„Man wächst in seine Aufgabe hinein“

Die Mischung aus IT-Aufgaben und direktem Kundenkontakt ist das, was Jan Endress an seiner Tätigkeit als Junior Consultant bei Kaufland Informationssysteme besonders spannend findet. Dabei stieg er vergleichsweise „quer“ ins IT-Consulting ein – und beeinflusst mit seiner Arbeit mittlerweile ausschlaggebende Unternehmensentscheidungen.

Herr Endress, Sie haben sich vom Bankkaufmann zum SAP-Junior Consultant gewandelt – was hat Sie zu diesem Karriereschritt motiviert?
Während meiner Ausbildung zum Bankkaufmann stellte ich fest, dass das Tätigkeitsgebiet des typischen Bankkaufmannes nicht zu mir passte. Glücklicherweise wurde kurz vor Ausbildungsende eine Stelle in der IT-Abteilung meiner Bank frei. Es wurde ein Mitarbeiter im Vertrieb für die Betreuung von Banking-Software gesucht. Ich bewarb mich und wur­de eingestellt. Aufgrund mei­­ner technischen Affinität übertrug man mir bereits in der Einarbeitungsphase verschiedene IT-technische Aufgaben.

In den kommenden zwei Jahren fand ich Gefallen an den abwechslungsreichen Auf­gabengebieten eines IT-lers gepaart mit direktem Kundenkontakt. Bei einer Messe kam ich mit einem dualen Wirtschaftsinformatikstudenten von Kaufland, heute ein Freund von mir, ins Ge­spräch. Mein Interesse wurde geweckt und ich bewarb mich sofort, nachdem ich mich über das duale Studium informiert hatte.

Was hat Sie daran gereizt, mit Kaufland als Ausbildungsunternehmen im dualen Studium speziell ein Handelsunternehmen auszuwählen?
Zum einen fand ich durch mein Gespräch auf der Messe Kaufland als Arbeitgeber sehr attraktiv. Zum anderen ge­hört die Schwarz-Unternehmensgruppe, zu der neben Kaufland auch Lidl und di­verse weitere Firmen gehören, zu einem der größten Arbeitgeber im Wirtschaftsraum Heilbronn. Bei meinem Bewerbungsgespräch bei Kaufland fühlte ich mich von Anfang an wohl und lernte dort auch meinen heutigen Chef, ebenfalls ursprünglich Bankkaufmann, kennen und wir verstanden uns sofort. Spätestens da hatte ich meine Entscheidung für Kaufland gefällt.

Stichwort „Vorurteile gegenüber dem Handel“: Woran – glauben Sie – liegt das nicht so positive Image der Branche und mit welchen Argumenten begegnen Sie dieser Haltung?
Speziell der Lebensmitteleinzelhandel ist keine sehr prestigeträchtige Branche. Im Vergleich zu der Automobilbranche verkauft Kaufland viele verschiedene Produkte von unterschiedlichen Herstellern und besitzt daher nicht ein Vorzeigeprodukt, wie beispielsweise einen Audi R8. Ein Kommilitone von mir sagte einmal: „Im Handel kauft man doch nur Artikel ein und verkauft diese teurer weiter.“ Vor meinem Studium dachte ich ähnlich. Blickt man jedoch hinter die Kulissen, wird klar, wie viele Menschen und welche Aufwände schon allein hinter einem aufgefüllten Regal stecken. Der Lebensmittelhandel ist unglaublich vielfältig und dynamisch. Kein Tag ist wie jeder andere. Und das macht es so spannend und attraktiv für mich.

Wie sieht der normale Arbeitstag eines Junior Consultants im IT-Bereich bei Kaufland Informationssysteme aus?
Der „normale“ Arbeitstag beginnt bei mir morgens mit einem Check der SAP-Systeme unseres Bereiches. Anschließend tauschen wir uns bei einer kurzen Abteilungsbesprechung über etwaige Vorkommnisse in der Bereitschaft aus. Aktuell sind dies vor allem anstehende Projekte sowie Anfragen unserer Kollegen beziehungsweise Kunden aus den Fleisch­werken von Kaufland. Danach stehe ich meistens direkt mit unserem Kunden in Kontakt und berate ihn bei der Umsetzung von Anforderungen innerhalb der SAP-Umgebung. Sind diese mit den Bord­­mitteln nicht abbildbar, beginnt eine gemeinsame Konzeption der Lösung. Die­ses Konzept wird im Anschluss von uns technisch aufbereitet und mit dem Bau eines Prototyps begonnen. Bei Be­darf binden wir unsere Entwicklungsabteilung ein und erstellen gemeinsam mit den Kollegen Programmerweiterungen oder neue Anwendungen.

Beim nächsten Stichwort, „Business Con­sulting“, fallen unseren Lesern viele Themen wie Strategieberatung und Business Intelligence ein. Für Kaufland bezieht sich Ihre Beratertätigkeit auf die Aspekte Vertrieb, Materialwirtschaft und Qualitätsmanagement. In­wiefern unterscheidet sich Ihre Tätigkeit davon?
Die Daten in den von mir betreuten Prozessen werden in unser Datawarehouse übermittelt und dienen den Fachbereichen als Grundlage von unternehmerischen Entscheidungen. Die hinterlegten Vertriebsdaten werden beispielsweise für Sortimentsentscheidungen verwendet und haben zudem Auswirkungen auf die Beschaffungsprognosen der Kollegen aus dem Einkauf.

Man benötigt keine ausschweifende Phan­tasie, um sich vorzustellen, dass ein Junior Consultant im IT-Bereich ei­nes Handelsunternehmens eine respektable Menge an Verantwortung übernimmt. Wie gehen Sie mit dieser um?
Meine Kollegen und ich designen täglich Prozesse und Programme, die anschlie­ßend von ganzen Abteilungen im Tagesgeschäft verwendet werden. Fehler oder unkomfortable Lösungen haben teilweise konzernweite Auswirkungen.Können beispielsweise durch einen Programmfehler keine Rohstoffe am Waren­eingang vereinnahmt werden, steht die Produktion unserer Eigenmarke „Purland“ still. Im schlimmsten Fall wären wir innerhalb kürzester Zeit nicht mehr in der Lage, unsere Filialen zu beliefern und die Regale wären am nächsten Morgen leer. Durch eine enge Zusammenarbeit mit mei­nen Kollegen und ständigen Informationsaustausch vermeide ich solche Probleme. Des Weiteren stellen wir anhand realistischer Tests in unserer Entwicklungsumgebung die Abläufe in den Werken nach. Hierdurch erkennen wir schon frühzeitig die Auswirkungen von Quereffekten und können sie beseitigen.


Sie möchten auch bei Kaufland durchstarten? Mehr zu den unterschiedlichen Einstiegsmöglichkeiten unter: kaufland.de/karriere


Wo liegen Ihrer Meinung nach die größten Hindernisse für Absolventen, sich in einem derart komplexen Aufgabengebiet sofort sicher zu fühlen?
Als Einsteiger ist es unmöglich, sich sofort in der gesamten Prozesslandschaft eines Kunden auszukennen und das ist wirklich normal. Man wächst in sein Aufgabengebiet hinein und kann auch mal über nicht beachtete Prämissen stolpern. Hinzu kommt, dass jeder Kunde andere Herausforderungen zu bewältigen hat. Ge­rade zu Beginn war dieses Hineindenken in die Ausgangssituation und das Umfeld für mich herausfordernd. Der Austausch mit meinen Kollegen hat mir ge­holfen, das große Ganze zu betrachten und auch andere Denkansätze zu verfolgen.

Wie verändern sich die Strukturen eines Handelsunternehmens im Zuge der Di­gi­talisierung? Sie waren ja auch bei der SAP-Einführung des Fleischwerks von Kaufland in Heil­bronn mit beteiligt.
Im Zuge der Digitalisierung sind die Themen E-Commerce und Multichannel im Lebensmitteleinzelhandel angekommen. Der Kunde nutzt verschiedene Ka­näle zum Einkaufen oder zur Informationsbeschaffung und fordert dies auch von den Händlern ein. Natürlich möchte der Händler seinem Kunden diese Möglichkeiten bieten und nutzt daher IT-technische Lösungen. Dies hat eine immer stärkere Vernetzung zwischen einzelnen Abteilungen und Zulieferern und natürlich einen Anstieg des Informationsaustauschs zur Folge. Analog dazu entwickeln sich die IT-Architektur und Prozesse ständig weiter. Was heute noch technologisch als Neuheit angepriesen wird, ist morgen vielleicht schon wieder veraltet und nicht mehr praktikabel.

Im Falle der SAP-Einführung in unserem Produktionswerk in Heilbronn stellte uns beispielsweise die große Datenmenge vor Herausforderungen. Sensorik, Maschinen und Mitarbeiter produzieren unab­lässig Daten in unterschiedlicher Qualität und in unterschiedlichen Systemen. Die Zusammenführung, Aufbereitung und Wei­terverarbeitung war und ist immer wieder eine spannende Angelegenheit.

Was war bisher das spannendste Projekt, an dem Sie für Kaufland mitgewirkt haben?
Direkt nach meinem Studium wurde ich mit der Konzeptionierung, Entwicklung und Einführung einer neuen Anwendung zur Temperaturerfassung betraut. Neben diversen Gesprächen mit den Kollegen vor Ort war vor allem die systemtechnische Vorbereitung für die neu eingesetzte Technologie aufregend. Da es keine Referenzen im Unternehmen gab, war der Bau des Prototyps etwas Besonderes. Ich war täglich mit unterschiedlichen Bereichen in Abstimmung und lernte so unsere Ansprechpartner in den einzelnen Un­ternehmensbereichen kennen. Der finale Höhepunkt war natürlich die Einführung an der Fertigungsstraße im Fleischwerk. Zusammen mit den Kollegen konnten wir erfolgreich die erste Datenerfassung vor Ort vornehmen.

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