Als Informatiker im öffentlichen Dienst

Informatiker sind derzeit auf dem Arbeitsmarkt so gefragt, dass diese sich den Arbeitgeber häufig selber aussuchen können. Die Gehälter in der freien Wirtschaft sind oft üppig, rein aus Klischee können die öffentlichen Arbeitgeber selten mithalten. Doch stimmt das?

Es gibt einige Gründe, im Öffentlichen Dienst oder für den Staat zu arbeiten. Grund­sätzlich kann man unterscheiden, dass man im Öffentlichen Dienst etwa beispielsweise bei einer Stadtverwaltung, einem Krankenhaus, einer kirchlichen Einrichtung oder einer Sozialversicherung nach dem Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst (TVöD) bezahlt wird und als Angestellter gilt. Die andere Möglichkeit, die bei staatlichen Institutionen aber auch bei kommunalen Einrichtungen gilt, ist die Verbeamtung.

Möchte man Gehälter, die für Informatiker in der freien Wirtschaft gezahlt werden, mit den Bezügen der Angestellten und Beamten vergleichen, dann kann das etwas komplizierter werden, weil ein alleiniger Vergleich der monatlichen Brutto- oder Nettolöhne nicht zielführend ist. Man muss wirklich viele Zusammenhänge mit einbeziehen, um einen fairen Vergleich zu ermöglichen, denn die Krux liegt hier wirklich im Detail.

Das durchschnittliche Einstiegsgehalt von Informatikern in der freien Wirtschaft liegt derzeit etwa bei 45.000 bis 60.000 Euro brutto, was dann für Ledige ohne Kinder einem Nettogehalt von zirka 2.225 Euro bis 2.900 Euro entspricht. Wie sieht das im Öffentlichen Dienst oder als Beamter aus?

Eine aktuelle Stelle bei der jüngst gegründeten Zentralen Stelle für Informationssysteme (ZITiS) hat permanent offene Stellen für Informatiker ausgeschrieben. Ein Application-Support-Engineer wird beispielsweise in die Gehaltsstufe TVöD-Bund E 9a / A9 eingeordnet, was brutto in der ersten Stufe 2.995 Euro entspricht – das Maximum liegt bei der Stufe 6 und damit 3.923 Euro brutto. Voraussetzung sind ein Bachelor- oder Fachhochschulabschluss. Ein Post-Doc im Thema Cyber-Sicherheit liegt bereits im TVöD-Bund E 14 / A14, was sehr guten 4.402 Euro monatlich im ersten Jahr entspricht und  6.356 Euro in Stufe 6! Wie das System mit den Stufen funktioniert, erklärt der Bund-Verlag hier. Im Wesentlichen solltest du wissen, dass man ohne Berufserfahrung in Stufe 1 landet, nach 1 Jahr in Stufe 2, nach 2 Jahren in Stufe 3 und so weiter. Es dauert also schon etwas, bis die Stufe 6 erreicht wird.

Beamte be­kommen netto mehr als Angestellte pro Monat ausgezahlt, was daran liegt, dass sie nicht in die gesetzliche Krankenversicherung, die Rentenversicherung oder auch die Ar­beitslosenversicherung einzahlen müssen. Ihnen werden lediglich die Lohnsteuer und der Solidaritätszuschlag abgezogen. Beamte sind zudem über den Ar­beitgeber immer privat krankenversichert.

Es gibt sicherlich auch Stellen im öffentlichen Dienst für Informatiker, die in niedrigeren Gehaltsstufen angeboten werden. Aber nehmen wir realistischerweise an, dass es fast jedem Informatiker, der seinen Job gut macht, durchaus offen steht, mit genügender Qualifikation im Laufe des Berufslebens eine höhere Gehaltsstufe zu erreichen. Pauschal gilt folgende Grundregel: Der höhere Dienst, für den man in der Regel ein Bachelorstudium absolviert haben muss, umfasst für Informatiker die Entgeltstufen E 10 (A 10) bis E 13 (A 13). Für den gehobenen Dienst muss man den Masterabschluss oder einen Doktortitel nachweisen und wird dann nach E 13 (A 13) bis E 15 (A16) entlohnt. 

Zudem wollen die öffentlichen Arbeitgeber wettbewerbsfähiger werden und lassen sich Sonderzahlungen einfallen. Das Landesamt für Sicherheit Bayern beispielsweise gewährt bei einer Erstverbeamtung in der 3. Qualifikationsebene, Fachlaufbahn Naturwissenschaft und Technik, einen Zuschlag in Höhe von 400 Euro brutto monatlich bei Vorliegen der persönlichen Voraussetzungen (Art. 60a BayBesG) für bis zu fünf Jahre. Das rechnet sich langfristig! 

Bisher wurden hier nur die Einstiegsgehälter genannt. Man muss aber wissen, dass man im öffentlichen Dienst oder als Beamter mit längerer Verweildauer automatisch mehr verdient. Das liegt an diesen sogenannten Erfahrungsstufen – es gibt aber auch noch weitere Vorteile öffentlicher Ar­beitgeber oder des Staates, die man sich genau anschauen sollte.

Gewerkschaften: Die streitbare Gewerkschaft ver.di handelt in regelmäßigen Ab­ständen für den öffentlichen Dienst neue Tarifverträge aus. Dadurch ist zumindest ein Inflationsausgleich gesichert. Das können bei Weitem nicht alle Berufsstände von sich behaupten.

Essen: Eine (subventionierte) Mahlzeit in den Betrieben des öffentlichen Dienstes kostet durchschnittlich etwa 3,50 Euro. Das Ganze mal 5 Tage mal 4 Wochen mal 10,5 Monate bedeutet 840 Euro pro Jahr. Wer weniger für seine Mittagspause zahlt, ist sehr gut organisiert.

Urlaub: Grundsätzlich 30 Tage pro Jahr.

Weihnachtsgeld: wird jährlich gezahlt und entspricht je nach Arbeitgeber zwischen 50 bis 80 Prozent des mo­natlichen Gehaltes. Bei 2.500 Euro netto sind das im besten Fall rechnerisch etwa 2.000 Euro pro Jahr. Je nach Steuerprogression und Steuerklasse kann das auch weniger sein.

Altersvorsorge: Die Landeshauptstadt München zahlt beispielsweise 7,75 Prozent des Bruttogehalts in eine betriebliche Altersvorsorge ein. Diese Beträge sind übrigens nicht im Gesamtbrutto un­serer Beispiele enthalten und müssen noch hinzugerechnet werden. Bei durchgehender Erwerbstätigkeit können das für einen Mitarbeiter der Gehaltsstufe E10 bis zu 864 Euro (brutto, abzüglich Kranken + Pflegeversicherung und Steuer) zusätzlicher Rente im Monat sein. Durch Rente + Zusatzrente können derzeit Mitarbeiter dann auf circa 75 Prozent des letzten Nettogehaltes an Rente kommen. Viele Arbeitnehmer in Deutschland bekommen keine Betriebsrente und selbst wenn, dann häufig nicht in der genannten Höhe. Arbeitnehmer, die keine Betriebsrente bekommen, können im Alter mit höchstens 43 Prozent des letzten Gehaltes an Rente rechnen, wenn sie 45 Jahre lang in die Rentenkasse eingezahlt haben.

Sicherheit: Der öffentliche Dienst besteht aus sehr sicheren Ar­beitgebern, denn Arbeitslosigkeit ist nicht zu er­warten. Wer 15 Jahre im öffentlichen Dienst gearbeitet hat und über 40 Jahre alt ist, ist in der Regel unkündbar.

Kindergarten: Häufig ist es leichter, einen Kindergartenplatz zu bekommen, wenn man im öffentlichen Dienst arbeitet, da dieser selber viele Kindergärten betreibt. Die Kosten dafür sind auch oft geringer als bei privaten Kindergärten.

Öffentlicher Personennahverkehr: Die Arbeitgeber der Öffentlichen Hand übernehmen meist die Kosten für eine Mo­natskarte im ÖPNV.

Flexible Arbeitszeiten: Der öffentliche Dienst bietet viele unterschiedliche Teilzeitmodelle an. Bei der Landeshauptstadt München gibt es beispielsweise tatsächlich fünftausend (!) unterschiedliche Teilzeitmodelle.

Und dann gibt es noch eine wichtige Betrachtung, die jeder für sich selber entscheiden sollte. Die Arbeit für die Öffentliche Hand ist in der Regel sehr sinnstiftend, denn es handelt sich um Dienst für das Allgemeinwohl. Wenn diese auch noch gut bezahlt wird, dann ist das vielleicht für einige Informatiker eine wirklich überlegenswerte Alternative für die Be­rufswahl. 

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