Warum Physiker in der IT-Beratung gefragt sind?

Im Jahr 2019 belegten in Deutschland knapp 44.000 Studenten das Fach Physik[1]. Möchten die Absolventen in die Wirtschaft einsteigen, gibt es ein Berufsfeld, das zumeist unterschätzt wird: Physiker in der IT, speziell im Umfeld SAP-basierter Systeme beziehungsweise SAP-Systemlandschaften.

Die Abkürzung SAP steht für Systeme Anwendungen und Produkte in der Datenverarbeitung. Dahinter verbirgt sich die SAP SE, einer der weltgrößten Anbieter von Unternehmensanwendungen. 1972 in Walldorf, Deutschland, mit einem Kunden und einer Handvoll Mitarbeitern gegründet, arbeiten heute über 100.000 Mitarbeitern aus mehr als 140 Ländern für SAP. Rund 440.000 Kunden aus Unternehmen unterschiedlichster Größe und Branchen nutzen die Softwarelösungen. 

Fähigkeiten erkennen – Berufschancen nutzen

Im Laufe des Physikstudiums lernen Studierende komplexe Themen und Aufgabenstellungen analytisch zu erfassen und zu lösen. Bestes Beispiel ist die formale Sprache der Mathematik, die ihnen ermöglicht, Prozesse extrem präzise zu beschreiben und strukturiert nach Lösungen zu suchen. Mit diesen Fähigkeiten, kombiniert mit Interesse an den Bereichen Kundenanalyse, Konzepterstellung, Softwaredesign und -entwicklung, verfügen die NaWi-Absolventen über ideale Voraussetzungen, um in der Entwicklung rund um SAP-Softwarelösungen erfolgreich zu sein. Dies macht insbesondere auch Physiker/innen im IT- beziehungsweise SAP-Umfeld zu gesuchten Köpfen.

Der (Quer-)Einstieg als NaWi in die IT-Beratung

In der Wirtschaft ist der Einstieg als SAP-Entwickler zum Beispiel in einer IT-Beratung sowohl nach dem Bachelor- als auch dem Masterstudium möglich. Physiker/innen, die in der Wirtschaft arbeiten, können ein Gehalt deutlich über dem Durchschnitt erwarten. Bleiben sie in der Forschung oder Lehre, ist dies mit einem eher durchschnittlichen Einkommen verbunden, das sich an dem Tarifvertrag der Länder orientiert. Meist münden diese in befristete Verträge und lassen somit eine längerfristige Karriereplanung nicht zu. Daher zieht es Absolventen nach dem Abschluss stärker in die Wirtschaft. Von der Physik in die IT-Beratung ist es übrigens nur ein „Quereinstieg-Light“, da sie schon viele nützliche und gesuchte Eigenschaften aus dem Studium mitbringen. Entsprechend starten Physiker/innen in der Regel mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag und einer guten Karriereperspektive. Historisch gesehen mussten früher sogenannte „Quereinsteiger“ ihr jahrelang aufgebautes und erlerntes Wissen zum Beispiel nach einer Umschulung zurücklassen und komplett die Reset-Taste drücken. Heutzutage wird eine geradlinige Karriere in der dynamischen Arbeitswelt immer seltener: Viele Absolventen engagieren und etablieren sich zurecht in Branchen, Aufgaben und Berufen, die mit ihrem ursprünglichen Studium wenig zu tun haben. Daher baut der Einstieg auf den bereits erlernten Fähigkeiten und Kenntnissen der Absolventen auf.

So gelingt der Quereinstieg in die IT-Beratung

Um als Entwickler/in glücklich zu werden, sind Interesse und erste Erfahrungen an Modellierung, Datenbankkenntnisse und ein Verständnis von Programmiersprachen gute Startvoraussetzungen. Neben dem fachlichen Know-how sollten die Studierenden selbstverständlich auch Dienstleistungsorientierung und sehr gute Kommunikationsfähigkeiten mitbringen sowie eine gewisse Flexibilität, Belastbarkeit und vor allem die Fähigkeit, sich schnell auf neue Aufgaben und Teams einzustellen. Das spezifische Wissen zum Beispiel rund um die SAP-Programmiersprache ABAP lässt sich über Training-on-the-Job und eine integrierte Zertifizierung über SAP selbst erwerben. Haben IT- und SAP-Beratungen das Potential von Physikern erkannt, bieten sie Absolventen dieser Fachrichtung individuelle Einarbeitungsmöglichkeiten an, die auf den Fähigkeiten des Einsteigers aufbauen und entwickeln diese zielgerichtet weiter. Hier lohnt es sich, in Vorstellungsgesprächen oder mit einem gezielten Anruf vor der Bewerbung genauer nachzufragen. 

Optimale Einarbeitung für den Quereinstieg

Bei der Einarbeitung wird idealerweise die Eigenständigkeit gefördert und der Wissenstransfer -steht im Vordergrund. Grundvoraussetzung für den „Quereinstieg-Light“ ist, Neuem gegenüber aufgeschlossen zu sein. Für den Einstieg als SAP-Entwickler/in eignen sich Unternehmen mit Teamzusammensetzungen aus Mitarbeitern mit dem unterschiedlichsten Background. Die Berufsstarter profitiert somit von einem breit gefächerten und zugleich fachspezifischen Know-how. Beim Berufseinstieg als SAP-Entwicklernehmen Einsteiger im idealen Fall beim SAP-Konzern und anderen Institutionen an Trainingskursen teil, in denen bestimmte Module der SAP-Software standardisiert gelehrt werden. Aus der konkreten Projektarbeit heraus bauen die Quereinsteiger kontinuierlich Praxiswissen auf. Die Einarbeitungsphase wird in der Dauer flexibel angepasst und basiert auf der Entwicklung des jeweiligen Kollegen. Der individuell auf die Vorkenntnisse des/r Absolventen/in abgestimmte Einarbeitungsprozess hilft dabei, schnell den eigenen Platz im Team zu finden. Unterstützung in der Einarbeitungsphase erfahren Berufsstarter in guten Unternehmen durch einen Mentor, der/die Ansprechpartner/in für alle Fragen ist und zusätzlich dafür sorgt, dass die Mentees die Soft- und Technical-Skills optimal miteinander verknüpfen. Durch seine/ihre Expertise gelingt es Neueinsteigern, Sicherheit in ihrem Tätigkeitsfeld zu erlangen, mehr Verantwortung zu übernehmen und schnell beratungsfähig zu werden. Die Aufgabenbereiche lassen sich sukzessive erweitern und nach den eigenen Stärken gestalten. Neben einem ständigen Feedback-Prozess sollte die Entwicklung des/der Kollegen/in formalisiert in einem jährlichen Mitarbeitergespräch reflektiert werden, um wichtige Weichen für die Zukunft zu stellen.

Man muss also nicht zwangsläufig Informatik studiert haben, um seinen Platz in der IT-Branche zu finden. Wer die Bereitschaft mitbringt, sich in SAP sowie spezifisches Branchenwissen einzuarbeiten und zusätzlich für diesen Beruf die nötigen Soft- und Technical-Skills mitbringt, sollte den Start unbedingt wagen.


Über die Autoren

Sarah Lenger, Personalreferentin bei der innobis AG
Sarah Lenger ist Personalreferentin der innobis AG und für eine breite Palette an Themenfeldern in der Personalarbeit verantwortlich. Neben der Gestaltung von Karrierewegen liegt der Fokus auch auf dem Onboarding von neuen Kollegen sowie Training-on-the-Job. Sie studierte International Business mit Schwerpunkt Human Resources.

Irmi Weber, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der innobis AG
Irmi Weber studierte Journalismus und PR. Neben ihrer Tätigkeit als freie Journalistin ist sie seit 2016 für die innobis AG im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit tätig. Zusätzlich zu den IT-Fachthemen betreut sie schwerpunktmäßig die Veröffentlichungen im Karriere- und Social Media-Umfeld der SAP-Beratung.

Über die innobis AG
Die innobis AG ist seit 30 Jahren IT- und SAP-Dienstleister für Banken und andere Finanzdienstleister. Das Serviceportfolio reicht von der Beratung über die Softwareentwicklung bis hin zum Application Management. innobis verantwortet dabei den gesamten Prozess unter Berücksichtigung aller bankfachlichen, organisatorischen, rechtlichen und regulatorischen Vorgaben. Das Unternehmen beherrscht Branchenlösungen wie ABAKUS oder MARK. Zu den Kunden zählen unter anderem die Bankenkooperation, DSK Hyp AG, DZ HYP, Hamburgische Investitions- und Förderbank (IFB Hamburg), Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH) und Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen (WIBank). Weitere Informationen unter www.innobis.de.


[1]Quelle: https://www.destatis.de – Studierende an Hochschulen – Fachserie 11 Reihe 4.1 – Wintersemester 2018/2019


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