Bachelor- und Masterstudierende mit Interesse an relevanten Informatikthemen.

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