Warum warten viele MINT-Studentinnen zu lange mit dem Gründen? Dr. Katharina Owen von erklärt, wie der erste Schritt gelingt.

So wirst Du „Female Founder”
Dr. Katharina Owen leitet das Programm TUM Female Founders bei TUM Entrepreneurship. Sie erklärt, was es braucht, damit aus einer Idee im Studium ein Start-up wird – und warum Gründerinnen den ersten Schritt wagen sollten.
Was du wissen solltest
- Die Person: Dr. Katharina Owen leitet das Programm TUM Female Founders bei TUM Entrepreneurship.
- Der Einstieg: Wer früh in ein Start-up möchte, sollte Gründerteams aktiv ansprechen und auch über Beteiligungen sprechen.
- Die Hürden: Gründerinnen erhalten oft später Zugang zu Netzwerken, Mentoring und Kapital; viele warten zudem, bis ihre Technologie perfekt ist.
Welche Hürden auf dem Weg zur Gründung erleben MINT-Studentinnen aus Ihrer Erfahrung am häufigsten?
Es ist eine Kombination aus strukturellen und persönlichen Faktoren, und genau deshalb gibt es auch keine einzelne Lösung.
Strukturell sehen wir nach wie vor, dass Gründerinnen oft später Zugang zu relevanten Netzwerken, Mentorinnen und Mentoren oder Investorinnen und Investoren erhalten. Gerade im Deep-Tech-Bereich fehlen zudem weibliche Vorbilder, mit denen sich junge Wissenschaftlerinnen identifizieren können.
Gleichzeitig erleben wir psychologische Hürden. Viele MINT-Studentinnen stellen deutlich höhere Anforderungen an sich selbst, bevor sie eine Gründung überhaupt in Betracht ziehen. Sie möchten ihre Technologie oft erst perfektionieren, während andere den Schritt früher wagen. Dabei gehört Unsicherheit zum Gründen dazu, niemand startet mit allen Antworten.
Was braucht es aus Ihrer Sicht, damit aus einer Idee im Studium tatsächlich ein Start-up wird?
Der wichtigste Schritt ist oft der Perspektivwechsel: Im Labor oder im Studium geht es darum, neues Wissen zu schaffen. Bei einer Gründung geht es darum, daraus einen konkreten Nutzen für Menschen oder Unternehmen zu entwickeln. Diese unternehmerische Denkweise kann man lernen.
Deshalb ist es so wichtig, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler früh mit Themen wie Geschäftsmodellentwicklung, Kundennutzen, Finanzierung und geistigem Eigentum in Berührung zu bringen. Eine gute Technologie allein macht noch kein erfolgreiches Start-up, genauso wichtig ist es zu verstehen, welches Problem sie löst und für wen. Mentoring spielt dabei eine entscheidende Rolle. Eine erfahrene Mentorin oder ein erfahrener Mentor muss nicht alle Antworten liefern, kann aber helfen, die richtigen Fragen zu stellen, typische Fehler zu vermeiden und den eigenen Weg mit mehr Selbstvertrauen zu gehen.
Es gibt deutlich weniger Gründerinnen als Gründer. Sehen Sie darin auch eine Chance – und wie können Frauen in ein Start-up der ersten Stunde einsteigen?
Dass es weniger weibliche als männliche Gründer gibt, hat viele Ursachen. Gleichzeitig liegt darin tatsächlich eine große Chance. Wir sehen zunehmend, dass erfolgreiche Start-ups vielfältige Teams brauchen.
Für Frauen, die sich einem frühen Start-up anschließen möchten, ist mein Tipp: Nicht nur nach ausgeschriebenen Stellen suchen, sondern aktiv auf Gründerteams zugehen, deren Mission und Technologie sie überzeugt. Viele frühe Rollen entstehen über persönliche Gespräche und Netzwerke.
Gleichzeitig sollte man den eigenen Wert von Anfang an sichtbar machen. Wer als eine der ersten Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter einsteigt, bringt oft nicht nur Fachwissen mit, sondern trägt maßgeblich dazu bei, das Unternehmen aufzubauen. Deshalb ist es wichtig, frühzeitig auch über die Rahmenbedingungen zu sprechen, etwa über eine Beteiligung am Unternehmen, zum Beispiel über virtuelle Beteiligungsprogramme oder Mitarbeiteranteile.
Wenn Sie einer MINT-Studentin, die mit dem Gedanken an eine Gründung spielt, einen Rat mitgeben könnten – welcher wäre das?
Mein wichtigster Rat wäre: Probier es aus und warte nicht darauf, dass der perfekte Zeitpunkt kommt. Gerade Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind es gewohnt, sehr gründlich zu arbeiten, Risiken abzuwägen und hohe Qualitätsansprüche an sich selbst zu stellen. Das sind große Stärken, aber beim Gründen gehört es dazu, mit Unsicherheit umzugehen und Dinge auszuprobieren, bevor alle Fragen beantwortet sind.
Die Angst vor dem Scheitern ist sehr menschlich, und gerade in Deutschland vielleicht stärker ausgeprägt als in anderen Gründungskulturen. Aber ein Rückschlag bedeutet nicht, dass du gescheitert bist. Er liefert dir wertvolle Informationen: Was funktioniert? Was muss angepasst werden? Was kannst du daraus lernen?
Such dir früh Menschen, die dich unterstützen, baue dir ein Netzwerk auf und sprich über deine Idee. Du musst nicht alles alleine schaffen. Der erste Schritt ist oft der schwierigste, aber aus einer Idee wird nur dann ein Unternehmen, wenn jemand den Mut hat, anzufangen.
Häufige Fragen zur Gründung im Studium
Wie wird aus einer Idee im Studium ein Start-up?
Aus einer Idee wird ein Start-up, wenn sie einen konkreten Nutzen für Menschen oder Unternehmen schafft. Laut Dr. Katharina Owen gehören dazu frühzeitig Geschäftsmodellentwicklung, Kundennutzen, Finanzierung und geistiges Eigentum.
Wann sollte ich ein Start-up gründen?
Laut Dr. Katharina Owen sollte man nicht auf den perfekten Zeitpunkt warten, sondern ausprobieren, auch wenn nicht alle Fragen beantwortet sind. Rückschläge liefern dabei wertvolle Informationen darüber, was funktioniert und was angepasst werden muss.
Wie kann ich in ein junges Start-up einsteigen?
Wer in ein junges Start-up einsteigen möchte, sollte nicht nur offene Stellen suchen, sondern auf Gründerteams zugehen, deren Mission und Technologie überzeugen. Viele frühe Rollen entstehen laut Dr. Katharina Owen über persönliche Gespräche und Netzwerke.
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