Das AgiloBatt des KIT

AgiloBatt des KIT

Bild: wbk Institut für Produktionstechnik/KIT

Forschungscluster gibt es immer mehr und bisweilen fällt es schwer, sie voneinander abzugrenzen. Daher stellen Janna Hofmann, Oberingenieurin am wbk Institut für Produktionstechnik des KIT und Prof. Jürgen Fleischer, Institutsleiter Maschinen, Anlagen und Prozessautomatisierung das AgiloBatt des KIT an dieser Stelle etwas genauer vor.

Welche Forschungsschwerpunkte werden bei AgiloBat gesetzt?
In AgiloBat verknüpfen wir die Kompetenzen im Bereich der Produktions- und Prozesstechnik mit den Kompetenzen im Bereich Produktentwicklung. Wir bauen dabei ein einzigartiges neues Produktionssystem zur stückzahlflexiblen Produktion von format- und materialflexiblen Batteriezellen auf. Parallel dazu erarbeiten wir eine Methode mit der es möglich ist, die Produktentwicklung einer solchen Batteriezelle individuell an die Kundenwünsche anzupassen und diese dann im entwickelten Produktionssystem auch fertigen zu können.

Janna Hofmann, M.Sc.
Oberingenieurin Elektromobilität
Bereich: Maschinen, Anlagen und Prozessautomatisierung
© wbk Institut für Produktionstechnik/KIT

Was unterscheidet das AgiloBat von anderen Clustern wie beispielsweise dem BayBatt in Bayreuth?
Der Ansatz von AgiloBat ist einzigartig. Wir bauen für AgiloBat ein wandlungsfähiges und skalierbares Produktionssystem für formatflexible Batteriezellen auf. Damit befähigen wir Produktionssysteme erstmals auch bei kleinen und mittleren Stückzahlern und gleichzeitig hohen Variantenzahlen wirtschaftlich zu fertigen. Das ist die Abgrenzung zu heutigen Produktionsanlagen, die immer nur auf eine Zielstückzahl und wenige Varianten ausgelegt sind. BayBatt legt den Fokus auf die interdisziplinäre Forschung und Entwicklung von Batteriespeichern an den Schnittstellen von Materialwissenschaft, Elektrochemie, Ingenieurwissenschaft, Informationstechnologie und Ökonomie.

Wie steht es um die Sinnhaftigkeit der Forschung, auch unter Nachhaltigkeitsaspekten?
Diesen Aspekt betrachten wir ganz intensiv in AgiloBat. Zum einen wollen wir unser Produktionssystem materialflexibel ausgestalten – das bedeutet, dass auch neuere nachhaltigere Materialien (Stichwort kobaltfrei oder gar Post-Lithium) durch nur kleine Anpassungen im AgiloBat Produktionssystem gefertigt werden können. Darüber hinaus arbeitet das AgiloBat Produktionssystem nicht in starren Ketten, sondern in kleinen, modularen Produktionsmaschinen, die jeweils ein eigenes, kleines Microenvironment besitzen. Es müssen also keine großen Trockenräume vorgehalten werden, die viel Energie verbrauchen, sondern kann mit kleinen, individuellen Umgebungen arbeiten.

Bisher ist die Batterieforschung super interdisziplinär zusammengesetzt. Wird es zukünftig neue Masterstudiengänge geben, die schließlich das wichtigste Know-how in einer Person vereinen?
Es ist wichtig, dass wir in den Teildisziplinen weiterhin Spezialisten ausbilden. Den Studierenden sollte es aber möglich sein, Seminare in allen Fachdisziplinen zu besuchen. Im Rahmen von CELEST haben wir eine Graduiertenschule eröffnet, die es Doktoranden ermöglicht eine breite fachliche Weiterbildung in allen Disziplinen der Energiespeicherforschung zu erhalten.

Was müssen Hochschulabsolventen an Soft Skills mitbringen, um in der Batterieforschung erfolgreich zu sein?
Alle, die sie auch benötigen, um in anderen Forschungsbereichen erfolgreich zu sein. Man muss neugierig sein und bereit, auch mal über den Tellerrand hinaus zu schauen.

Prof. Dr.-Ing. Jürgen Fleischer
Institutsleiter Maschinen, Anlagen und Prozessautomatisierung
© wbk Institut für Produktionstechnik/KIT

Wie schätzen Sie den Standort Deutschland hinsichtlich der „Wahl“ zwischen China und den USA ein?
Deutschland ist und bleibt ein Hochtechnologiestandort. Hier werden die Hoch-Präzisionsmaschinen seit Jahrhunderten gebaut. Dennoch ist der internationale Austausch in allen Fachbereichen der Batterieforschung absolut notwendig.

Folgendes Szenario: Ich stehe kurz vor dem Master und Batterieforschung könnte genau mein Ding sein. Orientiere ich mich derzeit besser in die wissenschaftliche Forschung oder die freie Wirtschaft?
Diese Entscheidung muss jeder für sich treffen, es gibt in beiden Bereichen verschiedene Herausforderungen – hier helfen Karrieremessen und online Portale oder auch das Gespräch mit dem Professor zur persönlichen Standortentwicklung. Am wbk ist uns grundsätzlich der Austausch mit der Wirtschaft wichtig. 

Wie viel verdient man in der Branche?
In der Forschung im Bereich Produktionstechnik startet man mit einem Gehalt von TVL-E-13, wenn man einen Masterabschluss hat.


Zum Karrierenetzwerk Batterieforschung geht es hier!

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