Technologie und Spaß – so war die FSG 2018

Als Gründungsmitglied der Formula Student Germany (FSG) hat Dr. Ludwig Vollrath bei dem jährlich stattfindenden Event bereits einiges miterlebt. 118 Teams aus 25 Nationen hatten auch 2018 wieder viel zu bieten – neben technischer Finesse auch zeigten die jungen Ingenieure, dass nicht ausschließlich der Sieg und die Karriereförderung, sondern auch die Gemeinschaft und der Spaß eine wichtige Rolle einnehmen. 

Herr Dr. Vollrath, ich erwische Sie gerade zwischen zwei Auslandstationen. Sie sind oft international unterwegs?
Ich bin in der Tat relativ viel unterwegs. Dadurch, dass ich einer der Mitgründer der Formula Student bin, fällt mir die Aufgabe zu, die externen Relations zu be­treuen. Dafür stehe ich mit ausländischen Veranstaltern in Kontakt, besuche die Events weltweit oder empfange selber Besucher aus dem Ausland. Wir hatten dieses Jahr in Hockenheim Vertreter aus Asien, Indien, den USA sowie anderen Europäischen Ländern zu Besuch – sie alle haben zusammen mit uns überlegt, wie wir die Formula Student gemeinsam weiterentwickeln können.

Die Formula Student Germany 2018 ist erfolgreich absolviert, welches Fazit ziehen Sie denn aus der diesjährigen Veranstaltung?
Ein vollständig Positives! Mit den 118 Teams aus 25 Nationen waren wir sehr breit aufgestellt. Diese hervorragenden Gruppen, die wir in Deutschland be­grüßen durften, haben uns mit Begeisterung und Herzblut tolle Lösungen präsentiert.

Es ist auf jeden Fall nicht selbstverständlich, als Student die kostbare Freizeit für ein weiteres „Uni Projekt“ aufzuwenden.
Das ist ein Punkt, der mich besonders bei der Formula Student begeistert, der Einsatz und das Engagement, welches die Studenten zeigen. Sie bauen das ganze Jahr fleißig an ihrem Fahrzeug und messen sich anschließend im Wettbewerb mit den Projektergebnissen anderer Universitäten, beziehungsweise studentischer Gruppen – das ist sehr zeitaufwändig. Der Einsatz zahlt sich aus, denn sie können zeigen, was sie drauf haben, sich aktiv mit Themen der Zukunft auseinandersetzen und dabei viel lernen.

Was haben Sie selbst davon, dieses Event zu organisieren?
Alle, die bei der Formula Student beteiligt sind, bis auf unser Sekretariat, sind ehrenamtlich vor Ort. 450 Ehrenamtliche sehen zu, dass der Wettbewerb läuft – ob beim Aufbau, Programm oder Regelwerk. Diesen Einsatz aller ehrenamtlichen Mitglieder finde ich sehr lobenswert.

Man findet die Studenten später übrigens in den verschiedensten ehrenamtlichen Po­sitionen bei uns wieder. Die Formula Student-Community ist wie eine große Familie, die über die letzten 13 Jahre entstanden ist. Sie ist sehr gut vernetzt und hält zusammen – sowohl die ehemaligen als auch die aktiven Studenten.

Was meinen Sie, wirkt sich eine Teilnahme an der Formula Student auch karrierefördernd für die Nachwuchsingenieure aus?
Unbedingt! Wenn man Rückmeldung aus der Industrie be­kommt, stellt man fest, dass sogar bei manchen Personalgesprächen die Frage aufkommt, ob man bei uns mitgemacht hat. Wenn man das bejahen kann, hat man bereits einen gewissen Vorsprung. Außerdem lernt man viele nützliche Lektionen und sammelt Erfahrungen, die später in der Industrie von Vorteil sein können. Man trainiert einerseits seine Soft Skills durch die Mitarbeit im Team und das gemeinsame Lösen von Aufgaben. Andererseits werden die Hard Skills aufpoliert, denn man setzt das, was man theoretisch in der Uni gelernt hat, direkt in die Praxis um. Damit erreicht man ein Level, welches von der Industrie natürlich sehr geschätzt wird. 

Die Formula Student fordert und fördert auch in Richtung einer beruflichen Karriere, die nicht unbedingt in der Automobilindustrie verhaftet sein muss, denn alle diese Werte, die man durch Teamarbeit lernt, sind nicht unbedingt automobilspezifisch, sondern auf viele weitere Stellen anwendbar. 

Dr. Ludwig Vollrath, Mitgründer der Formula Student Germany ist jedes Jahr mit vollem Einsatz dabei.

Gibt es eine persönliche Anekdote, die Sie miterleben durften und besonders bemerkenswert finden?
Ich kann mich noch gut erinnern, dass ein Team bei einem Finale freiwillig auf seinen Startplatz verzichtet hat. Nicht wissend ob es einen neuen bekommt! Sie überließen einem anderen Team den Platz, weil es bessere Chancen hatte, in dieser Kategorie zu siegen. Das hat mich sehr beeindruckt, die Jury genauso und so haben wir das mit dem Formula Student Sportsmanship Award ausgezeichnet. Anders als bei der Formel 1 hat man bei der Formula Student also nicht das Gefühl, dass die Messer gezogen werden – bei uns wird sogar noch das Werkzeug an Konkurrenten verliehen. 

Was fasziniert Sie persönlich an Elektromobilität und autonomen Fahren?
Dass mit beidem ein ganz entscheidender Schritt in Richtung Zukunft der Mobilität getan wird. Die Potenziale dieser Technologien sind enorm und Deutschland ist in vielen Bereichen, wie beispielsweise Sensortechnik in einer Vorreiterrolle. Der autonome Bereich der Formula Student hat sich als voller Erfolg erwiesen, da sich jetzt bereits 18 von 25 europäischen Teams dafür angemeldet haben – und das schon im zweiten Jahr! 

Gibt es drei Kernwerte, mit denen Sie die Formula Student beschreiben würden?
Wir haben einen internationalen Leitspruch – Skills, Speed and Spirit. Skills steht für die Professionalität der Umsetzung des Könnens, Speed für das Vorangehen und Herstellen eines tollen Produktes und der Spirit für die Begeisterung, etwas zu erreichen. Das ist, was die Formula Student ausmacht. 


Mehr Artikel über die Formula Student hier auf der Übersichtsseite. 

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