IT für Banken: Das Geschäft mit dem Risiko

In Deutschland gibt es mehr Banken, als man denkt – und keine kann ohne IT arbeiten: Von der Automobilbank über Sparkassen und Volksbanken, Bausparkassen, Landesbanken und schließlich noch die Großbanken. Sie alle verlassen sich auf IT. Dr. Tom Gelhausen, Abteilungsleiter Produktentwicklung bei msgGillardon, erläutert die Rolle von IT-Experten in der Bankenwelt.

Innovationsdruck im Finanzsektor

Spezialisierte Dienstleister wie msgGillardon, ein Mitglied der msg-Gruppe, bieten diesen Banken verschiedene Beratungsleistungen und Softwareprodukte an. Das reicht von der Software zur Risikomessung über Kalkulationssoftware, mit der Kundenberater der Bank zum Beispiel Baukredite berechnen, bis hin zum Business Consulting – etwa zur Umsetzung neuer Richtlinien der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und der Europäischen Zentralbank (EZB). Diese Richtlinien, die letztlich der Einlagensicherung von Millionen Bankkunden dienen, stellen die Banken immer wieder vor neue Herausforderungen, die in den Prozessen und Applikationen der Bank abgebildet werden müssen. Hiermit leisten die Mitarbeiter der msgGillardon ihren Beitrag dazu, dass Banking in Deutschland stabil und zukunftssicher ist und bleibt: Die Software von msgGillardon unterstützt ihre Kunden beispielsweise bei der Messung und Steuerung der Risiken einer Bilanzsumme von insgesamt über 1 Billion Euro pro Jahr. Hierzu gehören neben dem klassischen Kreditausfallrisiko auch Zinsänderungsrisiken und Fremdwährungs­­risiken.

Neben den strengen Anforderungen der BaFin stehen Banken zunehmend unter Innovationsdruck durch neue Geschäftsmodelle. Das prominenteste Beispiel ist derzeit der Handel mit Kryptowährungen, der von Start-ups auf der ganzen Welt vorangetrieben wird. Selbst die konservativsten Bankfachleute merken den wachsenden Bedarf nach neuen Produkten. Erfolgsgeschichten sind etwa PayPal und andere Bezahldienstleister oder auch Kreditkartenanbieter, die selbst gar keine Banken im eigentlichen Sinne sind, sondern Produkte anderer Banken per Whitelabeling vertreiben. Diese neuen Player befeuern die Erwartungshaltung von Kunden, die sich vermehrt mobile Bezahldienste und schick designte Apps zur Kontoführung wünschen.

Auf der anderen Seite arbeiten tief im inneren der Bank sicherheitskritische Sys­teme, die sich durch höchste Zuverlässigkeit in einem komplexen Regulatorik­-umfeld auszeichnen. Auf Seiten der Bank führt der Spagat zwischen diesen behutsam evolvierten Backend-Systemen und sich schnell weiterentwickelnden Apps für den Endkunden zu der „IT der zwei Geschwindigkeiten“. Gerade in diesem Spannungsfeld ergeben sich für die Ex­perten von msgGillardon immer wieder spannende Aufgaben bei der Entwicklung neuer Lösungen.

Wie arbeitet ein Entwickler in der Banking-Branche?

Die besonderen Anforderungen der Branche – unbedingte Sicherheit und Stabilität in einem komplexen, stark regulierten Umfeld – führen zu einem sorgfältig ge­planten und  gesteuerten Rollout-Prozess für neue Softwareversionen. Gleichzeitig wird die Software Best-Practice-gemäß in kleinen Teams agil entwickelt. Daher setzt die Produktentwicklung auf eine spezielle Version der agilen Entwicklungsmethode, das Scaled Agile Framework SAFE. Es ermöglicht die Arbeit in crossfunktionalen Scrum-Teams aus Entwicklern, Mathematikern und Bankfachleuten und gleichzeitig eine koordinierte Weiterentwicklung des gesamten Produktportfolios mit periodischen Stabilisierungsphasen, um­fangreichen Integrations- und Performancetests. Damit kann das umfangreiche Produktportfolio alle drei Monate releast und die Experten trotzdem den Bedürfnissen aller Kunden gerecht werden.

Eine weitere Herausforderung liegt in der Komplexität der Materie: In der normalen Scrum-Methodik legt ein Product Owner die User Story (also das, was getan werden soll) zu Beginn grob fest – diese wird dann im Sprint verfeinert und sukzessive implementiert. Bei msgGillardon erfordert ein neues Feature im Produktportfolio jedoch durch die Komplexität der Materie mitunter eine sehr sorgfältige Konzeption, umsichtige Integration und aufwändige Definition der erwarteten Rechenergebnisse (Specification by Example). Ein anschauliches Beispiel ist die Unterstützung für negative Zinsen: Bis vor kurzem gab es keine Zinsen im negativen Bereich – also wurden die IT-Systeme auch nicht darauf ausgelegt, Negativ­-zinsen abzubilden oder in Berechnungen mit einzubeziehen. Nun existieren sie. Bei msgGillardon hieß das, die vorhandenen Module und Berechnungsmethoden aller Produkte zu prüfen und einen sinnvollen Um­gang mit negativen Werten zu definieren. Eine solche Aufgabe, die mitunter auch viel „Hirnschmalz“ und zahlreiche Fachgespräche für die Anpassung eines einzigen Berechnungsverfahrens be­nö­tigt, sprengt schnell das Korsett eines normalen Sprints. Das Team muss somit ständig einen Kompromiss zwischen im Scrum üb­lichen kurzen Iterationszyklen und tiefgehender Konzeption und Planung finden.

Banken arbeiten mit großen Datenbeständen – alleine eine mittelgroße Sparkasse zählt Millionen von Konten. Wenn ein neues Softwarerelease ansteht, müssen diese gigantischen Bestände migriert werden. Am Freitagabend schließt die Bank, montagmorgens soll das neue Release einsatzbereit sein – die Datenmigration muss also am Wochenende vollständig durchlaufen. Und sollte es wegen Problemen zu einem Rollback kommen, muss auch dafür Zeit eingeplant werden. Um einen möglichst leichten Ablauf vorzubereiten, fährt unser Team daher bei jedem Release einen umfangreichen Migrationstest. Doch die Entwickler können aufgrund von Datenschutz und Bankgeheimnis ihr Release nicht mit den Originaldaten der Banken testen. Also legen sie selbst Testdatenbestände an, die im Terabyte-Bereich liegen und ein paar Milliarden Tabellenzeilen umfassen können.

Besonderheiten: Klassische Datenbanken und zum Teil auch noch Großrechner!

Selbst mit diesen umfangreichen Tests können bei der tatsächlichen Datenmigration unvorhergesehene Situationen auftreten. Daher arbeiten die Experten stets zuerst mit einzelnen Pilotkunden, dann in weiteren Wellen mit kleinen Kundengruppen und erst wenn alles gut gegangen ist, wird das Release für alle Kunden ausgerollt. Die Größe der Datenbestände ist nicht die einzige Besonderheit der Bank – auch die technische Ausstattung ist eine sehr konservative Welt mit klassischen relationalen Datenbanken. Hier regieren Oracle und DB2. Daher kommt es in der Arbeit auf klassisches Datenbank-Know-how an.

In Landesbanken beispielsweise ist ein Großrechner auf COBOL-Basis zwar nicht mehr die Norm, aber auch keine allzu große Ausnahme. So arbeiten manche Banken nach wie vor mit Host-Systemen, die in ihrer Zuverlässigkeit zwar ungeschlagen bleiben, in ihrer Performance jedoch nicht mehr State of the Art sind – und hinter den Rechenleistungen der Testsysteme der Softwareentwicklung zu­rückbleiben. Bei der Produktentwicklung müssen derartige Randbedingungen stets berücksichtigt werden. Selbstverständlich denken aber auch Banken über die Evolution ihrer Systemlandschaft nach – eine Aufgabe, bei der die Experten der msgGillardon sie natürlich gerne unterstützen.

Die Banking-Branche der msg-Gruppe unterscheidet zwischen dem Projekte- und dem Produkte-Bereich. Im Projekte-Bereich sind Business- und IT-Consultants tätig, die Banken aller Größen in ganz Deutschland vor Ort beraten oder komplexe Individualentwicklungen beim Kunden oder im Haus durchführen. Im Produkte-Bereich arbeiten die erwähnten cross­funktionalen Scrum-Teams aus Entwicklern und Bankfachleuten, Product Owner, Scrum Master und DevOps-Experten.

Wichtig ist, dass Bewerber und Berufs­einsteiger für die msgGillardon ein gutes Abstraktionsvermögen, eine schnelle Auffassungsgabe und Interesse an Themen rund um die Branche Banking haben. Das kann auf Mathematiker ebenso zutreffen wie auf Physiker oder Informatiker. Wer im Studium bereits mit Java und Datenbanken gearbeitet hat, wird es im Job leichter haben; eine belegbare Programmiererfahrung zum Beispiel durch Nebenjobs ist ebenfalls von Vorteil. Das Agile Framework dagegen, das bei msgGillardon zum Einsatz kommt, ist keine „Rocket Science“ – das lernen die Berufseinsteiger in wenigen Tagen „on the job“. Denn: Absolventen von Anfang an Aufgaben zu geben, in denen sie produktiv sein können – sie richtig an Bord nehmen zu können – ist der msg-Gruppe wichtig.


msgGillardon stellt neben Informatikern auch Absolventen anderer MINT-Fächer, Wirtschaftsingenieure, BWLer oder auch Bewerber mit einer klassischen Bankausbildung und technischer Affinität ein. Das Asset der Experten ist die Fachkompetenz, dass sie den Kunden also nicht nur verstehen, sondern auch wirksam beraten können. Ein reiner Informatiker in den crossfunktionalen Teams kann es sozusagen gar nicht vermeiden, mitzubekommen, worum es in der Bankenbranche fachlich geht. Er oder sie kann nach ein paar Jahren genauso gut selbst Dinge spezifizieren, die normalerweise ein Bankfachler oder ein Mathematiker machen würde. Diese Entwicklung wird mit Weiterbildungsmöglichkeiten in den sogenannten „Würzburger Seminaren“ unterstützt. Die enge Zusammenarbeit der verschiedenen Fachrichtungen untereinander fördert nicht nur einen abwechs­- lungsreichen Arbeitsalltag und einen guten Zusammenhalt der Mannschaft. Die daraus resultierende hohe Sachkompetenz auf allen Ebenen wird auch von Kunden sehr geschätzt.

Die msg-Gruppe bietet Bewerbern Praktika, Werkstudententätigkeiten, ein Einstiegsprogramm (Professional Start), einen Direkteinstieg sowie seit diesem Jahr ein duales Studium für Schulabgänger an. Gesucht werden Kolleginnen und Kollegen, die extrem präzise arbeiten können, aber auch den Design-to-Cost-Ansatz beherrschen. Sowohl Organisationstalente als auch Improvisationsgenies können ihren Platz in der msg-Gruppe finden. Mehr auf der Website von msg!

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