„Coden macht glücklich“

Glenna Buford ist eine der Ausnahme-Frauen in der Gaming-Branche und leitet ein Team aus fünf Programmierern für das beliebte Spiel „Jelly Splash“ des Berliner Entwicklers Wooga. Auf hitech-campus.de berichtet sie von ihrer Karriere in der Games-Branche.

Frau Buford, was waren Ihre ersten Gaming-Erfahrungen?
Ich war elf Jahre alt und habe die Sommerferien bei meiner Cousine verbracht. Damals spielten wir auf der Nintendo 64 ,Mario Kart’ oder ,Diddy Kong Racing’. Oft zehn Stunden am Stück, nur unterbrochen von kurzen Ausflügen in den Pool und dem Essen.

Wie sind Sie dann beruflich in der Spiele-Industrie durchgestartet?
Bevor ich zu Wooga kam, arbeitete ich in San Francisco für ein Start-up, das einen Compiler – also ein Programm, das Quelltext in ausführbaren Code umsetzt – für plattformübergreifende Entwicklung von Mobile Apps entwickelte. Dieses Tool wurde vor allem von Spiele-Entwicklern genutzt, inklusive Wooga. Meinem heutigen Arbeitgeber half ich dabei, ,Jelly Splash’ von iOS auf Android zu übertragen. Ein Jahr später wurde mir ein Job in Berlin angeboten.

Was fasziniert Sie an Ihrer Arbeit?
Während meines Mathestudiums belegte ich Informatikkurse und programmierte nebenbei für einige Forschungsprojekte. Es war total befriedigend zu sehen, wenn meine Code-Zeilen am Ende zu einem kleinen Programm wurden. Dieses Glücks­gefühl hat mir gezeigt, dass mir Informatik noch mehr liegt als die Mathematik. Deshalb machte ich noch einen Master in Computer Science.

Was ist Ihre Aufgabe als Engineering Lead?
Ich kümmere mich um ,Jelly Splash’, eines der derzeit erfolgreichsten Spiele von Wooga. Dabei müssen die Spieler gleichfarbige ,Jellies’ verbinden. Wir sind fünf Programmierer in meinem Team. Als Lead Engineer bin ich für alle technischen Entscheidungen und Entwicklungen verantwortlich. Trotz der Führungsaufgabe ist mein Hauptjob immer noch das Programmieren. Wir haben einige Millionen Spieler, die auch nach drei­einhalb Jahren immer neue Features und Level erwarten. Um diese Ansprüche zu befriedigen und die Qualität des Spiels zu halten, gibt es alle zwei Wochen Updates.

„Zu sehen, dass meine Code-Zeilen zu einem Programm werden, ist immer wieder großartig“

Wie schätzen Sie die Rolle von weiblichen Fachkräften in der Spieleindustrie ein?
Die Zahl der Expertinnen in der Games-Industrie wächst. Ich glaube, das ist eine tolle Inspiration für andere Frauen. Wichtige Voraussetzungen für diese Vorbildfunktion ist aber Öffentlichkeit und Aufmerksamkeit. Nur so können hochqualifizierte Frauen den Nachwuchs für eine Karriere in dieser Branche begeistern.

Wie unterstützen Sie diesen Plan?
Es ist wichtig, schon früh den Nachwuchs für sich zu begeistern. Zusammen mit anderen Freiwilligen habe ich deshalb die Girls’ Games Workshops in Berlin ins Leben gerufen. Dabei zeigen wir den Mädchen, wie Spiele entstehen und welche Berufschancen die Spiele-Industrie bietet. Das ist eine spannende Erfahrung. Die Jugendlichen machen sich nur selten Gedanken darüber, wie viel Arbeit hinter der Entwicklung ihrer Lieblingstitel steckt. Gleichzeitig erklären wir mit einfachen Mitteln die Grundprinzipien des Programmierens und entwickeln innerhalb eines Tages ein eigenes Spiel.

Wären Spiele anders, wenn mehr Frauen in der Entwicklung beteiligt wären?
Ein Entwickler-Team besteht idealerweise aus ganz unterschiedlichen Menschen. Diese Heterogenität in Geschlecht, Alter und Kompetenzen sorgt für ein besseres Verständnis für die eigenen Spieler. Immerhin werden auch Games wie ,Jelly Splash’ von Menschen überall auf der Welt gespielt – Jung und Alt, Frau und Mann und mit ganz unterschiedlichen kulturellen Hintergründen.


Mehr über den BIU – Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware e.V. auch unter www.biu-online.de.

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