… weil NaWis wissen, wo’s lang geht

Das Image von Naturwissenschaften ist zwiegespalten: So mancher Biologe erhält im Studium beispielsweise das Gefühl, der Arbeitsmarkt sei eng, doch sowohl Erfahrungsberichte als auch die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Vor allem aber gilt: Es entstehen neue Optionen, beziehungsweise mehr davon. Es muss nicht mehr die klassische Forschung sein, in der NaWis ihr berufliches Zuhause finden. 

Die Aussichten für Naturwissenschaftler sind gut. Arbeitslosenzahlen ge­hen tendenziell zurück, beispielsweise sank die Quote bei den Chemikern um etwa 11 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und liegt damit jetzt bei sensationellen 2,6 Prozent. Die Biologen liegen bei einer Arbeitslosenquote von 4,2 Prozent, diese ist bereits um 9 Prozent gesunken. Verschiedene Publikationen mögen nun anführen, diese Quote sei fast doppelt so hoch wie bei den Chemikern und würden nun von einer „ho­hen Arbeitslosigkeit“ sprechen.

Solche Vergleiche sind aber relativ in ihrer Bedeutung, denn knapp 4 Prozent ist immer noch ein sehr geringer Anteil. Damit du nicht dazu gehörst, wirst du deinen eigenen Weg gehen müssen: Wenn dir als Biologe das Labor nicht liegt – zwing dich nicht in einen Laborjob. Auf den nächsten Seiten zeigen wir die verschiedensten Einstiegsmöglichkeiten auf, die NaWis zur Verfügung stehen haben. Auch, wenn du die Hälfte davon bisher gar nicht auf dem Schirm hattest. Zurück zu den aktuellen Quoten: Bei den Physikern fiel die Arbeitslosigkeit sogar um 14 Prozent, damit liegt sie nun bei 2,4 Prozent.

Woher kommt sie also, diese Zukunftsangst? Statt uns in den Gründen zu verlieren, fokussieren wir uns lieber auf die Realität, denn diese ist und bleibt für NaWis sehr vielversprechend. Kurz ge­sagt: Bleib offen bei deiner Jobsuche, weiche ab von den Klischees in deinem Kopf und lies weiter.

Karrierechancen für Naturwissenschaftler

Im Labor wird mit alternativen Karrieremöglichkeiten experimentiert.

Die meisten Naturwissenschaftler gehen immer noch in branchentypische Berufe, aber die Zahlen der AbsolventInnen, die es in alternative Bereiche zieht, steigen kontinuierlich. In anderen Worten: Das sind die, die dir ein Vorbild sein könnten. Euch einen verschiedene nützliche Fähigkeiten, die euch studiumsübergreifend vermittelt wurden. Analytisches Denken und gute Fachkenntnisse der Naturwissenschaftler bilden die Basis und machen euch besonders attraktiv für verschiedene Arten von Berufen.

Die Expertenrolle

Überall, wo das Fachwissen der NaWis gefragt ist, könnt ihr euren Berufseinstieg wagen. Das beginnt beispielsweise im Vertrieb technischer oder chemischer Produkte, deren fachlichen Hintergrund NaWis einfach besser verstehen und erklären können. Dazu kommt die Presse- oder Medienarbeit für Industrieunternehmen. Auch hier gilt: Weil ihr wisst, worum es bei dem Unternehmen und dessen Wertschöpfungskette geht, kann euch hier niemand fachlich das Wasser reichen. Oder schon mal ans Consulting gedacht?

So musst du dich nicht für einen Job bei einem Arbeitgeber entscheiden, sondern bekommst Zugang zu verschiedenen Kundenunternehmen aus unterschiedlichen Branchen. Einen solchen Marktüberblick bekommst du anderswo selten. Auch denkbar: Gerade wissenschaftliche Verlage oder Tageszeitungen suchen Redakteure mit Fachwissen – denn eine journalistische Schreibweise lässt sich eher beibringen, als einem Medienexperten das Chemiestudium der letzten 5 Jahre.

Kommen wir zurück zu den Biologen: Im Zuge des zunehmenden Klima- und Umweltschutzes vermehren sich die Stellen jenseits der Geobotanik und Co. und verlagern sich Richtung Umweltbiotechnologie – sei es nun in Start-ups, Think-Tanks oder gar Regierungsorganisationen. Durch diese Entwicklung im Umweltschutzbereich verändert sich der Fokus von nachsorgenden hin zu umweltschonenden Technologien. Einige etablierte Unternehmen werden also umrüsten, andere entstehen neu – und nach genau diesen solltest du suchen. Praxisbeispiel: Auch die Lebensmitteltechnologie spielt eine immer wichtigere Rolle. Der Anbau von Reis ist eine enorme CO2-Quelle, aber ohne Reis fehlt Millionen von Menschen eine Nahrungsgrundlage. Ein echter Teufelskreis.

So manches Unternehmen mag sich im Übrigen gar nicht bewusst sein, dass es auf der Suche nach einem Mathematiker ist, nicht einem Informatiker. Insbesondere im Bereich Data Science passen Statis­tiker fast besser in die Stellenbeschreibung. Insofern sollten Mathematiker  gezielt Kontakt zu den Recruiting-Abteilungen her- und sich persönlich vorstellen. So hast du auch die Chance, das Unternehmen über einen Mitarbeiter au­-thentisch kennenzulernen. Algorithmisches Denken, insbesondere die klaren Denkstrukturen und die Präzision in der Detailarbeit, zeichnen Mathematiker aus – und gleichzeitig die Arbeit mit Daten.­­­­ Klassischerweise landen Mathematiker bisher in der Kredit- und Versicherungsbranche. Wem das nicht schmeckt, der sucht also am besten nach Data Science und Co. Besonders toll ist, dass gerade bei den Mathematikern der Frauenanteil unter den Erwerbstätigen mit 37 Prozent vergleichsweise hoch ist.

Die Organisationsrolle

Insbesondere Physiker sind aufgrund ihrer Problemlösungskompetenzen und Abstraktionsfähigkeit vor allem in der IT-Branche heiß begehrt. Das zeigt sich ganz deutlich in den Zahlen: Nur ein Fünftel arbeitet klassisch als Physiker, über 75 Prozent arbeiten hauptsächlich in IT- oder Finanzberufen, Managementpositionen oder in der Lehre. Heißt: Insbesondere Physiker sowie Mathematiker sollten nicht einfach nach Stellenausschreibungen für ihr Fach suchen. Stattdessen bewusst nach Arbeitgebern aus benachbarten Sparten Ausschau halten, beziehungsweise gezielt nach Führungspositionen. Zusatzqualifikationen aus der IT, ob nun Praktika oder Programmierungsskills, heben dich von der Menge ab.

Forschung

Die Entwicklung und Forschung ist natürlich das klassische Steckenpferd für Naturwissenschaftler, daher soll sie an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben. Chemiker gehen auch nach dem Master weiterhin zu 69 Prozent in die Promotion an der gleichen Hochschule, nur 11 steigen ins Berufsleben ein. Die Promovierten gehen zu rund 36 Prozent in die chemische und pharmazeutische Industrie, zu 6 Prozent in den öffentlichen Dienst, 12 Prozent verabschieden sich ins Ausland. In der Forschung sind die Stellen heiß umkämpft, umso mehr noch die Forschungsgelder. Auf den folgenden Seiten stellen wir euch potenziell abstruse Forschungsprojekte vor, die unter anderem mit den Ig Nobel-Preisen ausgezeichnet wurden.


Nützliche Skills für NaWis

  • Teamwork-fähig sein – speziell mit anderen Fachbereichen
  • Gewissenhaftigkeit mitbringen
  • Offen sein für Anwendungsbezüge
  • untypische Kenntnisse, bspw. wirtschaftliche Branchenkenntnisse in petto haben
  • über Abstraktionsvermögen verfügen
  • ein gewisses Kommunikationstalent trainieren

Mehr rund um die Naturwissenschaft auf dieser Übersichtsseite! 


Praxisbeispiel: Green Tech Karrierechancen für Naturwissenschaftler

Man muss nicht immer den Antrieb neu erfinden, um der Umwelt und damit quasi sich selbst einen Gefallen zu tun: Beim Projekt HydraGENTM geht es nicht um entweder Diesel oder Wasserstoff, sondern eine sinnvolle Kombination der beiden: Mittels Elektrolyse wird destilliertes Wasser in H2 und O2-Gase umgewandelt. Bevor die eigentliche Verbrennung im Dieselmotor startet, werden die Gase eingeleitet (angesaugt) und so mit dem Diesel gemischt, der klassisch eingespritzt wird. Entscheidend ist natürlich das richtige Verhältnis, damit das Ergebnis homogen ist.

Sinn und Zweck des Vorgangs ist es unter anderem, dass der Kraftstoff effizienter verbraucht werden kann und die Verbrennung schneller erfolgt. Das wiederum führt zu weniger entstehender Hitze, geringeren Mengen unverbrannten Kraftstoffs, insgesamt wird weniger Diesel verbraucht und nicht zuletzt erhöht sich auch noch die Arbeitsleistung.

Der Vorteil dieser Methode: Sie ist sofort einsetzbar und seit August 2019 vom Kraftfahrt-Bundesamt genehmigt. Anstatt noch lange Zeit auf „echten“ Wasser­-stoff­antrieb warten zu müssen, kann jetzt schon mehr aus bestehenden Antrieben herausgeholt werden. Das mag nicht das optimale Endergebnis sein, aber ein guter Schritt in die richtige Richtung. Die Skalierfähigkeit ist auch gegeben.

Um dieses Projekt umzusetzen, brauchte es also Expertenkenntnisse aus der Thermodynamik, Maschinenbau, Chemie, Elektrotechnik und IT. Und vielleicht Kenntnisse des lokalen Dialekts, denn HydraGENTM is made im Schwarzwald. 
Damit ist es das perfekte Beispiel für das interdisziplinäre Zusammenspiel, dem sich Naturwissenschaftler bei ihrem Berufseinstieg gegenüber sehen.

Interessierte finden weitere Informationen auf der zugehörigen Website von Hoer&Hoer Green Tech: h2-greentech.de 

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